Mia san mia (in Basel)

David Weigend

Nachdem wir uns in der St. Johannsvorstadt beim Döggelizocken einige Stangen Feldschlösschen reingestellt haben, fühlen wir uns gewappnet für den Clubgig von Mia im Volkshaus. Ein Konzertbericht.



Mia startet mit 100 Prozent, also zumindest heißt so das Lied, im übrigen eines der flotteren auf dem neuen Album. Als sich der Vorhang öffnet, sitzt Schlagzeuger Gunnar Spies schon da und gibt den Takt vor. Hi-Hat, Bass-Drum.


Im Abstand von etwa 20 Sekunden betreten die anderen Bandmitglieder die Bühne und geben dem Song seine Konturen: Zuerst Gitarrist Andi Penn, dann Bassist Robert Schütze, gefolgt vom zweiten Gitarristen Ingo Puls. Alle tragen sie grüne Hemden. Die Reserve des Basler Publikums lockert sich merklich, während Sängerin Mieze nach vorn getanzt kommt. Willkommen im Club.

Nachdem das Quintett 2006 Album und Tour als Zirkusnummernrevue verpackt haben, wird jetzt der Club als Sinngeber für die neuen Songs bemüht. Als Konzept weder kreativ noch neu. Man könnte es jetzt dabei belassen und sagen: Machen wir hier noch ein wenig Discohampelei und da noch eine  gesungene Sampler-Imitation („Her-zens-bre-cher-…Her-zens-bre-cher“) und gut is.



Aber Mia wären nicht Mia ohne den Versuch, das Ganze noch künstlerisch zu überhöhen. Also kommen Miezes Moderationen nicht ohne den ständigen Clubbezug aus, etwa: „Sagt mal, wer außer mir ist noch Mitglied im Club derjenigen, die gern Dinge tun, von denen sie wissen, dass sie nicht ganz gut für einen sind?“ Sogar vor Feststellungen wie „Wir gehören alle zum Club der Älterwerdenden“ schreckt sie nicht zurück.

Der Manierismus, die Koketterie, die kalkulierte Spontaneität, all dies sind die Schattenseiten der 29-jährigen Mieze, die andererseits, verstehen wir uns da nicht falsch, eine brillante Sängerin und charismatische Bandleaderin ist. Das eine wäre ohne das andere wohl nicht zu haben. Da das Vergnügen am Positiven überwiegt, nimmt man die Teenie-Köderei a la „Ihr macht mich ja alle ein bisschen verliebt“ billigend in Kauf.



In Erinnerung bleibt das neue Mein Freund, bei dem Mieze einen jungen Mann aus dem Publikum zum Bühnenwalzer auffordert. Das hat, links zwo drei, rechts zwo drei, den Charme einer Tanzstunde im Wohnzimmer. Die beiden Songs vom „Stille Post“-Album, „Hungriges Herz“ und „Sonne“ kommen sehr gut an, ebenso natürlich „Tanz der Moleküle“, schön dirigiert und gut gesungen vom Volkshaus-Publikum, bei dem man übrigens einen klaren Frauenüberschuss verzeichnen kann.



Den Berlinern gelingt es mit Tempo und Gefühl, dem Auditorium die Kälte aus den Gliedern zu spielen. Und zugegeben, das „Club“-Motto war für diesen Zweck gar nicht so verkehrt.