Milky Chance im Jazzhaus: Der Komet aus Kassel

Alexander Ochs

Was macht man als Musiker, wenn man a) unbekannt, b)verdammt jung und c) musikalisch in kein 08/15-Schema hineinzupressen ist? Normalerweise: um Auftrittsmöglichkeiten betteln, Labels abklappern, Überzeugungsarbeit leisten, Klinken putzen und sich einen Namen erspielen. Bei Milky Chance aus Kassel geht's anders: kometenhaft. Am Mittwochabend ist der Sänger aus Kassel im Jazzhaus.

Der junge „Milky“, der eigentlich Clemens heißt, hat nicht umsonst die „Chance“ im Namen: Seine Freunde gründeten einfach eigens für ihn ein Plattenlabel, damit der damals 19, jetzt 20 Jahre alte Jungspund seine Songs veröffentlichen kann. Seitdem er schießt er als Internet-Rakete durchs Netz, ein klassischer Selbstläufer. Verganges Jahr sollte er als Vorband 20 Leute anziehen für ein kleines Studi-Konzert in Kassel, wo er herkommt. Doch was passiert? Ruckzuck ist der Laden restlos ausverkauft.


Sein Video zum Song „Stolen Dance“ wurde seit dem Herbst fast eine halbe Million Mal auf YouTube angeschaut. Ohne Werbung, ohne Promotion. Das Wort von der „Kasseler Klangsensation“  macht die Runde. Im Handumdrehen stellen seine Kumpels im Frühjahr eine Tournee auf die Beine, mit gleich 30 Konzerten! Und die Nachfrage ist riesig. Ist etwas dran an dem Hype?

Milky Chance: Stolen Dance

Quelle: YouTube


Milky Chance kommt mit Laptop und Gitarre auf die Bühne. Die Musik lässt sich beschreiben als Kreuzung aus Singer/Songwriter 2.0 und einer Art Elektro-Folkpop. Eindringlich, nachdrücklich und nachdenklich singt der Musiker mit der wilden Mähne auf Englisch über die Liebe. Zu elektronischen Beats spielt er Gitarre, wobei manchmal leicht seine Reggae-Vorliebe durchschimmert.

Mit seinem komplett in Eigenregie eingespielten Debüt im Gepäck kommt er jetzt nach Freiburg: Es heißt „Sadnecessary“. Ein Wortspiel aus Sadness/Necessary – traurige Notwendigkeit. Oder ist es einfach notwendig, die traurig-melancholischen Songs unters Volk zu bringen? Offenbar ja. Wobei: Die Musik nimmt einen mit, nimmt einen gefangen, lediglich ab und an stolpert man über etwas langatmige Passagen mit weniger Abwechslungsreichtum.

Und der Musiker? Der verrät aus schierer Vorsicht und Rücksicht auf seine Familie seinen Nachnamen nicht. Nie im Leben hätte er mit einem derart kometenhaften Aufstieg gerechnet. Freunde hat er trotzdem. Allein auf Facebook über 15.000. Nach seinem Konzert im Jazzhaus dürften nochmal einige hinzukommen. Die Aussichten für seine Laufbahn sind alles andere als milchig oder trübe: Diesen Sommer ist er auf vielen namhaften Festivals gebucht. So wird er mit Element Of Crime und Sophie Hunger auf der Bühne stehen und beim Dockville Festival in Hamburg auftreten. Wenn das so weitergeht, dann setzt der junge Mann im Jazzhaus zur Zwischenlandung an. Bevor er international durchstartet.

Milky Chance: Running

Quelle: YouTube


Mehr dazu:

Was: Milky Chance
Wann: Mittwoch, 3. Juli 2013, 20 Uhr
Wo: Jazzhaus
Tickets: 14 Euro [Bild: Promo]