Genuss-Messe

Mirror Glaze – Trendiges Torten-Tuning auf der Plaza Culinaria

Franziska Brandsch

Sie sehen aus wie aufgemotzte Autos und sind doch so süß: Mirror Glaze heißt der neue Tortentrend. Lernen konnten Hobbykonditoren das Verzieren bei einem Workshop auf der Plaza Culinaria.

Am Sonntag war auf der Plaza Culinaria außergewöhnliches Tortenverzieren angesagt. Der ehemalige Weltmeister des Konditorhandwerks Bernd Siefert zeigte hier zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei einem Workshop des Magazins "Sweet Dreams" wie der neuste Deko-Trend Mirror Glaze ganz leicht zu Hause nachzumachen ist.


Der Unterschied zwischen einer normalen Glasur, wie man sie von der Sachertorte kennt, und einer Glanzglasur, seien zwei Zutaten, erklärte der Torten-Spezialist: Zum einen Glukose, welche der Torte eine gewissen Leichtigkeit verleiht, und zum anderen Gelatine, welche zudem die nötige Stabilität mit sich bringt. Die Kombination aus diesen beiden Zutaten ist für den spiegelartigen Glanz verantwortlich.



Mirror Glaze Torten habe er jedoch bereits vor 20 Jahren gebacken und seien eigentlich nichts Neues. Nichtsdestotrotz liegen die Hochglanztorten mit ihren bunten Einfärbungen derzeit voll im Trend und sind aus Facebook, Instagram und Twitter nicht wegzudenken. Der Trick dabei ist, gefrorene oder zumindest halbgefrorene Torten zu verwenden, damit die Glasur stockt.

Für jeden Teilnehmer waren daher schon Torten vorbereitet und im Tiefkühler gelagert. Jeder hatte kleine Herdplatten sowie Töpfe und Backutensilien vor sich. Nun sollte eine helle Glasur zubereitet werden. Alle Zutaten dafür waren bereits für jeden abgemessen und in kleinen Behältern bereitgestellt. Mit Backschürzen ausgestattet, konnte es endlich losgehen.

Milch-Sahne-Gemisch kocht über

Unter Anleitung des Profis kam die erste Zutat in den Topf: Glukosesirup. Hinzu kamen dann Sahne und Milch und alles sollte aufkochen. Vor lauter Erklären kochte dem Profi dann sogar selbst das Milch-Sahne-Gemisch über und sorgte für Erheiterung bei den Teilnehmern. Ganz entspannt machte er weiter und fügte den Zutaten im Topf aufgeweichte Gelatineplatten hinzu, die er vorher für weniger Minuten in kaltem Wasser ruhen gelassen hatte. Als nächstes kamen Stückchen weißer Schokolade mit hinein und alles wurde mit einem Stabmixer püriert, um eine ebenmäßige Flüssigkeit zu erhalten. Als Tipp gegen Luftblasen merkte Siefert an, nur unterhalb der Glasur-Oberfläche zu pürieren.

Gekonnt machten das Ingrid (60) und Eva-Maria (28) Kaufmann. Die Workshop-Teilnehmerinnen kamen sogar extra aus der Schweiz angereist, um ihr Idol zu sehen. Das Mutter-Tochter-Duo aus der Nähe von Luzern hat schon viele Kurse bei Bernd Siefert belegt: Hochzeitstorten backen, Pralinen herstellen und Desserts zubereiten. Mirror Glaze hatten sie allerdings noch nie gemacht. "Eva-Maria backt neben ihrer Tätigkeit im Büro selbst Hochzeitstorten, ich bin also eher ihre Assistenz", sagte ihre Mutter lachend.

Titandioxid für die Grundierung

Nach dem Pürieren wäre die Glasur theoretisch fertig, aber noch halbtransparent. Daher kam dann die Farbe mit ins Spiel. Verwendet wurde hier ein Titandioxid. Das Pulver verlieh der beigefarbenen Masse eine weiße Farbe und die gewünschte Undurchsichtigkeit. Die Torten wurden aus dem Tiefkühler geholt und auf Marmeladengläser gestellt. Die weiße Farbmasse wurde darüber geleert und somit die Grundierung der Glasur geschaffen.

Als nächstes kam Siefert mit zwei großen Behälter brauner Flüssigkeit in den Raum und fragt: "So, wer hat das Schokoladen-Boby-Painting-Seminar gebucht?" Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lachten herzhaft und man merkte der Gruppe sowie dem Konditormeister deutlich an, dass sie alle Spaß hatten.

Perfekte Mischung für Glanz und Genuss

In einem der Behälter befand sich eine Masse mit Kakaopulver und in dem anderen Kuvertüre. Siefert erklärte, dass die Masse mit dem Kakao die Glasur schöner glänzen lasse, aber nicht so gut schmecke wie Kuvertüre und andersherum. Beide zusammen ergäben aber die perfekte Mischung aus Glanz und Genuss.

Die 37 Jahre alte Sandra Sterstik aus der Nähe von Tuttlingen backt ebenfalls Motiv- und Hochzeitstorten und auch für sie war Mirror Glaze eine Neuheit. "Klar kann man sich Vieles auch selbst beibringen, aber es ist doch nochmal etwas anderes, wenn man es von einem Konditorprofi gezeigt bekommt".

Jedem der Teilnehmer war es frei überlassen, welche Marmorierung und Farben er gerne auf der eigenen Torte hätte. Es konnte mit dunkler Schokoladenglasur, roter, blauer und weißer Farbe gearbeitet werden sowie mit goldenem Glitzer. Es konnte nach Belieben alles gemischt darauf verteilt werden. Zudem gab es für jeden Dekohäubchen, die mit Farbsprays eingefärbt werden konnten. "Meine Lieblingsseminare sind die, bei denen man eine riesen Sauerei macht", merkte Siefert an. Am Ende des Kurses jedenfalls waren alle komplett in Glitzer gehüllt.
Zur Person

Bernd Siefert (50) wurde 1997 Weltmeister der Konditoren und 2015 Weltkonditor des Jahres. Seit 2002 führt er in seiner Heimatstadt Michelstadt das Café Siefert und ist derzeit als Juror für verschiedene Backwettbewerbe tätig. Bereits seit mehreren Jahren kommt er zur Plaza Culinaria und bietet Workshops mit neuen Backideen an.

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