Interview

Miriam Kaltenbach aus Gundelfingen ist keine Weinkönigin geworden

Markus Zimmermann

Am Freitagabend fand die Krönung der deutschen Weinkönigin statt. Unter den Finalisten war Miriam Kaltenbach aus Gundelfingen. Im Interview erzählt sie, wie sie den Abend erlebt hat.

Freitagabend, 22.03 Uhr, steht es fest: Miriam Kaltenbach aus Gundelfingen-Wildtal wird keine Deutsche Weinhoheit. Noch in der Nacht ist sie mit dem Fanbus zurückgefahren, gegen 3 Uhr war sie zuhause. Anstrengende Tage liegen hinter der Winzerin. Nach dem Ausschlafen sprach Markus Zimmermann mit ihr.


BZ: Bei der Verabredung zum Interview haben Sie gesagt, sie würden nicht unter die ersten Drei kommen. Was hat sie das erahnen lassen?
Kaltenbach: Es war so ein Gefühl und das Wissen, dass neben Fachwissen auch die Tagesform eine Rolle spielt. Außerdem macht viel die Bühnenpräsenz aus und ich weiß, dass ich sehr aufgeweckt bin und dabei sehr viel gestikuliere.

BZ: Die große Enttäuschung kann es deshalb nicht sein, wie fühlen Sie sich?
Kaltenbach: Ich gehe mit dem Gefühl, dass ich es nicht hätte besser machen können. Manchmal im Leben reicht das nicht. Aber noch mehr, ich bin glücklich, das erleben zu können und es hat viel Spaß gemacht. Ich konnte zeigen was ich kann und ich bin vor allem ich geblieben, habe mir keine Gedanken darüber gemacht, was eventuell von mir erwartet wird, was die Jury sehen will.

BZ: Als erste der sechs Kandidatinnen dran – eine Hypothek oder eher ich bring‘s gleich hinter mich?
Kaltenbach: Ich fand es sehr positiv, viel besser als warten und nicht mitzubekommen, was die anderen machen. Ich konnte die Mitbewerberinnen sehen und denke, ich habe die Messlatte hoch gelegt. Insgesamt haben es alle toll gemacht, in der Jury möchte ich nicht gesessen haben.

BZ: Was war die schwierigste Aufgabe?
Kaltenbach: Für mich tatsächlich das Erkennen des Weines, nachdem ich im Gespräch vor der ersten Aufgabe schon sensorisches Wissen beweisen konnte, wollte ich gerade dabei nicht daneben liegen. Ich war mir schon gleich sicher, habe dann doch den Joker gezogen.

BZ: Haben sie sich besonderes vorbereitet, im Wissen um besondere Stärken und Schwächen?
Kaltenbach: Beim fachlichen Wissen war ich mir aufgrund meiner Ausbildung sehr sicher und was das Auftreten angeht wurden wir regelrecht trainiert.

BZ: Auf der Bühne sah das alles harmonisch aus, war die Konkurrenz im dahinter spürbar?
Kaltenbach: Überhaupt nicht, ich glaube jede hat jeder den Erfolg gegönnt. Wir haben hinter der Bühne sogar Karten gespielt. Es war ja auch ein langer Tag. Um 13.30 Uhr waren wir schon in der Maske.

BZ: Zwei Jahre ein Leben mit Krone, was machen Sie jetzt ohne?
Kaltenbach: Ich hatte zwei tolle Jahre, durfte unverzichtbare Erfahrungen machen und freue mich darauf, jetzt mehr Zeit für Studium und Freundschaften zu haben. Ich kann jetzt meine Zeit freier gestalten, bin 22 und habe noch so viel vor mir, auf das ich mich freue.

BZ: Was hat ihnen in den zwei Jahren als Weinhoheit am meisten Spaß gemacht, was werden sie nicht vermissen?
Kaltenbach: Der Kontakt mit den Menschen, vor allem auch mit Winzern, war sehr bereichernd. Auch was die Perspektiven für mich als Berufskollegin betrifft. Nicht vermissen werde ich die Pendelei auf der Straße.

BZ: Welches wäre ihr Lied für die Runde der letzten Drei gewesen?
Kaltenbach: Tage wie diese von den Toten Hosen. Dazu hätte ich ein Foto von einem Berg in Tansania gezeigt, mit Blick in die Weite – es gibt Momente im Leben, die sind einmalig.
Miriam Kaltenbach, 22 Jahre, entschied sich nach einem freiwilligen sozialen Jahr in Tansania für den Beruf der Winzerin und studiert an der Hochschule für Weinbau und Önologie. Im August 2017 wurde sie in Emmendingen zur Breisgauer Weinprinzessin, im Juni 2018 in Freiburg zur Badischen Weinkönigin gekrönt.