Mit dem BierBike durch Freiburg: Malle auf vier Rädern

Hannah Allgaier

Strampeln und nebenher Bier trinken. Das gibt es nur auf dem Freiburger BierBike. Hannah hat Fahrerin Regina eine Tour lang begleitet und war überrascht über die vielen positiven Reaktionen.



„In die Pedale, fertig, los“, ruft Regina. Gejohle auf dem Wagen, und endlich geht's tatsächlich los. Langsam setzt sich das BierBike in Bewegung; kurze Ernüchterung auf den Strampelplätzen: „Puh, das ist ja doch anstrengender als erwartet.“


Auf einem Gefährt haben 17 Personen Platz. Heute fahren Studierende der Angell Akademie, die gerade ihre letzte Prüfung geschrieben haben. Schon vor dem Start ist die Stimmung heiter und ausgelassen.

Regina Fendt ist die einzige Fahrerin auf dem Bike; neben ihr gibt es noch vier Jungs, die die restlichen Touren fahren „Wir brauchen hier Fahrer, weil es unverantwortlich wäre, jemanden Fremdes das Bike lenken zu lassen", erklärt Regina. "Dann wissen wir auch nie, ob derjenige noch nüchtern ist oder nicht.“ Eigentlich hat Regina Heilpädagogik studiert und arbeitet als Jugendhelferin. Nebenbei fährt sie aber regelmäßig das BierBike durch Freiburg.

Das Unternehmen BierBike gibt es in Freiburg seit Anfang 2009. „Ich habe eine Anzeige gesehen, in der Fahrer fürs BierBike gesucht wurden. Dafaufhin hab ich eine kurze Mail geschrieben, dass ich mega Lust auf den Job hätte. Anscheinend hat es meinen jetzigen Chef gefallen, sonst würde ich heute nicht hier sitzen.“ Regina lacht.



Luka, einer der Studenten, steht im Innenraum des Vehikels und schenkt Bier sowie Sekt aus. Das muss er wohl noch etwas üben, denn: Sein erstes Bier besteht aus einem Drittel Gerstensaft und zwei Dritteln Schaum. Harten Alkohol schenkt er nicht aus. „ Das BierBike soll Spaß machen und niemanden komplett abfüllen. Dann kann er auch in eine Kneipe gehen. Leute, die hier schon total dicht ankommen, lasse ich gar nicht erst aufs Bike“, sagt Regina.

Die Studierenden treffen sich an der Brauerei Ganter, wo die Tour auch sonst immer startet. Langsam fahren sie die Schwarzwaldstraße entlang; sie passieren den Erotikshop und strampeln Richtung Schlossbergring. Dann erklingt der erste Schlager: „Ich bau dir ein Schloss“ von Jürgen Drews, dem König von Mallorca. Und alle stimmen textsicher mit ein. Es stimmt also wirklich: Größtenteils werden auf dem Bike Schlager und Hits vom Ballermann abgespielt; aber Regina hat auch schon andere Musikstile aufgelegt: „Hier saßen auch schon mal Kerle, die 120 Minuten non-stop Hiphop hören wollten. Ich bringe hier alles, solange gute Stimmung aufkommt!“ Welche Musik gehört wird, können die jeweiligen Gruppen selber entscheiden.



Die vorbeifahrenden Autos hupen, und nicht selten kommt es vor, dass jemand die Scheiben herunterkurbelt und nach einem Bier ruft. Die positiven Reaktionen auf die lustigen BierBike-Gesellschaften stimmen Regina fröhlich. „Die meisten freuen sich als mit uns. Winken oder rufen den Leuten etwas zu. Natürlich gibt es auch Menschen, die nur den Kopf schütteln. Das kommt aber zum Glück nur selten vor.“

Reginas schönste Tour? „Einmal war's wirklich total cool. Die Jungs haben morgens angefangen, einen Jungsellenabschied zu feiern. Das BierBike war ihre erste Station am Tag. Wir mussten überhaupt keine CDs auflegen. Die haben die ganzen zwei Stunden komplett durchgesungen. Das war so eine entspannte Stimmung. Hat mir total Spaß gemacht!“

Doch nicht immer halten sich alle an die Regeln. So ist es zum Beispiel untersagt, während der Fahrt vom Bike zu springen und irgendwo Wildpinkeln zu gehen. „Die Leute haben manchmal einfach keinen Respekt vor der Sache. Hören plötzlich auf zu Treten und halten mitten auf einer befahrenen Sraße. Und das nur, weil sie es lustig finden“, so Regina.



Die heutige Truppe macht keinerlei Schwierigkeiten. Gut gelaunt winkt sie den Passanten zu, radelt einmal quer durch Herden und fährt dann Richtung Platz der alten Synagoge. Dort dürfen die BierBiker zum ersten Mal austreten: Zehn Minuten Entspannung für Waden und Oberschenkel. Man unterschätzt die körperliche Anstrengung, die Bierbiking verursacht. „Wahrscheinlich verbrenne ich beim Strampeln alle Kalorien wieder, die ich beim Trinken zu mir nehme“, sagt eines der Mädels und lacht.

Die Kopfsteinplaster in der Innenstadt machen es Luka besonders schwer, das Bier ordentlich einzuschenken. Ein ständiges Hin und Her, Auf und Ab. Doch der Stimmung tut das keinen Abbruch. Als das Bike an der Johanniskirche ankommt, halten sich zwei Rennradfahrer am ihm fest und bekommen von den Studierenden ein Bier gereicht. „Genau das mag ich so an diesem Job. Immer wieder passieren neue Dinge“, kommentiert Regina die Aktion.



Die Studierenden sind heute Reginas letzte Kunden, so dass sie nicht in Eile ist und die Tour eine halbe Stunde länger dauert als gewöhnlich. Mit roten Köpfen und schweißbefleckt kehren sie zur Brauerei Ganter zurück. "Ein Hoch auf unsere Bikefahrerin", johlen sie. Und sobald die Reifen stillstehen, rennen die ersten Mädels auf die Toilette der gegenüberliegenden Tankstelle.

Gemeinsam mit dem Rest der Gesellschaft kutschiert Regina das BierBike zurück in die Garage. Dann, als alle weg sind, putzt sie die Theke. Und gegen 23 Uhr schließt sie endlich das Garagentor.

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