Metalcore aus Freiburg: Curse of Society basteln am neuen Album

Marius Notter

"Helden von Morgen" nannte das Szene-Magazin Metal Hammer die Freiburger Metalcore-Band Curse of Society. Das war 2011. Und weil morgen also mittlerweile heute geworden ist, schraubt die Band auf Hochtouren an ihrem neuen Album, das im September rauskommen soll - in einem WG-Zimmer am Friedrichring. fudder-Autor Marius Notter hat sie dort besucht:



Stolz lässt Rhythmusgitarrist Lukas die unzähligen Aufnahmespuren auf dem großen Flachbildschirm ihre Bahnen ziehen. Harte und schnelle Gitarrenriffs, noch schnellere Drums und deftige Bässe erfüllen das kleine WG-Zimmer am Friedrichring, Lukas spielt den Rhythmus mit den Fingern auf seinen Oberschenkeln mit.

Zusammen mit Leadgitarrist Tim sitzt er auf der Bettkante - zwischen E-Gitarren, Laptop und Monster-Energy-Drinks. So sieht es also aus, wenn ein neues Album der Metalcore-Band Curse of Society entsteht. Zur Fünf-Mann-Crew gehören sonst noch Sänger Kevin, Bassist Daniel und Schlagzeuger Jonas.

An der Wand hängen alte, halb zerstörte oder auf Hochglanz polierte E-Gitarren. Daneben kleben Tour-, Festival- und Konzertposter der Band. Das Sammelsurium erzählt die Geschichte von fünf Freunden, die ihre Wurzeln im tiefsten Elztal haben und es ohne Majorlabel und Knebelvertrag auf Festivalbühnen in ganz Deutschland geschafft haben.

Verrückt, unverständlich, kindisch und kreativ

Curse of Society: Auf der einen Seite sind sie in der deutschen Metalcore-Szene eine große Nummer. Wer aber behauptet, die Jungs seien am Boden geblieben, der kennt sie nicht. Denn: Die Jungs waren noch nie am Boden. Das Curse-of-Society-Universum unterscheidet sich vom gemeinhin bekannten. Ist verrückt, unverständlich, kindisch und kreativ. Ihre Musik spiegelt das seit Jahren wider.

Das Zentrum jenes Universums bilden Rhythmusgitarrist Lukas und die Musik. Tim, Kevin, Jonas und Daniel drehen sich darum.



"Eingängig, a bissle mehr für d'Masse, es wird schu mehr Leude anspreche, als des, was mir devor gemocht hen. Mir wolle schu noch so d'ein oder andre Raffiness drin habe, abba 's soll flüssiger werde, au mit dem Elektrozeugs, was mir da einbaue." So beschreibt Leadgitarrist Tim in breitestem Elztälerisch die neuesten digitalen Track-Skizzen, aus denen das neue, im September erscheinende Album entstehen soll. Voraussichtliches Erscheinungsdatum: September 2013.

Elektrozeugs und Metalcore? Damit erfinden Curse of Society die Musik nicht neu. Seit der britischen Band "Bring Me The Horizon" ist dies ein oft genutztes Stilmittel. Interessant wird es jedoch, wenn Elektro-Elemente auf die blitzschnellen, raffinierten und komplizierten Curse-of-Society-Kompositionen treffen.

Lukas wühlt sich mal schnell durch den Ordner am Laptop mit den digitalen Skizzen und sucht ein passendes Beispiel heraus: „Wir wollen den Elektro-Sound nicht in den Vordergrund stellen, nur um ihn voller wirken zu lassen. Wir schreiben ja auch mehrstimmige Sachen, bei denen wir verzerrende und hallende Effekte auf die Schreie von Kevin legen und sie in den Hintergrund schieben. Als Playback quasi, das machen mittlerweile alle. Fett musst du ja nur noch live sein."



