Michael Wiedemann: "Wir sind besser als das Cinemaxx"

Claudia Kornmeier

Ende Februar 2008 hat Michael Wiedemann, Betreiber der Friedrichsbau-Kinos, die Harmonie übernommen. Zuvor waren die Betreiber des Multiplex-Kinos Cinemaxx an diesem Vorhaben gescheitert. Was nach einem Jahr aus seinen Plänen geworden ist, erzählt Michael Wiedemann im fudder-Interview.



Herr Wiedemann, wie läuft die Harmonie?

Der Sommer war greißlich. Aber die Harmonie hat jetzt 40 Prozent mehr Zuschauer als zu Cinemaxx-Zeiten. Allerdings sind das Zuschauer, die aus dem Friedrichsbau und dem Kandelhof kommen. Die EM-Zeit haben wir mit einem Public-Viewing überbrückt. Das hat viel Anklang gefunden. Dummerweise haben wir keinen Eintritt genommen. Ansonsten habe ich mich etwas dem amerikanischen Markt geöffnet. „Benjamin Button“, „Operation Walküre“ und „The International“, obwohl ein Tom Tykwer, hätte ich früher nicht gespielt.

Was machen Sie anders als das Cinemaxx?

Wir sind besser. Im Cinemaxx ist kein Herz dabei. Ich bin hier jeden Abend vor Ort. Reiß' Karten ab, empfehle den Besuchern auch mal einen Film, versuche, meine Mitarbeiter zu motivieren. Den Chef immer um sich zu haben, mag der ein oder andere zwar anstrengend finden, aber es zahlt sich aus. Ich bekomme sofort mit, wenn etwas schief läuft. Höre, was die Zuschauer zu einem Film sagen. So weiß ich genau, welche Filme gut ankommen und welche nicht.



Der Film „Once“ lief schon vor über einem Jahr an. Sie spielen den Film immer noch jeden Montag um 19:15 Uhr. Wie viele Besucher kommen da noch?

So um die 30. Ein schöner Film, nicht? Wenn es weniger als 20 werden, nehme ich den Film raus. Aber so etwas mache ich nur mit den schönen Filmen. Von „Waltz with Bashir“ kann ich mich auch nicht trennen.

Warum zeigen Sie nicht mehr Filme in der Originalversion?

Diese Frage höre ich immer wieder. Aber wenn ich es dann mache, kommen die Leute nicht. Wir haben jetzt ein Verhältnis von 20:1 von synchronisierten Filmen zu Originalversionen. Das ist eine regelmäßig stattfindende Reihe. Zum Beispiel "Slumdog Millionaire" werden wir im Original zeigen.



Steht bald die Cinemaxx-Übernahme an?

Nein. Aber reizen würde es mich schon, ein Monopol hier in der Stadt zu haben. Dann hat man alles in der Hand: die Eintrittspreise, das Programm.

Was macht Ihnen Sorgen?

Eines unserer Probleme ist, dass wie bei den 10- bis 18-Jährigen kein standing haben. Die kommen nur hierher, wenn die Eltern entscheiden, in welches Kino gegangen wird. Wir sind nicht cool genug. Allerdings habe ich eine Idee im Kopf, die das ändern soll. Was ganz Großes. Aber das verrate ich erst, wenn es so weit ist.

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