Islamismus

Ministerium bestätigt: 3 Terrorverdächtige hatten Verbindungen in Freiburger Moschee

Daniel Laufer & Joachim Röderer

Der in Freiburg festgenommene Terrorverdächtige hat wohl keinen Anschlag in Deutschland geplant. Das Innenministerium Baden-Württemberg bestätigt aber, dass er und weitere mutmaßliche Terroristen Verbindungen in die Ibad-ur-Rahman-Moschee im Stadtteil Herdern hatten. Schon deren Gründer warb einst für den Dschihad.

Sechs, sieben Mal schmettern die Polizisten den Rammbock gegen die dunkle Holztür, dann springt sie auf und das Sondereinsatzkommando steht im Flur der Wohnung in einem Mehrfamilienhaus im Freiburger Stadtteil Haslach. Das berichten Anwohner. Es ist Mittwoch, kurz nach 6 Uhr. Die Beamten tragen Sturmhauben. Sie suchen nach einem 29-Jährigen, der hier seit ein paar Monaten bei seiner Mutter lebt. Ohne Widerstand lässt er sich festnehmen.


Der Terrorverdächtige hat wohl keinen Anschlag in Deutschland geplant. "Nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen haben wir hierzu keinerlei Anhaltspunkte", sagt Andreas Krombacher vom Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg am Freitag. Der Tatvorwurf der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat beziehe sich auf die Aktivitäten des Deutschen in Syrien. Zuvor hatte sich die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart geweigert, nähere Angaben zum Tatvorwurf zu machen. Sie nannte ermittlungstaktische Gründe.

Der Verhaftete soll Ende 2013 nach Syrien gereist sein, um sich bei den Terrormilizen des sogenannten Islamischen Staats (IS) an der Waffe ausbilden zu lassen. Später habe er sich der terroristischen Gruppe Dschunud al-Scham angeschlossen, und an Kampfhandlungen teilgenommen. Mitte 2014 soll er Syrien verlassen haben. Nach Recherchen der BZ könnte er für einige Zeit in Nordafrika im Gefängnis gesessen haben. Es soll um einen Terrorverdacht gegangen sein. LKA und Generalstaatsanwaltschaft wollen nichts dazu sagen. Seit Anfang 2018 sei der 29-Jährige aber wieder in Deutschland.

Hürden für ein Verbot des Moscheevereins sind hoch

Das Landesinnenministerium bestätigt der BZ, dass der Festgenommene Verbindungen in die als salafistisch geltende Freiburger Ibad-ur-Rahman-Moschee hatte. Auch Yannick N., der sich 2015 im Irak im Namen des IS als Attentäter in die Luft gesprengt und Dutzende Menschen getötet hatte, soll laut Ministerium Verbindungen zu dieser Moschee gehabt haben. Gleiches gilt für Dasbar W.. Ermittler werfen ihm vor, er habe sich im Irak dem IS angeschlossen und im Dezember einen Anschlag auf den Karlsruher Weihnachtsmarkt geplant. Es ist nicht bekannt, wie der am Mittwoch festgenommene 29-Jährige im Umfeld von Islamisten gelandet sein könnte. Im Fall von Yannick N. gibt es Hinweise, dass dieser 2014 in Freiburg radikalisiert wurde. Im selben Jahr fiel wohl auch Dasbar W. erstmals auf. Bei einer Veranstaltung der Salafisten Pierre Vogel und Sven Lau auf dem Freiburger Kartoffelmarkt soll er als Ordner tätig gewesen sein. Später hat er wohl im Rahmen der salafistischen "Lies!"-Aktion Korane in der Innenstadt verteilt.