Wie die neuen Elemente live rüberkommen, kann im Moment noch keiner sagen. Die Skizzen machen jedenfalls sofort süchtig. Man muss mittrommeln, den Körper bewegen - und das die vollen vier Song-Minuten. Dabei ist der Gesang noch nicht einmal ganz im Kasten, ebensowenig wie Bass und Drums.

Metal Hammer nannte sie die "Helden von Morgen"

Curse of Socitey haben es von Jugendzentren bis auf Metal-Festival-Stages geschafft, und das ohne Majorlabel oder Bookingagentur. Denn: Curse of Society lassen sich nicht gerne vorschreiben, was für Musik sie spielen sollen. Im Gründungsjahr 2007 coverte die Metalcore-Band noch Songs von US-amerikanischen Szenegrößen wie "As I Lay Dying" und "All That Remains". Im Jahr darauf spielten sie Gigs in allen Jugendzentren von Elzach bis nach Emmendingen.

2009 veröffentlichten sie die EP "Shut Up Spit Blood". Die Metalszene im Elztal wuchs und wuchs - auch durch die Einflüsse von Curse of Society. Als die Band  zwei Jahre später ihre Platte „Till Death Do Us Part“ auf einer Release-Party mit der in Deutschland sehr bekannten Deathcore/Electrocore-Band "We Butter The Bread With Butter" veröffentlichten, war klar: Da geht noch viel mehr. Das Szene-Magazin "Metal Hammer" nannte die Jungs die "Helden von Morgen". Bis Ende 2012 tourten sie, wann immer es ging, drehten Videos, wurden von Labels angeschrieben: Der Schritt ins große Musikbusiness schien greifbar nah.

Doch dann wurde es ruhig um Curse of Society.



Ruhe? Das Wort kennen Lukas und Tim eigentlich nicht. Während Lukas am Laptop die Aufnahmen bearbeitet, spielt Tim dauerhaft Gitarre - und das, obwohl im Hintergrund das neue "Bring Me The Horizon"-Album läuft. Bei Curse of Society herrscht meist rege Aktivität.

"Jetzt sind wir halt Rockstars"

Nachdem die Band Konzert um Konzert gespielt, die Platte hoch- und runterperformt und der Bassist gewechselt hatte, musste sie sich wieder neu ordnen. Lukas studiert, Jonas studiert, Tim macht sein FSJ, Kevin absolviert eine schulische Ausbildung zum Arbeitserzieher und Daniel arbeitet als Sozialpädagoge in einer sozialen Einrichtung. Das alles unter einen Hut zu kriegen, ist nicht einfach.

"Keine Plattenfirma will eine Band, die sich nach fünf Jahren auflöst", sagt Lukas. Das neue Album werden sie an eine Reihe von Plattenfirmen schicken. Erst dann gehen sie wieder auf Tour – am besten mit Bookingagentur, denn so was selbst zu organisieren, ist ein Halbtagesjob.

Lukas versucht das Musikbizz-Durcheinander zu erklären - mit lauter Stimme, Händen und Füßen. "Im Endeffekt ist das ein Teufelskreis, denn für eine Bookingagentur braucht man eine Plattenfirma, und die Plattenfirma setzt eine Bookingagentur voraus, denn die Plattenfirma will ja, dass du unterwegs bist. Mit einer Bookingagentur ist das natürlich vorausgesetzt. Also brauch man die Zusage von einem, um ins andere zukommen."



Tim zupft immer noch an der Gitarre. Wenn er spricht, dann nur noch auf Sächsisch: "Bei unseren Motivationsrunden vor fünf Jahren haben wir noch gesagt: Wir wollen eine regionale Größe werden. Jetzt sind wir halt Rockstars und müssen überlegen, wo wir unsere Autos parken" – Schallendes Gelächter.

Curse of Society nehmen sich eben nicht ganz so ernst, wie ihre Musik rüber kommt.

Tim Cavak plays Architects of my Odyssey

Quelle: YouTube


Mehr dazu:

  • fudder: http://fudder.de/artikel/2008/01/18/warum-metal/" titel="">Warum Metal? (2008)

Fotogalerie: Marius Notter

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