Minutengebet: Erzdiözese Freiburg bietet Online-Auszeit an

Manuel Lorenz

Eine Minute lang auf den Bildschirm schauen und innehalten: Das kann man jetzt beim "Minutengebet" der Erzdiözese Freiburg. "Wer diese Minute nutzt, geht daraus gestärkt hervor", behauptet Pressesprecher Robert Eberle.



Das Internet hat der genialen Goethe'sche Wortschöfpung vom "Veloziferischen" - vom teuflisch Eiligen also - zu neuer Ehre verholfen. Schneller drehte sich die Welt nie zuvor, und nie zuvor brachen solch übergroße Informationsfluten über uns herein. Da bleibt das Langsame, Alte leicht auf der Strecke - zum Beispiel die Religion.


Das "Minutengebet" der Erzdiözese Freiburg ist ein Versuch, auf diese extrem beschleunigte Welt zu reagieren, die dazu anhebt, die jahrhundertealte Institution namens katholische Kirche zu überholen. Wer will, kann auf die Webseite ebfr.de/minutengebet gehen und eine Minute - oder natürlich auch länger - darauf verweilen. Im Hintergrund soll mehrmals pro Woche ein anderes Bild zur Betrachtung einladen; unten steht: "Eine Minute für mich", und ein Counter zählt 60 Sekunden herunter. Das Ziel: Reflexion, Meditation, Gebet.

Eigentlich eine feine Sache. Denn: Die Seele ab und an baumeln zu lassen, ist immer gut. Nur: Es fehlt eine Erinnerungsfunktion, die demjenigen, der das Angebot annehmen will, signalisiert, dass er jetzt mal auf die "Minutengebets"-Webseite gehen sollte, um eine Minute lang zu beten. Und: Was macht der Online-Atheist von heute? In welchen digitalen Raum kann er sich begeben, um mal kurz durchzuschnaufen und über Sinn und Unsinn des Lebens nachzudenken?

Zwei Dinge könnten also verbessert werden. Erstens: Das "Minutengebet" braucht eine Erinnerungsfunktion. Zweitens: Es muss eine Version für Atheisten her.

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