Migrantenbeiratswahl: Vier Kandidaten stellen sich vor

Fabian

Am Sonntag findet in Freiburg die zweite Wahl zum MigrantInnenbeirat statt. Wir haben vier Kandiaten und Kandidatinnen gefragt, wie sie sich die Zukunft von Migranten in Freiburg vorstellen.



Der Migranten- und Migrantinnenbeirat Freiburg sieht sich als Stimme aller ausländischen Bürger in unserer Stadt. Da viele Migranten bei Kommunahlwahlen nicht wählen dürfen, ist dies für sie die einzige Möglichkeit sich Gehör zu verschaffen. So können auch sie am politischen Geschehen in Freiburg teilnehmen, auch wenn der MigrantInnenbeirat keine entscheidende Funktion hat. Er kann dem Stadtrat in Fragen, in denen Ausländer betroffen sind, lediglich beratend zur Seite stehen. Mit einem Wert von 6,4% fiel die Wahlbeteiligung bei der letzten Abstimmung vor fünf Jahren sehr niedrig aus. Das soll diesmal anders werden. Seit der letzten Wahl ist die Bewegung deutlich angewachsen. 79 Kandidaten von acht unterschiedlichen Listen stehen am Sonntag zur Wahl und möchten sich für ein ausländefreundliches Freiburg engagieren.


Shala Kolyaei, Liste: Frauenliste Sisters


  • ist 41 Jahre alt
  • hat vor kurzem ihr Studium abgeschlossen und arbeitet ehrenamtlich in einer Grundschule
  • lebt seit elf Jahren in Deutschland
  • stammt aus dem Iran
"Ich kandidiere um die Partizipation von Migranteneltern im Schulalltag zu stärken. Dafür wünsche ich mir ein Patenschaftsprogramm zwischen deutschen Eltern und Eltern von Migrantenkindern.

Außerdem werde ich mich für mehr außerordentliche und qualifizierte Sprachkurse an den Schulen einsetzen. Zudem möchte ich für unsere Stadt eine kontaktfreundlichere Ausländerbehörde mit einem besseren interkulturellen Verständnis.

Letztlich liegt es mir aber auch sehr am Herzen die Zivilcourage aller Mitbürger zu stärken, so dass in Konfliktsituationen besonder Ausländern gegenüber Verantwortung übernommen wird."





Zafer Koc, Liste: Internationale Migranten Unterstützung

  • ist 32 Jahre alt
  • hat in Freiburg VWL studiert
  • lebt in Deutschland seit seiner Geburt
  • seine Eltern stammen aus der Türkei
"Ich setzte mich für eine konfessionsübergreifende Seelsorge in unserer Stadt ein, um, zum Beispiel durch eine Datenbank mit Kontaktadressen, eine besser Sterbeberatung und -begleitung für Migranten zu erreichen.

Für junge Migranten und Kinder wünsche ich mir eine bessere und gesonderte Sprachförderung an den Schulen und dass die Bedingugen für Bildung allgemein verbessert werden. Dazu muss vor allem bei den oft falschen Sekundarschulempfehlungen von Grundschullehrern angesetzt werden. Hier sind Migrantenkinder überdurchschnittlich häufig betroffen und dadurch schon früh benachteiligt, obwohl sie nicht weniger intelligent sind als andere Kinder."

Julia Maria Lopes Fernandes Raff; Liste: F reiburg International


 
  • ist 39 Jahre alt
  • studiert Erziehungs- wissenschaften in Mulhouse
  • stammt von den Kapverdischen Inseln
  • lebt seit fünf Jahren in Deutschland
"Ich engagiere mich besonders dafür jungen Migranten in Sachen Bildung Perspektiven und Möglichkeiten aufzuzeigen, so dass sie zum Beispiel besser einen Job finden. Aber wir fördern auch die Erwachsenenbildung und -schulung. Durch gezielte Kommunikation und Information möchten wir erreichen, dass die Eltern von Migrantenkindern besser vorbereitet sind um ihre Kinder besonders unterstützen und ihnen bessere Zukunftsmöglichkeiten bieten zu können"

Özkan Celik, Liste: Internationale Migranten Unterstützung



 
  • ist 31 Jahre alt
  • studiert in Freiburg Realschullehramt
  • ist in Deutschland geboren
  • aber elf Jahre in der Türkei aufgewachsen
"Ich wünsche mir, dass irgendwann alle Migranten auch das Kommunalwahlrecht bekommen, da die Befugnisse und der Handlungsspielraum des Migrantenbeirats doch sehr begrenzt sind.

Außerdem kann es nicht sein, dass Migrantenkinder bei gleichen kognitiven Fähigkeiten in der Schule viel öfter Schwierigkeiten haben als andere Kinder. Daher muss die Förderung schon im Kindergarten beginnen. Mit Elternseminaren, Hausaufgabenhilfe und Lesefördergruppen wollen wir Migrantenkinder besonders unterstützen."