Metallica in Jonschwil: Vorgeschmack aufs neue Album

Simon Nitz

Am Einlass fragen die Schweizer Ordnungshüter nach "Sackmessern und Gras", als Magenfüllung gibts Raclette und alles andere besorgen Metallica: Am Sonntag spielte eine Art Monster in der Nähe von St. Gallen. Simon tun die Nackenmuskeln heut noch weh.



Den 12. September haben sich viele Metallicafans rot im Kalender markiert. An diesem Tag wird das neue Album Death Magnetic erscheinen, das in diversen Foren und Metalmedien schon mit Vorschusslob bedacht wurde. Die 37.000 Fans im Degenaupark in Jonschwil bekommen in Form des Songs Cyanide eine Kostprobe des neuen Materials: ein Sieben-Minuten-Kracher, der in seiner Komplexität und mit einigen Rhythmuswechseln an „...And Justice for all“ erinnert. Eine wohlklingende Versöhnung nach dem allzu scheppernden St. Anger-Album von – ach, wie die Zeit vergeht – 2003.


James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett und Robert Trujillo spielten ohnehin hauptsächlich Songs, die vor dem Black Album erschienen sind. Die Setlist war mit dem Programm des Rock-am-Ring-Auftritts nahezu identisch.



Los ging es um 19.55 Uhr mit Creeping Death, gefolgt von „For whom the bell tolls“ und Ride the Lightning. Danach zeigte James Hetfield unfreiwillig komödiantisches Talent, als er Harvester of Sorrow ankündigte, um anschließend zu gestehen, dass er seine Brille nicht aufgesetzt hatte. Kleiner Verleser. Weiter ging es mit Leper Messiah, jener Mega-Lastenschlepper, der die „Master of Puppets“-Phase einläutete.

Erfreulicherweise wurden auch lange nicht live gebrachte Klassiker wie No Remorse, „Fade to Black“ und das komplette, fast zehnminütige „...And Justice For All“ gespielt, von dem Lars Ulrich nach der damaligen Tour behauptete, es nie wieder spielen zu wollen. Schön, dass es sich der Künstler anders überlegt hat.

Der Degenaupark in Jonschwil, einer 3.600-Seelen-Gemeinde in der Nähe von St. Gallen, roch nach Volksfest: Raclettebuden, mexikanisches Essen und haufenweise Merchandise-Stände, an denen es vom Tourshirt bis zum Babystrampler alles von Metallica gab.



Gute Sicht dürften auch die Fans in den hintersten Reihen gehabt haben, da neben zwei Leinwänden links und rechts der Bühne eine gigantische Leinwand in der Bühnenmitte als Hintergrund diente. Am Ende von One, das wie gewohnt mit viel Pyrotechnik umschossen wurde, stellte sich James Hetfield vor ebendiese Leinwand und ließ sich vom Kameramann direkt auf die rechte Hand filmen.



Somit wurde das neue Tattoo sichtbar: Das M des klassischen Metallica-Logos auf dem Handrücken, begleitet von einer '81 (Gründungsjahr). Die Hand formte erst das Metalzeichen, dann den Stinkefinger. Und schloss sich danach ums Plektrum, um die ersten Töne von Enter Sandman anzuschlagen, der das Ende des regulären Sets bildete.



Die vier Metalikonen spielten als Zugabe „So What“, „Motorbreath“ und „Seek and Destroy“, nach über zwei Stunden mit erstaunlicher Energie.

Durch den Anreiseverkehr aus halb Europa (Stau auf der Autobahn vor der Ausfahrt) sorgten Hetfield und Kollegen für ein logistisches Chaos.

Das nehmen die Fans aber meist ohne Murren in Kauf. Bekommen sie doch sogar beim fünften Besuch eines Metallicakonzerts etwas Neues geboten, auch wenn man danach auf einer riesigen Wiese mit geschätzten 10.000 Autos im Dunkeln Probleme hat, sein Fahrzeug wiederzufinden. Von dieser Wiese wurde man dann durch die halbe Schweiz zurück zur Autobahn geleitet. Motorbreath.

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