Michael Ammer in Freiburg: Das Ekelprotokoll

David Harnasch

Eigentlich wollten wir mit dem teigigen Partyhengst Michael Ammer ein Interview führen. Dazu kam es dann doch nicht. Glücklicherweise, wie dieses Protokoll von David Harnasch vermuten lässt. "Schön einen saufen" und...



21. November

Telefonat mit einer Freundin: „Hör mal, was ich gerade für eine Mail im StudiVZ bekommen habe: ‚VIP-Einlass für hübsche Models und Partygirls (ab 18 Jahren!). Wir laden Ladies mit einer natürlichen Affinität zu Champagner ein, das Event durch Ausstrahlung und Spaß an der Sache zu bereichern und mit uns zu feiern! Feiert zusammen mit Michael Ammer, Models, Presseleuten und anderen VIPs: exklusiv, exzessiv, heiß und medienpräsent. Genießt Euren Prestigestatus.

Außerdem musst Du nicht alleine kommen, sondern kannst gerne 1 hübsche Freundin mitbringen. Schickt bitte eine E-Mail mit 2 Fotos und Kontaktdaten..." Wie schmierig ist das denn?



22. November

Telefonat mit fudder – ob ich ein Interview mit Ammer führen und berichten möchte. Natürlich will ich. Ammer ist wie ein schlimmer Unfall auf der Autobahn: Eklig, aber man kann nicht wegsehen.

23. November

Nachmittags. Angekündigt ist nun auch Daniel Lopes. Wer? Wikipedia gibt Auskunft: Er hat 2003 bei DSDS verloren. Ja nun.

Früher Abend. Empfang im Jesuitenschloss. Veranstalter Johannes Dultz beschreibt seine Mühen, Parties „mit Niveau“ in Freiburg zu etablieren. Nicht unbedingt die erste Assoziation, die sich bei Ammer aufdrängt.

Ein paar Mädels von „Nicenz“ schmücken den Raum, weitere Damen sehen aus, als wären sie all inclusive gemietet worden. Die Champagneraffinität sollte nicht allzu ausgeprägt sein, es gibt Geldermann. Und Wodka mit destillierten Gummibärchen.

Da sitzt er nun leibhaftig und exakt so ölig wie erwartet. Die personifizierte BILD-Zeitung. Überraschend: Der einzige Mensch auf Erden, der im wirklichen Leben wesentlich dicker aussieht als im Fernsehen, ein Mann von beeindruckender Teigigkeit. Um ihn herum Jungs, deren Hauptaufgabe es ist, ihn mit Wodkabull zu versorgen. Ein Fulltime-Job. Auf ein Interview hat er doch keine Lust, das möchte er am nächsten Tag machen, jetzt lieber „schön einen saufen“.

Dann nicht. Ich wollte ihn nach seinen Leberwerten fragen, kann sie mir aber auch denken. Lästere stattdessen mit den Kollegen von der BZ und Freiburgeins.



24. November

1 Uhr. An der Kagantüre wird mir mitgeteilt, es sei brechend voll. Die siebzehnte Etage macht einen anderen Eindruck, man hat hier die Möglichkeit, ungestört eurythmisch ein paar Bücher zu tanzen, was meine Begleitung auch umgehend tut. Ammer ist noch nicht da. Er sei gestürzt, munkelt man an der Bar. Würde einen nicht wundern.

Die achtzehnte Etage brummt tatsächlich. Die Anwesenden machen den Eindruck, sich blendend zu amüsieren. In einem Dementi auf die Unterstellung des Focus, Ammer habe zwei Mädchen sexuell belästigt, wies er entschieden darauf hin, unter keinen Umständen in zweitklassigen Großraumdiskotheken auf dem Land aufzutreten, sondern nur in „städtischen Top-Clubs“: Der Turm darf sich glücklich schätzen.



Irgendwann später: Ammer beehrt die Veranstaltung nun mit seiner Anwesenheit. Der VIP-Bereich ist zu laut und zu voll, dito Ammer. Verachtung und Ekel weichen Mitleid. Die Kunstfigur Michael Ammer ist der echte Michael Ammer. Für Harald Schmidt gilt das ebenfalls, aber da ist es nicht traurig. Ammer einen Abend lang zu begaffen ist unterhaltsam, er zu sein wäre die Hölle. Auf das Interview am Samstag verzichte ich.

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