Michael Mittermeier auf Lach-Safari

David Harnasch

Michael Mittermeier überraschte vergangenes Wochenende auch Skeptiker positiv mit seinem aktuellen Programm "Safari": Denn er beobachtet nicht nur die Bundeskanzlerin mit Argusaugen.



Angela Merkel sieht ungeil aus.

OK. Stimmt.

Das ist keine neue Erkenntnis.

Dass Michael Mittermeiers Publikum sich über derartige Feststellungen wegwirft, spricht nicht für die Meute. Dabei kann Mittermeier noch immer rasend lustige Witze erzählen, was ihm zu recht gut beazhlt wird – er verkauft über dreitausend Tickets à 30 Euro pro Abend für drei Auftritte und der lokale Veranstalter, Koko Entertainment, hätte ihn sicher gerne noch für einen vierten gebucht.


Die Erwartungen an deutsche Komik sind begrenzt, seitdem Mario Barth ohne eine einzige Pointe Fußballstadien zu füllen vermag. Schön, dass Mittermeier noch immer um Dimensionen besser ist. Endlich macht sich mal einer Gedanken zum Klimawandel. Er fühlt sich sicher, denn München liegt 500 Meter über dem Meeresspiegel und wir werden Asyl in der Allianzarena beantragen müssen.

Das alles hat zwar wie drei Viertel des Programms wenig mit dem Überbegriff "Safari" zu tun – ist aber wurscht. Harald-Schmidteske Brillanz beweist der Komiker in der direkten Reaktion aufs Publikum. Barth könnte gewiss nicht minutenlang über den Tauchschein eines obskuren Verbands improvisieren, bei Mittermeier ist das einer der witzigsten Momente. Auch aus der angeblichen Wattenmeer-Safari eines Zuschauers macht er eine große Nummer zu polnischen Reiseagenturen. ("War Druckfehler. Möwen. Nicht Löwen!")

Wenn Mittermeier Schwaben und Schweizer thematisert, fühlt sich das badische Publikum natürlich gebauchpinselt, billig. Allerdings muß der Rezensent auch zugeben, dass er niemals eine so gleichermaßen unbegabte wie lustige Jogi-Löw-Parodie sah. Mittermaier "kann keine Dialekte" – er imitiert sie also so, wie er sie wahrnimmt. Niemals wurde badisch schlechter persifliert. Und selten lustiger.

Der stets unterschätzte Alice Cooper meinte: "If you’re listening to a rock star in order to get your information on who to vote for, you’re a bigger moron than they are. Why are we rock stars? Because we’re morons. We sleep all day, we play music at night and very rarely do we sit around reading the Washington Journal.” Das lässt sich eigentlich ohne weiteres auf Komiker anwenden.

Um so besser, wenn einer sich die Mühe macht, nicht ausschließlich über George Bush und Angela Merkel herzuziehen, sondern in der Zugabe feststellt, dass man die Olympischen Spiele keineswegs wegen Tibet boykottieren sollte. Sondern gerne auch wegen Tibet und dem chinesischen Umgang mit der Opposition, mit Taiwan und der Rolle Chinas beim Massaker im Sudan. Gerne tu ich Mittermeier also den Gefallen, auf die von ihm empfohlene Myanmar-Stiftung
hinzuweisen.

Mit dem Großmeister Harald Schmidt resümieren wir abschließend zweieinhalb Stunden Mittermeier: "Ich habe sehr gelacht."

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