Mit dem Bollenhut durch Asien

Jennifer Reyes

Die Weltenbummler Flora und Josef reisten 14 Monate durch ganz Asien. Im Gepäck hatten sie einen Schwarzwälder Bollenhut, mit dem sie asiatische Frauen in ihrem Lebensumfeld ablichteten. Die einzigartigen Fotos stellen sie ab nächster Woche aus.

Wer auf eine lange Reise geht, versucht möglichst wenig Gepäck mitzunehmen. So war es auch bei Flora und Josef – mit einer Ausnahme. Ihr Gepäck bestand aus zwei 35-Liter-Rucksäcken, in die neben ein wenig Kleidung und der Reiseapotheke auch eine Spiegelreflexkamera und ein Laptop passte. So weit, so normal. Doch die beiden schleppten auch einen fast zwei Kilo schweren, originalen Schwarzwälder Bollenhut mit sich herum.


Warum? Das junge Paar wollte auf der Reise kreativ sein und etwas visuell erschaffen. Dafür sollte der Bollenhut als international bekanntes Symbol für den Schwarzwald als kultureller Türöffner dienen. "Durch den Hut kommt man mit Frauen besser in Kontakt und kann sie dann in ihrer alltäglichen Umgebung fotografieren", erklärt Flora den Gedanken.

So lange reisen, bis die Kohle weg ist

Flora Wenczel und Josef Weis kennen sich seit fünf Jahren und im Herbst 2016 wurden aus Ideen für eine Weltreise ein konkreter Plan. Flora beendete ihr Masterstudium in Kognitionswissenschaft in Freiburg und als Josef, der als Schreinermeister und Möbeldesigner arbeitet, den Ausbau der gemeinsamen Wohnung in Simonswald abgeschlossen hatte, sollte es für die beiden losgehen nach Süd-Ost-Asien, China, Zentralasien und Indien.

Für wie lange, das stand am Anfang noch nicht fest. "Wir gehen erst heim, wenn die Kohle weg ist", so Josef. Das Reisebudget von 10.000 Euro pro Nase lag angespart auf dem Konto, doch Josefs Vater erlitt vor ihrer Abreise einen Schlaganfall und so stiegen die beiden erst ein halbes Jahr später im September 2016 in den Flieger in Richtung Osten.

"I sag ene eins, wenn sii Schmu mit dem Huot trybe, i chumm un draihe ene de Hals um" Waltraud Kech

An einen Original Schwarzwälder Bollenhut zu kommen, war allerdings gar nicht so einfach. Dafür nahmen Flora und Josef Kontakt zu Waltraud Kech aus dem Kirnbachtal auf. Sie ist eine der wenigen Frauen, die weiß wie man den Schwarzwaldhut mit den 14 Wollbollen in Handarbeit anfertigt. "I sag ene eins, wenn sii Schmu mit dem Huot trybe, i chumm un draihe ene de Hals um", erinnert sich Josef an Kechs warnende Worte als sie den Bollenhut als Leihgabe in deren Obhut übergab. Die Bollenhut-Tradition wird streng bewahrt, denn Hut und Tracht dürfen nur in den drei Gemeinden Kirnbach, Gutach und Hornberg-Reichenbach getragen werden.

Eine individuelle Reise fernab vom Tourismus zu machen, das war für Flora und Josef sehr wichtig. Ihr Ziel war es so viel wie möglich zu sehen und daher reisten sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln, übernachteten im Auto und legten auch große Strecken zu Fuß zurück.

Traditionen erschwerten den kreativen Prozess

"Man geht ohne Erwartungen rein", sagt Flora und so war es auch mit dem Fotoprojekt. Meistens war sie es, die auf die Frauen zuging. Josef stand hinter der Kamera und konzentrierte sich auf die Bildkomposition. Die Leute in Asien sind allgemein sehr offen, doch manchmal wurde der kreative Prozess erschwert, etwa durch die vorherrschende traditionelle Frauenrolle in Ländern wie Indien.

Frauen ansprechen geht nur über den Mann und wenn der seine Zustimmung für ein Bild gibt, war die Frau gewissermaßen gezwungen mitzumachen. "Wenn etwas unangenehm war, dann haben wir Abstand von der Idee genommen", sagt Flora. Auch Josef war es wichtig nichts zu erzwingen und abgesehen davon "tut es der Kreativität auch mal gut ohne Kamera unterwegs zu sein", meint er.

"Du kannst das alles irgendwann nicht mehr mit dem Herz begreifen, weil die Reisesituation wieder Alltag wird."Josef Weis
Das Reiseende läutete nicht die Geldnot ein, sondern hatte andere Gründe. "Du kannst das alles irgendwann nicht mehr mit dem Herz begreifen, weil die Reisesituation wieder Alltag wird", sagt Josef. Floras Reisefazit: "Ohne Hut wäre die Reise bestimmt anders verlaufen, aber dann hätten wir an manchen Orten nicht so viel Zeit verbracht." Die nächste große Reise wird kommen. Wohl ohne Bollenhut, aber definitiv mit Kamera.
Infos zur Ausstellung

Die Fotoausstellung Bollyhood - Mit dem Bollenhut durch die Welt ist vom 22. Januar bis 5. März 2018 im Restaurant und Café Gleis 1 in Hugstetten, Am Bahnhof 2, 79232 March, zu sehen. Die Vernissage findet dort am Montag, 22. Januar 2018 um 19 Uhr mit Sektempfang statt. Alle Infos über Flora, Josef und die Fotos gibt es unter www.bolly-hood.com

Flora Wenczel ist in Mödling, Österreich, geboren und aufgewachsen. Sie studierte in München Biologie im Bachelor und schloss 2016 ihr Masterstudium in Kognitionswissenschaft in Freiburg ab. Derzeit ist sie auf Arbeitssuche und überlegt zu Promovieren.

Josef Weis ist 35 Jahre alt und gebürtiger Schwarzwälder aus Simonswald. Er ist von Beruf Schreinermeister und Möbeldesigner. Mit Flora bewohnt er die die oberste Etage im Haus seiner Eltern.

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