"Mich nervt, wenn alles generisch klingt": Interview mit Ralph von Fat Sushi

Lucas Dueck

Alte Schule, neue Schule. Solche Kategorien sind dem Schweizer DJ-Duo Fat Sushi ziemlich egal. Am Samstag legen sie im Balzbambii auf. fudder-Mitarbeiter Lucas Dueck hat mit Ralph Fat gesprochen und ihn gefragt, wie oft sie Sushi essen und ob die Elektro-Szene nervig ist.



Du wohnst derzeit in Los Angeles. Warum?

Ich wohne hier bis September, um ein neues Plattenlabel aufzubauen. Musikalisch wird das nicht allzu weit von dem weg sein, was wir mit Fat Sushi produzieren. Wir reden gerade mit verschiedenen Künstlern und Distributoren über neue Releases. Da liegt noch viel Arbeit an, deswegen kann ich da jetzt noch nichts genaues zu sagen. Hier in LA ist es einfach leichter Kontakte zu knüpfen. Zum Beispiel zur Film- oder Gaming-Industrie, um einen Track für... sagen wir mal FIFA 17 beizusteuern (lacht). Solche Kontakte knüpfe ich hier. Aber ich werde nicht für immer bleiben. Man ist ja mit Soundcloud, Spotify und wie sie alle heißen heutzutage sofort international präsent. Es ist ja nicht mehr so, dass man zuerst ein physisches Distributionsnetz aufbauen muss.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit zwischen dir und Daniel?

Ein DJ, den wir beide kannten, hat uns empfohlen zusammenzuarbeiten. Der mochte unsere Musik unabhängig voneinander und dachte, die zwei sollten sich mal kennenlernen. Dann haben wir uns im Studio getroffen und ausgelotet in welche Richtung das Ganze gehen könnte und auf was wir Bock haben. Und da das ziemlich deckungsgleich war haben wir uns entschlossen ein Projekt zusammen zu gründen.

Auf musikalischer Ebene habt ihr euch also sofort verstanden?

Ja, kann man so sagen. Klar gibt es am Anfang eine Findungsphase. Musik ist ja sehr individuell. Wir haben uns da aber sehr schnell gefunden. Und ich würde auch sagen, wir finden uns täglich noch besser.

Was hörst du abseits von elektronischer Musik?

Ich bin natürlich schon sehr in der Elektro-Szene eingebunden. Man sucht neue Sachen die man auf Gigs spielen kann und muss immer auf dem Laufenden bleiben. Früher war ich aber auch mal auf der Hip-Hop-Schiene. Also die 1990er Jahre Hip-Hop-Sachen gefallen mir gut. Zum Beispiel Notorious B.I.G., The Pharcyde oder Heltah Skeltah. Aber die elektronische Musik dominiert schon. Und „elektronische Musik“ ist ja auch ein sehr breites Spektrum. Da hat man viel Auswahl.

Waren die ersten Jahre mit Fat Sushi anstrengend?

Anstrengend nicht. Es macht ja grundsätzlich Spaß Musik zu machen. Aber wir verbringen natürlich schon viel Zeit im Studio. Das kann auch mal anstrengend sein. Wir wollen uns ja auch weiterentwickeln und uns nicht ständig selbst kopieren. Da gibt es auch mal anstrengende Momente. Vor allem wenn man das Reisen dazu nimmt. Wir sind ja quasi jeden Tag oder jedes Wochenende in einer anderen Stadt. Aber von meiner Seite kann ich sagen, dass ich das gerne mache. Für mich ist da einfach sehr viel Passion dahinter.

Nervt dich die Elektro-Szene auch manchmal?

Mich nervt es, wenn alles so generisch klingt. Diese festgefahrenen Buildups und Drops... Ich will jetzt hier keine Namen nennen, aber es gibt einfach gewisse Artists in diesem Genre, bei denen ein Track wie der andere klingt. Das finde ich dann eher nicht so cool.

Auf eurer Facebook-Seite bezeichnet ihr Promo-Bilder als „the necessary evil“...

Ja... das stimmt. Wir stehen nicht so gerne vor der Kamera. Richtig schlimm ist es nicht, aber wir sind lieber im Musikstudio als im Fotostudio. (lacht)

Bist du eitel?

Eitel? Nee. Klar kleidet man sich gerne ein bisschen trendig und guckt ein bisschen aufs Aussehen. Ich verbringe morgens aber keine fünf Minuten im Bad.

Was macht dir mehr Spaß: neue Tracks komponieren oder live performen?

Das schönste für mich ist es, die eigenen Sachen im Club zu testen. Gefühlt hat man sie dann ja schon tausendmal im Studio gehört, aber weiß nicht so recht wie sie im Club ankommen. Oder ob sie überhaupt ankommen. Und wenn es dann funktioniert, ist das schon das beste Gefühl. Ich denke mal für jeden Künstler.

Seid ihr beiden auch privat befreundet?

Wir verbringen schon viel Zeit zusammen. Vor allem aber an Wochenenden und im Studio. Wir wohnen in der Schweiz auch eine Stunde voneinander entfernt. Da ist es jetzt nicht so, dass man am Dienstag Abend spontan noch ein Bier trinken geht. Das gibt es schon, dass wir zum Beispiel zusammen Abendessen gehen und das Geschäftliche mal Beiseite lassen. Der Großteil unseres Zusammenseins besteht aber aus Musik.

Streitet ihr euch manchmal?

Nein, eigentlich streiten wir nie. Zumindest bis jetzt noch nicht. Vielleicht kommt das ja noch (lacht). Aber Diskussionen gibt es natürlich schon. Musik ist eine sehr individuelle Angelegenheit - da ist man nicht immer einer Meinung. Da gibt es dann Sounds oder Ideen, auf die der eine mehr steht als der andere. Und dann diskutieren wir in welche Richtung es beim nächsten Gig gehen soll. Im Endeffekt löst sich das dann aber beim Auflegen vor Ort, wenn man spürt wie die Leute reagieren. Wir ergänzen uns einfach sehr gut. Daniels Hintergrund ist eher technoid, meiner eher aus der housigen Seite. Da kann dann jeder seinen Input einfließen lassen. Wir profitieren sehr voneinander.

Gibt's bei euch oft Sushi?

Ich mag Sushi sehr gerne. Daniel steht eher auf Pizza. „Fat“ ist er auch nicht... vielleicht müssen wir uns noch eine gute Story ausdenken wie wir auf „Fat Sushi“ gekommen sind. Eigentlich gibt es da keinen großen Hintergrund. Wie gesagt, ich mag Sushi sehr gerne. Vielleicht hatte das einen Einfluss. Und wir versuchen fette Musik zu machen.

Mehr dazu:

Was: Wahn, Sinn & Liebe mit Fat Sushi.
Wann: Samstag, 21. Februar 2015, 23 Uhr.
Wo: BalzBambii.