ZMF 2019

Metronomy im Interview: "Die Leute müssen wissen, was Musik wert ist"

Jannis Jäger

Joseph Mount ist Sänger, Texter und kreativer Mastermind hinter Metronomy. Im Vorfeld hat er über Idole, Musikstreaming und das neue Album gesprochen. Am 20. Juli spielt die Band auf dem ZMF, fudder verlost Tickets.

Immer wenn ich Metronomy höre, fühle ich eine besondere Art von Melancholie. Ist das etwas, das Du in den Menschen auslösen willst?

Mount: Ich denke nicht, dass es etwas ist, das ich in den Menschen auslösen möchte. Das passiert einfach. Wenn du Musik machst, operierst du auf einer Ebene, auf der man sehr bewusst handelt, und es gibt diese unerklärliche Seite, wie Musik wirkt und wie sich die Menschen dabei fühlen. Ich genieße es auch sehr, einer Musik zuzuhören und mich beispielsweise melancholisch zu fühlen, einfach, weil ich dieser bestimmten Musik zugehört habe. Wenn ich Musik mache, lege ich etwas von mir hinein. Der eine findet es dann vielleicht wieder, der andere nicht, aber das ist nichts, das ich erzwingen will, aber es kann passieren. Es ist wichtig daran zu denken, dass man als Musiker dabei nicht auf die Sprache beschränkt ist, um etwas auszudrücken. Der Sound ist die Übersetzung eines Gefühls, das die Menschen dann aufnehmen können.

Gibt es so etwas wie ein Hauptthema in deinen Songs?

Jetzt gerade geht es viel darum, mich als Person zu dokumentieren, die schon seit langer Zeit Musik macht. Eine Entwicklung nachzuvollziehen, die sehr viel umfasst. Ich mache das jetzt schon, seit ich ein Teenager war. Das ist, wie wenn jemand jeden Tag ein Bild von sich im Internet postet und die Leute dann sagen: "Oh ja, du bist älter geworden." So etwas ist sehr interessant.
Verlosung

Unter allen Mitgliedern in fudders Club der Freunde verlosen wir zwei Mal zwei Tickets für das Konzert von "Metronomy & Roosevelt" am Samstag, den 20. Juli um 19.30 Uhr im Zirkuszelt auf dem ZMF. Um zu gewinnen, schicke eine E-Mail mit deinem Namen und dem Betreff "Wertschätzen" an gewinnen@fudder.de

Sollten zu wenige Club-Mitglieder an der Verlosung teilnehmen, werden die Karten unter den restlichen Einsendungen verlost. Teilnahme ab 18 Jahren, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluss ist Freitag, der 19. Juli, um 12 Uhr. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt.

Es klang bei Dir schon oft an, dass Musik heute nicht so wertgeschätzt wird, wie sie es verdient hätte. Wie stehst du heute dazu?

Ich denke tatsächlich, dass die Menschen heute Musik nicht mehr richtig wertschätzen. Aber ich meine das auch in einem sehr buchstäblichen Sinn. Die Leute kennen nicht mehr den richtigen Wert der Musik. Für gute Musik braucht es Musiker, die das professionell tun können. Und wie bei jedem Job muss der, der ihn ausführt, davon leben können. Das ist kein Problem, wenn du Taylor Swift bist. Aber auch als junge neue Band bist du angewiesen auf die finanzielle Unterstützung deiner Fans und in Zeiten, in denen jeder seine Musik online streamt, ist es schwierig, diese Unterstützung zu bekommen. Die Leute müssen wissen, was alles hinter ihrer Musik steht und dass das etwas wert sein muss.

Hast Du das Gefühl, dass sich euer Publikum über die Jahre verändert hat?

Definitiv. Viele sind älter geworden, da sind Menschen, die uns über eine lange Zeit begleitet haben. Wir sind in den letzten zehn Jahren quasi zusammen älter geworden. Auf der anderen Seite haben wir eine Menge neuer Fans in Mexiko und in Lateinamerika, die sehr jung sind. Unser Publikum ist darum mittlerweile sehr gemischt. Es ist internationaler, man findet jung und alt und die unterschiedlichsten Arten von Menschen.



Euer neues Album kommt im Herbst. Wie habt Ihr die Entscheidung für die zwei Spinoff-Singles getroffen, "Salted Caramel Ice Cream" und "Lately"?

"Lately" ist ein Song, den wir schon seit einer ganzen Weile mit uns tragen und von dem wir unbedingt wollten, dass er hinaus in die Welt kommt. Und "Salted Caramel Ice Cream" fanden wir einfach passend, weil es auf unsere Art ein sehr spaßiger Sommertrack ist. "Lately" hat einen sehr emotionalen Einschlag, was viele auch von Metronomy kennen. Und "Salted Caramel Ice Cream" ist auf eine verrückte Art ein klassischer Popsong. Auf ihre Art sind beide sehr verschieden, verglichen mit unseren bisherigen Sachen. Auf dem neuen Album werden sehr verschiedenen Dinge zu hören sein und die beiden Singles können das sehr gut repräsentieren.



Die Cover für die beiden Singles erinnern wieder an eine Art 60er-Jahre-Ästhetik. Hast du manchmal das Gefühl, in der falschen Zeit geboren zu sein?

Um ehrlich zu sein suche ich dieses 60er-Jahre-Gefühl schon ein wenig. Aber ich denke, es spielt nicht wirklich eine Rolle, wann man geboren ist. Man trägt immer sein Stück Musikgeschichte. Und was die Musik angeht, kann man sich aussuchen, wann man geboren sein will. Für mich fühlt es sich an, als wäre ich in der richtigen Zeit geboren. Man findet sicher eine Menge Referenzen in meiner Musik, aber für mich wirkt sie auf jeden Fall sehr modern.

Wenn man Online Artikel oder andere Interviews unter dem Stichwort Metronomy ließt, hat man den Eindruck, dass du eine sehr vorgestellte Rolle einnimmst. Hat das schon einmal für Ärger in der Band gesorgt?

Nein. Metronomy hat mit mir begonnen, als ich angefangen habe, auf mich allein gestellt Musik zu machen. Die Band ist gewachsen, als es darum ging, die Songs auch live zu performen. Diese Zweiseitigkeit ist akzeptiert, jeder versteht das und niemanden regt es auf. Auf der einen Seite mache ich Musik und schreibe Texte und bin auf der anderen darauf angewiesen, dass die Band mich unterstützt.

Du bist mit Metronomy schon eine ganze Weile sehr erfolgreich. Hast du heute noch so etwas wie musikalische Vorbilder?

Es gibt immer Menschen, die ich bewundere, wenn mir diese große musikalische Landschaft bewusst wird, von der ich ein Teil bin. Prince, zum Beispiel, habe ich geliebt. Aber dann erfährt man, dass Prince auch Menschen hatte, die er sehr bewundert hat und denen ging es vermutlich nicht anders. Es kann eine gefährliche Sache sein, sich von solchen Gedanken zu stark beeinflussen zu lassen oder jemanden auf ein zu hohes Podest zu stellen. Eigentlich sind wir alle Teil der selben Sache.
  • Was: Metronomy & Roosevelt beim ZMF 2019
  • Wann: Samstag, 20. Juli 2019, 19.30 Uhr
  • Wo: ZMF, Zirkuszelt