Metal-Version des Badenerlied: Wenn Power, Thrash und Death Metal auf innige Heimatliebe treffen

Michael Saurer & Falko Wehr

Badische Metaller haben dem Badnerlied bei Studioaufnahmen in March einen ganz neuen Sound verliehen. [Mit Video!]

Harte Gitarrenriffs schrammen seit Stunden durch das kleine Buchheimer Aufnahmestudio. Um die 15 Musiker – lange Haare, Lederjacken, Nietengürtel –  tummeln sich derweil vor der Tür des Aufnahmeraums und warten auf ihren Einsatz: Sie wirken an der Neuinszenierung eines Klassikers mit. Doch nicht „Highway to Hell“ steht hier auf dem Programm. Vielmehr versuchen sich die Rocker an einer Neuinterpretation des Badenerlieds.


Dass es diese unbedingt braucht, daran bestehe kein Zweifel: „Das Badenerlied ist schon 150 Jahre alt, da wurde es mal Zeit für ein kleines musikalisches Re-Design“, meint Christian Scherer, Leadsänger der Konstanzer Death Metal Band „Tremors“. Nun bringt man aber Death Metal, eine besonders harte Metal-Spielart  mit tiefen gutturalen Kehllauten, in der Regel eher weniger mit regionalem Brauchtum in Verbindung. Doch weit gefehlt. „Wir sind hier alle überzeugte Badener, da war klar, dass wir bei der Aktion mitmachen“, sagt Scherer nachdrücklich.

Das Iguana Studio, in dem das Stück aufgenommen wird, ist mit Baden-Utensilien vollgestopft: Wimpel, Fähnchen, Lampenschirme mit Baden-Fahne sind quer durch die verschiedenen Räume verteilt. Sogar eine Gruppe von gelb-roten Playmobil-Männchen, eine Baden-Standarte vor sich hertragend, steht auf dem Tresen in der kleinen Küche. So viel Heimatverbundenheit findet man selbst bei den meisten badischen Männergesangsvereinen nicht.



Kopf und Organisator der Aktion ist der Karlsruher Yücel Erol (Bild oben), der bereits seit Jahren eine feste Größe in der hiesigen Metal-Szene ist. Er organisiert Konzerte, vertreibt CDs und betreibt Baden-Metal, ein „Magazin zur Förderung der badischen Heimatmusik“, wie es auf der Homepage verlautet.  Dass der Name Yücel Erol weder alemannisch noch kurpfälzisch klingt, gibt der Sache einen noch surrealeren Touch. „Ich bin zwar in Izmir geboren, identifiziere mich aber total mit der Region“, erklärt er in breitem Kurpfälzisch. Ein Musikerkollege erinnert sich, dass Erol einmal eine Band abgelehnt habe, weil neben zwei Badenern noch drei Schwaben mitgespielt haben.

Seither gelte die inoffizielle Regel, dass mindestens 80 Prozent einer Band aus Badenern bestehen muss, um bei Baden-Metal erwähnt zu werden. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Magazins soll am Ende des Jahres eine CD mit einem Querschnitt durch die badische Metal-Szene erscheinen. „Flight of the Griffin“ –  Der Flug des Greifs – eine Anspielung auf das badische Wappentier – wird sie heißen. Die Neueinspielung des Badenerlieds wird dabei eines der Topstücke sein.

„Das Lied gibt es in allen möglichen Variationen, aber eine Metal-Version war bislang noch nicht darunter“, meint Yücel Erol. Ein Umstand, den es zu ändern galt. Bereits vor einigen Wochen schrieb er einige Musiker an, die meisten sagten spontan zu. Vor allem Sänger wurden gesucht, denn neben der klassischen Bandbesetzung mit Bass, Schlagzeug, Rhythmus- und Leadgitarre  ist der Chor ein wichtiges Element bei der Einspielung. Er singt den Refrain und die vierte Strophe. Die drei Strophen zuvor werden von unterschiedlichen Sängern gesungen, in drei unterschiedlichen Varianten des Metals. Power Metal, Thrash Metal und Death Metal nennen sie sich.



Ihre Aneinanderreihung solle den Fans auch zeigen, wie unterschiedlich die Metal-Musik ist, dass aber doch alle letztendlich zueinander gehören, meint Christoph Brandes, der Besitzer des Buchheimer Iguana-Studios. Eine Aussage, die durchaus auch auf die Musiker zutreffe. Aus Konstanz kommen sie, aus Weil am Rhein, Mannheim, Karlsruhe und Heidelberg, die meisten kannten sich davor nicht, verstehen sich aber auf Anhieb prächtig. „Wir sind einfach eine große Familie und für jeden Spaß zu haben“, meint das Weiler Thrash-Metal Urgestein Volker „Freddy“ Fredrich.

Mittlerweile ist es Abend geworden, die zweite Hälfte des Chors singt gerade ihren Teil ein, die anderen hören im Tonstudio mit. Kaum einer geht vorzeitig nach Hause. Yücel Erol ist zufrieden. „Das sollte natürlich ein Spaßprojekt sein. Insofern haben wir unser Ziel schon erreicht.“



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