Midgard-Treffen: Rollenspiele im Biergarten

Martin Küper

Fantasy-Rollenspiele werden in Freiburg immer beliebter. Beim Midgard-Treffen kommen regelmäßig Anhänger von Rollenspielen à la "Herr der Ringe" zusammen. Vom Tisch eines Gasthauses aus geht es dann ab in andere Welten.



Midgard – das ist nur eine von unzähligen Rollenspiel-Varianten, benannt nach dem Namen der Menschenwelt in der germanischen Mythologie. Andere nennen sich "Dungeons and Dragons" ("Kerker und Drachen") oder "Das schwarze Auge". Doch wer mit Drachen, Dämonen und magischen Artefakten nichts anzufangen weiß, für den gibt es auch Science-Fiction-Welten, Wildwest-Szenarien oder Detektivgeschichten vor viktorianischer Kulisse.


"Das Fantasy-Genre ist wohl das beliebteste unter den Pen-and-Paper-Rollenspielen", also den Rollenspielen mit Stift und Papier, erklärt Jonathan Gebauer. Der 22-jährige Jurastudent und ausgebildete Mediator aus Gundelfingen hatte das Midgard-Treffen schon im Jahr 2007 ins Leben gerufen. 27 junge Frauen und Männer waren es zuletzt – eine neue Bestmarke. Als Treffpunkt dient den Fantasyfreunden ein kleines Lokal an der Kronenstraße, mehr als einen Tisch und ein paar Stühle braucht es schließlich nicht für ein Abenteuer à la "Herr der Ringe".

Dazu tun sich idealerweise vier bis neun "Gefährten" zusammen, außerdem braucht es einen Erzähler, der das Szenario entwirft, die Fantasiewelt mit mehr oder weniger wohlwollenden Kreaturen bestückt und selbst in die unterschiedlichsten Rollen schlüpft. Die übrigen Mitspieler wählen zu Beginn einen Charakter aus, je nach Vorlieben besonders kampfstarke, geschickte oder magisch bewanderte Wesen. Erfahrene Spieler haben ganze Kabinette von Waldläufern, Glücksrittern oder Zwergen, die mit jedem bestandenen Abenteuer neue Fähigkeiten erlangen.

"Ich bin der Halbling Farodin Sanftläufer. Mein Onkel Berthil, im ganzen Halfdhal berühmt für seinen köstlichen Pudding, ist auf der Suche nach dem sagenumwobenen Gewürzstein verschollen. Wollt Ihr mir helfen, meinen Onkel zu finden?" So klingt es, wenn Mona Frank das Szenario entwirft, das sie sich für das Midgard-Treffen ausgedacht hat und ihre Mitspieler vor die erste wichtige Entscheidung des Spiels stellt. "Das Schöne ist, dass man die Geschichte auch öfter erzählen kann", sagt die 29-Jährige, "die Spieler werden immer andere Entscheidungen treffen und dem Abenteuer jedes Mal einen anderen Verlauf geben."



Das Phänomen der Rollenspiele ist keineswegs neu, sondern kam in Deutschland schon Ende der 1970er-Jahre auf. Midgard erlebte in den Achtzigern einen regelrechten Boom unter Jugendlichen: "Früher waren die Rollenspiele allerdings sehr viel statischer, es ging hauptsächlich darum, irgendwelche Kampf-Ergebnisse auszuwürfeln und Begegnungen anhand von Zufallstabellen zu bestimmen", erklärt Jonathan Gebauer, "für heutige Spieler ist das erzählerische Element dagegen sehr viel wichtiger."

Doch bei aller dichterischen Freiheit: Anarchisch geht es in Midgard keineswegs zu. Auf jedem Spieltisch stapeln sich Regelwerke, Bestiarien und so genannte Quellenbücher, die genau festlegen, welche Kräfte ein Ungeheuer besitzt und was es braucht, um es zu besiegen; ein kleiner Verlag im rheinland-pfälzischen Stelzenberg versorgt die Gemeinde ständig mit neuen Szenarien. Ob ein Spieler die Stärken seiner Figur allerdings voll ausspielen kann, darüber entscheiden die Würfel.

Freilich nicht nur normale Sechskantwürfel, wie man sie in jeder Spielesammlung findet. In kleinen Lederbeuteln führen die Midgardianer Spielsteine in allen Formen und Farben mit sich. Die wichtigsten sind zwei zehnkantige und ein zwanzigkantiger Würfel. Die Zehnkanter können zusammengenommen einen Wert von 100 erreichen und entscheiden darüber, ob ein Charakter ausreichend Stärke, Gewandtheit oder Intelligenz besitzt.

Daneben kann jeder Spieler mit seiner Figur bestimmte Aktionen ausführen, etwa kämpfen, zaubern oder reiten. Über Erfolg oder Misserfolg solcher Aktionen entscheidet der zwanzigseitige Würfel. Für alle gelungenen Spielzüge gibt es Erfahrungspunkte, und natürlich kann eine Figur auch sterben; ein Sechskantwürfel entscheidet über die Wucht einer gegnerischen Attacke: "Man sollte sich also jedes Mal gut überlegen, ob man einen Kampf aufnimmt", so Jonathan Gebauer.

Doch liegt der Reiz der Rollenspiele nicht allein im Würfelglück: "Mir gefällt vor allem der soziale Aspekt", sagt die 21-jährige Laura Schmager, "ich hänge nicht vor dem Computer, sondern komme mit Freunden zusammen, habe Spaß und kann sogar meine Leidenschaft für das Geschichtenerzählen ausleben!"

Mehr dazu:

Was: Midgard-Treff
Wann: Samstag, 21. Juli 2012, 18 bis 24 Uhr
Wo: Gaststätte Goldene Krone, Kronenstraße 6, Freiburg [Fotos: Thomas Kunz / Badische Zeitung]