Mietrecht-Tipps für Wohngemeinschaften

Claudia Kornmeier

Wer hat das Auslandsgespräch nach Argentinien geführt? Wer zahlt die zu Bruch gegangene Fensterscheibe? An wem bleibt das Streichen der Küche hängen? Wenn es ums Geld geht, hat oft auch das nette WG-Leben sein Ende und die Streitereien beginnen. Was rechtlich dahinter steckt, wollen wir im Folgenden kurz anreißen.



Welche Möglichkeiten gibt es für eine WG einen Mietvertrag abzuschließen? Es gibt drei Möglichkeiten:

  • Jeder Mitbewohner schließt einen eigenen Mietvertrag mit dem Vermieter über sein Zimmer ab. An den Gemeinschaftsräumen haben die Mieter dann Mitbenutzungsrechte.

  • Ein Mitbewohner hat als Hauptmieter einen Mietvertrag mit dem Vermieter. Der Hauptmieter schließt dann Untermietverträge mit den anderen Mitbewohnern.

  • Die Mitbewohner schließen einen (einzigen) gemeinsamen Mietvertrag mit dem Vermieter ab.
Jede dieser Varianten hat ihre Vor- und Nachteile. Üblich sind alle drei.

Wie ist das rechtliche Verhältnis unter den Mitbewohnern ausgestaltet?
  • Bei einzelnen Mietverträgen besteht zwischen den Mietern gar kein rechtliches Verhältnis. Sie haben lediglich Mitbenutzungsrechte an den Gemeinschaftsräumen.

  • Hauptmieter und Untermieter stehen in einem vertraglichen Mietverhältnis zueinander.

  • Schließen die Mitbewohner einen gemeinsamen Mietvertrag mit dem Vermieter, entsteht zwischen den Mitbewohnern eine BGB-Gesellschaft (auch: Gesellschaft bürgerlichen Rechts). Eine BGB-Gesellschaft ist ein vertraglicher Zusammenschluss von mehreren Personen, um einen gemeinsamen Zweck zu verfolgen. Der Zweck der Mitbewohner ist das gemeinsame Wohnen. Aus dem Gesellschaftsvertrag – der nicht schriftlich sein muss – ergeben sich die Rechte und Pflichten der Mitbewohner untereinander.

Wer hat das Recht neue Mitbewohner auszusuchen, wenn jeder Mieter einen einzelnen Mietvertrag hat?


Der Vermieter. Die Mieter sind also auf ein gutes Verhältnis zum Vermieter angewiesen, um ein gewisses Mitspracherecht zu haben. Das ist der Nachteil an einzelnen Mietverträgen.

Wer muss die Gemeinschaftsräume streichen, wenn einer Haupt- und die anderen Untermieter sind?

Das Streichen der Gemeinschaftsräume bleibt im Zweifel am Hauptmieter hängen. Der Hauptmieter kann allerdings versuchen, in seinen Mietverträgen mit den Untermietern eine „Kostenklausel“ einzubauen. Das heißt, der Hauptmieter kann die Untermieter dazu verpflichten, einen bestimmten Betrag für das Streichen der Gemeinschaftsräume zu zahlen, der der Zeit entspricht, die sie in der WG gewohnt haben.

Zu diesem Thema entscheidet die Rechtsprechung im Moment unter dem Stichwort „Schönheitsreparaturen“ sehr häufig. Vieles ist im Fluss. Eine eindeutige Antwort auf die Frage zu geben, ist daher kaum möglich. Dem Hauptmieter muss aber eine Möglichkeit verbleiben, sich in seinem Vertrag mit den Untermietern für das Streichen der Gemeinschaftsräume abzusichern.

Hauptmieter und Untermieter kommen überhaupt nicht miteinander aus. Trotzdem weigert sich der Untermieter auszuziehen. Ein so schönes, billiges Zimmer findet er nie wieder. Kann der Hauptmieter den Untermieter rauskriegen?

Einen Mietvertrag über eine Wohnung kann der Vermieter nur kündigen, wenn er ein berechtigtes Interesse daran hat, das Mietverhältnis zu beenden. Verstehen sich Hauptmieter und Untermieter überhaupt nicht, ist das Mietverhältnis „nachhaltig gestört“. Daraus ergibt sich ein berechtigtes Interesse des Hauptmieters, dem Untermieter zu kündigen.

Wer haftet für die Miete und Schäden in der Wohnung, wenn es einen Hauptmieter gibt?

Allein der Hauptmieter ist gegenüber dem Vermieter verantwortlich. Das heißt, der Hauptmieter muss zunächst für die Miete und Schäden aufkommen. Er kann diese aber natürlich von seinen Untermietern zurückverlangen, wenn es um ihren Teil der Miete beziehungsweise um durch sie verursachte Schäden geht.

Wer haftet für die Miete und Schäden in der Wohnung bei einem gemeinsamen Mietvertrag?

Bei einem gemeinsamen Mietvertrag sind die Mitbewohner Gesamtschuldner. Das heißt, jeder einzelne haftet gegenüber dem Vermieter für alles. Für die gesamte Miete, für alle Schäden an der Wohnung – egal wer seine Miete nicht gezahlt hat oder die Schäden verursacht hat.



Kann bei einem gemeinsamen Mietvertrag einer alleine ausziehen?

Grundsätzlich können die Mitbewohner nur gemeinsam kündigen. Will nur einer der Mitbewohner ausziehen, müssen sich die Mitbewohner untereinander über den Auszug einigen und auch mit dem Vermieter einig darüber werden, ob der Mietvertrag mit einem neuen Mitbewohner weitergeführt wird. Sollte es zu keiner Einigung kommen, bleibt nur die Klage. Der Mitbewohner, der ausziehen will, muss die anderen auf Entlassung aus dem Mietvertrag verklagen. Das ist natürlich ein umständlicher Weg. Im Grunde aber möglich.

Ein Mitbewohner hat seine Freundin so häufig zu Besuch, dass diese quasi eine weitere Mitbewohnerin ist. Die WG-Wohnung ist eher klein und durch die zusätzliche Person im Grunde überbelegt. Haben die anderen Mitbewohner das Recht, die Freundin hinauszuwerfen?

Jeder der Mitbewohner hat in der WG das Hausrecht. Das Hausrecht erlaubt ihnen, darüber zu entscheiden, wer sich in der Wohnung aufhält. Gehen die Meinungen darüber auseinander, müssen die Interessen der Mitbewohner ausgeglichen werden. Das heißt, wird der Besuch der Freundin unzumutbar, dürfen die anderen Mitbewohner sie hinauswerfen. Vorher jedoch nicht.

Überschreitet ein Besuch sechs Wochen, muss außerdem der Vermieter um Erlaubnis gebeten werden.

Ist eine Klausel, die die Kündigung nur zum Ende des Semesters zulässt, wirksam?

Nein, so eine Klausel ist nicht wirksam. Das Kündigungsrecht kann grundsätzlich nicht auf bestimmte Termine beschränkt werden.

Mehr dazu:

[Die rechtlichen Ausführungen basieren auf einem Gespräch mit dem Mieterverein Regio Freiburg e.V. und stellen keine Rechtsberatung dar.]