Konzertkritik

Mighty Oaks in Freiburg: Zu schön, um wahr zu sein

Julia Caspers

Die Mighty Oaks machen Musik, die nie aneckt. Soweit der Vorwurf. Wie das Konzert der Folk-Band aus Berlin in Freiburg war? Julia Caspers war für fudder im Paulussaal dabei.

Vor neun Jahren lernten sich Ian Hooper aus den USA, Claudio Donzelli aus Italien, Craig Saunders aus England kennen, zogen gemeinsam nach Berlin und eroberten als Band Mighty Oaks mit ihrem eingängigen Folk- und Indierock schnell die deutschen Charts. Mittlerweile sind die drei Herren älter geworden und haben Familien gegründet.


Passend zu einer gewissen Sesshaftigkeit bespielen sie auf ihrer Frühjahrstour ausschließlich kleinere Veranstaltungsorte, die einen intimen Rahmen ermöglichen. In Freiburg findet das Konzert im bestuhlten Paulussaal statt, der zunächst mehr den Charme eines Konferenzraums als intimen Konzertcharakter ausstrahlt. Die 22-jährige Sängerin Novaa schafft es als Support-Act, dem Ort mit ihrer außergewöhnlich klaren Stimme eine traumhafte Atmosphäre zu entlocken. Sie produziert sphärischen Electronica-Pop, der hier auch im reduzierten Gewand, meist nur von Akustikgitarre begleitet, erstaunlich gut funktioniert.

Musik, die nach Heimweh oder Frühling klingt

Der Auftritt zeigt glücklicherweise, dass die gute Akustik im Paulussaal seine kühle Architektur überdeckt und stimmt gelungen auf die Mighty Oaks ein. Deren Bandgeschichte klingt fast ein bisschen zu schön, um wahr zu sein. Ähnlich verhält es sich auch mit ihrer Musik. Der dreistimmige Gesang, meist nur von zwei Gitarren und einer Mandoline begleitet, sucht stets die Harmonie und eckt dabei nie an. Einen Vorwurf, den sich die Band häufiger gefallen lassen muss. Tatsächlich ähneln sich viele ihrer Songs. Die begrenzte Instrumentierung verstärkt diesen Eindruck. Andererseits ist es bemerkenswert, mit welcher Leichtigkeit sie Musik erschaffen, die mal nach Heimweh, mal nach Frühling klingt.

Die Musik berührt, ob man es zugeben mag oder nicht. Ihr Hit "Brother" darf an diesem Abend nicht fehlen. Zu ihm pflegen die Mighty Oaks tatsächlich eine Beziehung wie zu einem kleinen Bruder – er kann einem fürchterlich auf die Nerven gehen, dennoch hat man ihn ausgesprochen gern. Im Februar ist die neue EP "Driftwood Seat" erschienen, welche vier alte Lieder beinhaltet, die bisher nie offiziell veröffentlicht wurden. Neben diesen Klassikern spielt die Band auch neue Stücke.

Konzert im reduzierten Rahmen

Das Freiburger Publikum lauscht andächtig und aufmerksam. Mitunter ist es so still zwischen den Liedern, dass Sänger Ian meint, seine eigenen Gedanken hören zu können. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Band nicht nur sich selbst, sondern auch dem Publikum einen reduzierten Rahmen auferlegt hat. So bleibt einem bei schnelleren Nummern lediglich das Wippen des Fußes als Ausdrucksmöglichkeit.

Den letzten Song "So Low, So High" hat Ian seiner an Krebs erkrankten Mutter gewidmet. Ein berührendes Stück, dem Ian, Craig und Claudio ihre volle Hingabe schenken. Das Publikum hält es nicht länger auf den Sitzen und zollt der Band stehend Beifall. Nach zwei Zugaben endet ein beseelender Abend, der ebenfalls ein bisschen zu schön ist, um wahr zu sein. Aber vielleicht ist das auch das Erfolgsrezept der Mighty Oaks. Um es mit den Worten aus ihrem Song "Driftwood Seat" zu beschreiben: "And it sounds like a dream, but happily it's my reality".



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