Landgericht Freiburg

Mietbetrüger wird noch im Gerichtssaal festgenommen

Carolin Buchheim

Ein zu Haft verurteilter Serienbetrüger, der mehrfach wohnungssuchende Studierende betrogen hatte, wollte am Landgericht eine Bewährungsstrafe erreichen. Doch am Ende wurde er festgenommen.

Fabian A. (Name von der Redaktion geändert) wollte nicht ins Gefängnis. Wegen fünf Fällen von Betrugs, der vom Gericht zum Teil als gewerbsmäßig angesehen wurde, war der 32-jährige Freiburger im Juni 2016 am Amtsgericht Freiburg für schuldig befunden und zu einem Jahr und fünf Monaten Haft verurteilt worden. Er hatte an vier Studentinnen das selbe Zimmer in einer WG in der Schwarzwaldstraße vermietet und Kaution, Miete und Nebenkosten per Vorschuss kassiert. Die Strafe wurde nicht zur Bewährung ausgesetzt – doch A. blieb auf freiem Fuß, weil er Berufung eingelegt hatte. Nach neuen Taten nach dem gleichen Muster klickten am Dienstag die Handschellen noch im Gerichtssaal.


A. soll wieder wohnungssuchende Studierende betrogen haben

Dass die Aussicht auf eine niedrigere Strafe nicht gut sein würde, machte der Vorsitzende Richter Martin Bellm gleich zu Beginn der Verhandlung vor der 7. Strafkammer am Landgericht klar. "Sie haben ja in den letzten Wochen ganz schön mediale Aufmerksamkeit erlangt", begrüßte Bellm den Angeklagten. "Auf Fudder.de musste ich lesen, dass Sie in den letzten Wochen möglicherweise wegen mehreren Taten wieder auffällig geworden sind?", fragte er den Angeklagten. Das Online-Portal der Badischen Zeitung hatte vor rund zwei Wochen, ausgelöst durch ein Posting in der Facebook-Gruppe "Netzwerk Freiburg", über mehrere neue Fälle von Wohnungsbetrug berichtet. Die Taten ähnelten denen, für die A. bereits 2016 verurteilt worden war: Er soll wohnungssuchenden Studierenden wieder Mietverträge ausgestellt und von ihnen vorab Miete und Kaution in Höhe von jeweils mehreren hundert Euro kassiert – diesmal für seine Wohnung im Stadtteil Brühl-Beurbarung. Die Polizei bestätigte Fudder -Ermittlungen in vier Fällen. "Wenn Sie das waren, dann wäre alles, was wir heute machen, ohnehin Makulatur", warnte Richter Bellm. "Denn dann würde in einem neuen Prozess eine Gesamtstrafe gebildet. Wollen Sie die Berufung nicht zurücknehmen?"

Dieser Deutlichkeit des Gerichts hatte A. wenig entgegenzusetzen. Sein Verteidiger Klaus Malek machte dem Gericht deutlich, dass er ebenfalls versucht habe, A. zur Rücknahme der Berufung zu bewegen. A. nutzte den Moment, um noch einmal gegen eine Gefängnisstrafe zu argumentieren. "Ich glaube, dass eine Gefängnisstrafe nicht hilfreich ist für mich", sagte er. "Im Gefängnis kann mir die Hilfe, die ich brauche, nicht gewährleistet werden." Er brauche medizinische und therapeutische Behandlung und habe jetzt auch eine feste Arbeitsstelle. Außerdem wisse seine Frau nun von seinen wiederholten Betrugstaten und habe ihre Unterstützung zugesagt. Richter Bellm war wenig beeindruckt und verwies darauf, dass die Strafaussetzung zur Bewährung eben nur beim Vorliegen bestimmter Bedingungen möglich sei. "Wenn ich eine Chance für Sie sehen würde, dass Sie hier besser herauskommen als in erster Instanz, dann würde ich es Ihnen sagen", argumentierte Bellm. "Wenn Sie das in diesen neuen Fällen waren, sind Ihre Chancen jetzt schlechter."

A. zog seine Berufung zurück

Staatsanwalt Thomas Ganser trug daraufhin aus den neuen Ermittlungsakten vor – unter anderem, dass laut Aussage eines der Opfer ein neuerlicher Betrugsvertrag in der Wohnung des Angeklagten unterschrieben worden sein soll. Der Prozess wurde unterbrochen, damit A. und sein Verteidiger sich zur Beratung zurückziehen konnten. Nach 15 Minuten kamen sie zurück – und A. zog seinen Antrag auf Berufung zurück.

Kaum war der Prozess vorbei dann die Überraschung für A.: Mehrere Polizeibeamte nahmen ihn noch im Gerichtssaal wegen der neuen Betrugsfälle vorläufig fest. Er sollte noch am Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt werden.

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