Migrantenkinder erzählen und vertanzen im Theater Freiburg ihre Lebensgeschichte

Benedikt Nabben

Sie haben Krieg, Elend und Gewalt - und das in jungen Jahren. Freiburger Jugendliche mit Migrationshintergrund haben Gedichte über ihre Vergangenheit geschrieben und zeigen diese heute und morgen Abend gemeinsam mit einer HipHop-Tanzgruppe im Theater Freiburg:



"Wenn ich die Gedichte tanze, bekomme ich jedes Mal Gänsehaut", sagt Nedmije, eine der neun Autorinnen und Autoren. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie Krieg, Elend und Vertreibung erlebt haben und ihre Vergangenheit in den Gedichten verarbeiten. Zusammen mit den Tänzerinnen und Tänzern der HipHop-Company 'Juvenice Maze' bringen sie ihre Gedichte in getanzter Form auf die Bühne des Theaters Freiburg. Zwei Gedichte werden als Kurzfilme eingespielt.


Nedmije ist die Autorin des Titelgedichts 'Weit vom Auge - weit vom Herz'. "Jeder von uns Autoren hat in seinem Leben schon Krieg erlebt", sagt die 19-Jährige. "Das war eine Last. Durch die Gedichte können wir nun darüber reden und damit umgehen."

Nedmije ist im Kosovo geboren und mit ihrer Familie vor dem Krieg geflohen, als sie gerade sechs Jahre alt war. Sie hat schreckliche Dinge erlebt: brennende Häuser, Bomben, Flucht. Lange konnte sie über diese Erlebnisse nicht einmal sprechen, nun wird sie und die acht anderen Autoren die eigene Geschichte auf der großen Bühne präsentieren.

Alle Autorinnen und Autoren sind ehemalige Schüler der Hebelschule. Dort haben sie gemeinsam mit Filmemacherin Barbara Davids die Gedichte geschrieben, der Musiker Matthias Baumann hat sie vertont. Vor über einem halben Jahr haben die Autoren begonnen, mit der HipHop-Company zu üben. Beim ersten Zusammentreffen waren sich die die Tänzer und die Autoren fremd. Inzwischen sind Freundschaften entstanden. "Für mich war das so krass", erzählt Nedmije. "Ich habe gedacht, ich könnte niemals so  tanzen." Zweimal pro Woche haben sie trainiert, in den letzten Wochen sogar jeden Tag.

Anita Koshravi von der HipHop-Company entwickelte die Choreografien. Nun sind sie zuversichtlich, dass die Aufführung ein Erfolg werden wird. "Klar bin ich nervös", meint Nedmije. "Aber ich habe noch nie in einer Gruppe mit so vielen Menschen gearbeitet, die alle ein gemeinsames Ziel haben."

Natürlich werden auch die Eltern der Tänzerinnen und Tänzer im Publikum sitzen. Die eigene Vergangenheit vorgetanzt zu bekommen, wird für sie nicht einfach werden, befürchtet die Projektkoordinatorin Barbara Davids: "Viele von ihnen kommen zum ersten Mal ins Theater. Ich bin sehr gespannt, wie sie die eigene getanzte Geschichte aufnehmen." Nedmije ist sich sicher: "Es wird ganz viele Emotionen geben. Von lustig bis sehr traurig."

Trailer "Weit vom Auge, weit vom Herz"

Quelle: YouTube


Mehr dazu:

Was: Weit vom Auge - weit vom Herz
Wann: Freitag, 19. April 2013, 19:30 Uhr; Samstag, 20. April 2013, 18 Uhr
Wo: Theater Freiburg, Großes Haus
Karten: Theaterkasse Freiburg, Telefon: 0761/2012853, Karten kosten zwischen 8 und 20 Euro