Mit deinwal.de kannst du herausfinden, welche Partei so abstimmt, wie du

Gina Kutkat

Wahl-o-Mat und Kandidatometer – dass man mit einem Quiz herausfinden kann, wie die eigene Meinung zu Parteien oder Kandidaten passt, ist nicht neu. Neu ist DeinWal.de, das sich auf tatsächliche Abstimmungen im Bundestag bezieht.

Gina Kutkat hat mit Tom Theile gesprochen – er ist einer der beiden Macher von deinwal.de.

Die Fragen auf Deinwal.de beziehen sich auf Abstimmungen im Bundestag. Warum ist das tatsächliche Wahlverhalten Eurer Meinung nach wichtiger als ein Wahlprogramm, auf das sich beispielsweise der Wahl-O-Mat bezieht?

Tom Theile: Wahlprogramme sind natürlich auch wichtig. Dort steht drin, was diese Parteien umsetzen wollen und was sie versprechen. Wie jeder mittlerweile weiß, erfüllen Politiker aber nicht immer das, was sie vor der Wahl zugesichert haben. Wir haben jedoch die Daten und wissen, wie sie in der letzten Legislaturperiode abgestimmt haben. Die Daten sind nur leider sehr schwer zugänglich - das wollten wir ändern. So kam die Idee zu diesem Quiz: Jetzt kann man durch deinwal.de die Entscheidungen der Parteien nachspielen.

Wie seid ihr an die Daten zu den Abstimmungen gekommen?

Die liegen für jeden erreichbar auf der Seite bundestag.de, allerdings sind sie dort in schwer durchforstbarer Form in Excel-Tabellen und PDF-Dateien vergraben. Bevor wir deinwal.de gestartet haben, mussten wir erst einmal alles runterladen und für uns und andere verfügbar machen. Die Daten für jede namentliche Abstimmung liegen jetzt etwas einfacher zugänglich auf wahlbilanz.de, jeder kann sie dort einsehen.

FDP, AfD und Die Partei sind in der Auswertung nicht vertreten, weil sie nicht in den 18. Bundestag gewählt wurden. Ist das nicht ein Manko?

Ja, das ist in der Tat ein großer Nachteil unseres Konzepts. Leider können wir das nicht ändern; wir haben nur Daten zu vier Parteien. Das muss aber nicht zwingend nachteilig für die anderen Parteien sein. Dein Wal zeigt den Nutzern auch, wenn sie mit keiner Partei so richtig übereinstimmen. In jedem Fall sollten sich alle Wähler aber auch unbedingt über die anderen Parteien informieren.

Was gibt es noch für Einschränkungen – Stichwort Koalitionsvertrag?

SPD und CDU haben natürlich einen Koalitionsvertrag ausgehandelt und daher oft gleich abgestimmt. Zum Beispiel war die SPD für den Mindestlohn und die CDU eigentlich nicht wirklich, musste aber trotzdem dafür stimmen. Auf der anderen Seite weiß man natürlich auch nicht, ob die Opposition aus Überzeugung abgestimmt hat oder nicht. Hätten sie eine Diätenerhöhung auch abgelehnt, wenn sie an der Macht gewesen wären? Deswegen kann deinwal.de auch nicht die einzige Informationsquelle sein.

Ihr empfehlt also den Nutzern nicht, die Partei zu wählen, die am Ende des Fragenkatalogs an erster Stelle steht?

Unser Ratschlag ist, das Quiz einmal durchzuspielen und zu schauen, ob als Ergebnis die Partei herauskam, die man favorisiert. Sollte das nicht übereinstimmen, dann sollte man vielleicht drüber nachdenken und sich fragen, warum die Partei anders gestimmt hat. Daneben sollte man natürlich auch den Wahl-O-Mat benutzen, wirklich ein super Tool. Außerdem sollte man Zeitung lesen und nicht nur den Versprechungen der Politiker glauben.

Eure Website ist Open-Source. Warum ist euch das wichtig?

Wir sind Free-Software-Fans. Wir wollten die Seite offen gestalten, damit jeder im Zweifel nachvollziehen kann, wie es zu einem bestimmten Ergebnis gekommen ist. Es gab sogar schon am ersten Tag ausführliche Hilfe von Fremden, die die ganzen Tippfehler korrigiert haben. Außerdem war in der letzten Frage noch ein Fehler – da haben wir auch gleich zehn Emails bekommen. Jeder kann mithelfen, das ist das Tolle an Open Source. Wir würden uns auch freuen, wenn der Code auch anderen Projekten hilft.

Wie viele Daten werden von mir gespeichert, wenn ich deinwal.de durchspiele?

Wenn man die Seite ansurft, wird einmal alles im Browser heruntergeladen, dort werden dann auch die Antworten gespeichert – mehr nicht. Bei anderen Webseiten muss man die Antworten wieder an den Server schicken, das ist bei uns nicht nötig. So können wir überhaupt nicht wissen, was die Leute angeklickt haben und auch niemand anderes kann das abfischen. Niemand erfährt etwas von deiner politischen Einstellung, die Daten sind sicher.
Tom Theile, 31, hat zusammen mit Martin Scharm, 31, die Webseite deinwal.de ins Leben gerufen. Die beiden kennen sich vom Lehrstuhl für Systembiologie und Bioinformatik der Universität Rostock. Sie gehören keiner Partei an und verdienen (bisher) kein Geld mit deinwal.de.