MFG-Erlebnisse: Mitgefahren, mitgefangen

Martin Herceg

Mitfahrgelegenheiten machen das Reisen aufregend. Kommt der Fahrer? Wie sehen die anderen Mitfahrer aus? Ist das Auto, in das ich steige, noch fahrtauglich? fudder-Mitarbeiter Martin ist seit vielen Jahren begeisterter MFG-Nutzer. Was er dabei schon erlebt hat:



Freiburg – Frankfurt: Frankfurt - das neue München, Januar 2010


Sophie teilt sich an diesem Donnerstagabend auf der Fahrt nach Frankfurt die Rückbank eines schwarzen Skoda Octavia mit mir. Sie ist ganz in schwarz gekleidet und spricht nur Französisch - Fahrer, Beifahrer und ich leider nicht. Nach ein paar gescheiterten Konversationsanläufen auf Englisch und mit Händen und Füßen geben wir auf - Sophie auch.

Sie schläft bereits an der Ausfahrt Freiburg-Nord tief und fest. Erst in Frankfurt, als unser Fahrer von der Autobahn abfährt, wird sie wieder wach und erkundigt sich bei mir mit "À Munich?". Seit diesem Tag im Januar frage ich immer bevor ich in ein Auto zum Mitfahren einsteige sicherheitshalber nach, wo die Fahrt enden wird.  

Köln – Freiburg: Sandro, die Hunde und ich, November 2006

Es ist kalt und nass, und ich wurde soeben versetzt. Der "Geschäftsmann mit dem schwarzen 5er BMW" ist nicht am vereinbarten Treffpunkt erschienen. Sein Telefon ist aus, meine Laune im Keller. Und der ICE ohne Bahncard nicht mit meinem Budget vereinbar.

Der einziger Ausweg – eine neue MFG am Internet Terminal des Kölner Hauptbahnhofs finden (denn 2006 gab es noch kein funktionierendes mobiles Internet). Tatsächlich finde ich sie: „Sandro nimmt dich in seinem Mercedes-Bus mit nach Freiburg, sei locker, bring gute Laune und 10 Euro für Sprit mit." Ich bin ein Glückspilz!

Nach kurzen Telefonat ist alles klar, mit geforderter Lockerheit laufe ich zum angegebenen Treffpunkt. In einer Wagenburg angekommen werde ich von Sandro, der mit einer großen Gruppe um ein Lagerfeuer sitzt begrüßt. Süßlicher Rauch liegt in der Luft, die Stimmung ist locker, alles sieht aus wie in der Sparkassenwerbung mit dem Slogan: „Wenn ich groß bin, will ich auch ein Spießer sein.“ Nach einer herzlichen Verabschiedung steige ich zusammen mit Sandros neun (!) Hunden in einen Mercedes-Bus, ungefähres Baujahr 1950 oder älter (!), mit offenem Kamin (!) und genau einem Sitz (!) ein - dem des Fahrers.

Ich mache es mir zusammen mit fünf Hunden auf einem der alten Sofas (!) im hinteren Teil des Fahrzeugs bequem. Die anderen vier kuscheln sich auf dem anderen Sofa zusammen. „Stört’s dich, wenn ich einen rauche?“ fragt Sandro von vorne. "Nicht direkt, aber die Polizei könnte es stören", ist meine zugegeben etwas spießige Antwort. „Na ja, wenn die jemanden kontrollieren, dann ja sowieso mich, also macht das dann auch nichts mehr aus", antwortet Sandro. Klingt logisch. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h und unterbrochen von diversen Gassi- und Pipipausen kommen wir in der den späten Abendstunden in Freiburg an. Sandro fährt mich bis vor meine Haustüre.

Zuhause fasse ich den Entschluss: Nie wieder im 5er BMW mit Geschäftsmann - viel zu langweilig.

Darmstadt – Freiburg: Der Mann mit der Windel, März 2011

Als ich am Darmstädter Hauptbahnhof in den silbernen Kombi einsteige, sitzt bereits ein älterer Mann recht regungslos auf der Rückbank. Ich sage „Hallo!“, er sagt nichts. Der großgewachsene Fahrer erzählt mir dann auf der Fahrt, dass der Mann Vietnamese sei und kein Deutsch könne. "Seine Verwandten haben ihn in Hamburg ins Auto geladen und mir das Geld im Voraus gegeben."

Die Frage, ob der alte Mann sich seitdem auch mal bewegt habe, verneint der Fahrer. „Der hat keinen Mucks gemacht, aber er atmet und hat die Augen auf, nicht mal auf dem Klo war er bis jetzt.“ Ich bin verblüfft. Wie kann ein Mensch von Hamburg bis Karlsruhe fahren, ohne einmal aufs Klo zu müssen? Als der alte Herr dann am Karlsruher "Mann Mobilia", dem zentralen MFG-Umsteigeplatz Karlsruhes, von einer weiteren Gruppe Verwandter aus dem Auto gezogen wird und wir zu zweit weiterfahren, wird mir und dem Fahrer klar: Ohne Stuhlgang war es doch nicht gegangen. Dort, wo er gesessen hatte, ist nun eine Windel zwischen die Sitze gesteckt, und ein unangenehmer Geruch macht sich breit.

Die restliche Strecke bis Freiburg bin ich dann Hasstiraden gegen Asiaten und alte Menschen ausgesetzt und heilfroh, als ich am Freiburger Bahnhof angekomme und das Auto verlassen kann. Verbaler Gestank ist eben doch noch eine Stufe härter als Windel-Luft.

Freiburg – Darmstadt: School's out for Summer, Juni 2012

Jeder von uns hatte in der Schulzeit irgendeine Lehrerin oder einen Lehrer, die oder den man nicht leiden konnte, und die oder den man nie wieder sehen wollte. Mir ging es so mit Frau R., meiner Religionslehrerin.

Mein Wunsch ging leider nicht in Erfüllung: Ich muss mir die Enge einer Fiat Panda Rückbank mit der Hassperson meiner Kindheit und Jugend teilen, die selbe verbrauchte heiße Luft einatmen und drei Stunden meine aufkommende Überkeit unterdrücken.

Immerhin scheint es Frau R. nicht besser zu gehen. Auch sie würdigt mich, ganz wie früher, keines Blickes, schweigt und schwitzt. Der Fahrer bemerkt die negative Energie und versucht, durch schlechte Radiomusik gute Laune zu erzeugen. Der Versuch scheitert. Als Frau R. und ich in Darmstadt aussteigen, ist ihm die Erleichterung anzusehen: Er ist froh, die Rückbankspannung los zu sein.

fudder-Debatte


Und was war dein skurillstes MFG-Erlebnis?  

Du bist gefragt!

 


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