Die Moschee, die alle drei Männer besucht haben sollen, befindet sich in einem Hinterhof an der Habsburgerstraße. Menschen aus dem arabischen und indopakistanischen Raum besuchen sie, auch deutsche Konvertiten. Das Landesinnenministerium betrachtet die Moschee als einen wesentlichen Treffpunkt der islamistischen Szene im Freiburger Raum. Laut Sicherheitskreisen sollen sich dort dschihadistische Gruppen getroffen haben. Betreiber der Moschee ist der Verein Islamische Union in Deutschland. Für eine Stellungnahme für die BZ war dort am Freitag niemand zu erreichen.

Der Freiburger AfD-Kreisverband forderte Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) am Freitag auf, die Ibad-ur-Rahman-Moschee zu schließen. Doch die Hürden für ein Vereinsverbot seien hoch, so Carsten Dehner, Sprecher des Landesinnenministeriums. "Es muss konkret nachgewiesen werden können, dass der Zweck oder die Tätigkeit eines Vereins den Strafgesetzen zuwiderlaufen oder dass er sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder den Gedanken der Völkerverständigung richtet." Verfassungsfeindliche Aktivitäten einzelner Besucher reichten nicht aus.

Das Ministerium beobachte den Moscheeverein. Dass es vereinsrechtliche Maßnahmen ergreifen wird, schließt es nicht aus.

Gelungen ist ein Verbot 2015 in Stuttgart gegen den radikalen Moscheeverein Islamisches Bildungs- und Kulturzentrum Mesdschid Sahab. "Wir dulden in Baden-Württemberg keine Vereine, die Gewaltanwendung als Mittel zur Durchsetzung religiöser Belange befürworten und Spenden für terroristische Gruppierungen sammeln", sagte der frühere Landesinnenminister Reinhold Gall (SPD) damals.

Schon der Vereinsgründer warb für den Dschihad

Die Ibad-ur-Rahman-Moschee gibt es seit 1994. Ihre Geschichte ist problematisch. Sie beginnt mit ihrem damaligen ersten Vorsitzenden Yehia Y.. Der Verfassungsschutz wurde auf ihn vom Jahr 2000 an aufmerksam, als er seinen Arbeitsplatz an der Albert-Ludwigs-Universität verloren hatte und nach Neu-Ulm gezogen war. Schon vor seiner Zeit in Freiburg soll Yehia Y. in seiner ägyptischen Heimat Mitglied einer militanten Bewegung gewesen sein. Das schreibt der Politikwissenschaftler und Salafismus-Experte Dirk Baehr.

Yehia Y. soll an der Radikalisierung mehrerer Muslime in Deutschland mitgewirkt haben. Er galt als Mentor der Sauerland-Gruppe: vier Konvertiten, die in Pakistan und Afghanistan dschihadistische Ziele verfolgten. Zu seinen Weggefährten zählt Aleem N., der während Yehia Y. Zeit in Freiburg ebenfalls die Ibad-ur-Rahman-Moschee besucht haben soll. 2009 verurteilte das Oberlandesgericht Koblenz Aleem N. wegen seiner Mitgliedschaft bei al-Qaida zu acht Jahren Haft. In den 90er Jahren soll Yehia Y. zudem Reda Seyam nahegestanden haben, dessen mutmaßlicher Tod als ranghöchster deutscher IS-Terrorist im Juli bekannt wurde.

Von den Behörden sind keine Informationen zu bekommen, wie viele radikale Islamisten heute in Freiburg leben. Vor drei Jahren hieß es, es sei eine einstellige Zahl. "Das Phänomen, dass Personen von hier nach Syrien gehen und sich ausbilden lassen, ist aber stark rückläufig", sagt Polizeisprecherin Laura Riske.

Im aktuellen Fall suchen die LKA-Ermittler nach einem weiteren Deutschen. Dieser 28-Jährige soll sich ebenfalls dem IS angeschlossen haben. Seit drei Jahren ist sein Aufenthaltsort unbekannt. Das LKA hat am Mittwoch zudem im Raum Freiburg und in Villingen-Schwenningen die Wohnungen dreier Männer durchsucht. Sie sollen die beiden Terrorverdächtigen finanziell unterstützt haben.

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