Metal Karaoke im Eimer: Wie fudders Nightlife-Guru enttarnt wurde und die kasachische Nationalhymne singen musste

Nightlife-Guru

fudders Nightlife-Guru - ein notorischer Turnbeutel- und Basecapträger - hat gestern sein gewohntes Milieu verlassen und sich in fremde Gefilde gewagt: zur Metal-Karaoke in den Eimer. Dort wurde er enttarnt - und auf die Bühne gezwungen:



Die Jungs an der Tür

Das ist im Eimer kein Türsteher, sondern der Barkeeper. Er ist ein Bär von Kerl, am rechten Arm voll tätowiert, und kennt meine Begleitung vom Sportclub. Deshalb gibt's erstmal einen Schraubstock-Händedruck und eine tropfende halbe-Liter-Bombe von Fürstenberg. Rothaus gibt es nämlich nicht im Eimer - wer auch immer so was behauptet hat, sei eines Besseren belehrt.

Inneneinrichtung und Deko

Das Licht ist gedimmt, an rustikalen Wänden hängen E-Gitarren und Fotos alter Rock’n’Roll-Künstler. Die Tische sind klein und aus Holz, in ihrer Mitte steht eine Schnapsflasche mit einer langen Wachskerze im Flaschenhals. Die Theke klebt leicht und ist von den vielen Bier und Kurzen schon eingekerbt.

Wer war da ?

Der vordere Thekenraum ist fast leer, als wir um 20.30 Uhr in den Eimer kommen. Die Karaoke findet im hinteren Raucherzimmer statt. Als ich die Türe öffne werden meine Erwartungen und Vorurteile vollends erfüllt.

Zwei Dutzend langhaarige  Männer und Frauen sitzen eng gedrängt an zwei Tischen, rauchen selbstgedrehte und trinken Bier. Durch die Rauchschwaden hindurch erkenne ich fast jeden Typen von Metaler.

Da ist zum Beispiel der Gepflegte (zum Pferdeschwanz gekämmte Haare, rasiertes Gesicht, muskulöser Oberkörper und enges T-Shirt). Die Springerstiefel lassen ihn gefährlich aussehen - er ist es nicht. Als nächstes fallen mir die stereotypen Metaler auf, die einen wild abstehenden Bart, lange offene Haare, ein schwarzes ausgelottertes Band-Shirt und weite dunkle Hosen tragen. Die Mädels haben entweder Kurzhaarfrisuren, halblanges geglättetes dunkles Haar oder ebenfalls - gleich ihrem männlichen Pendant - einen Pferdeschwanz.

Ein Kerl, der so gar nicht ins Bild passt, aber ständig auf der Bühne steht und gut singen kann, hat einen riesigen Afro auf dem Kopf und trägt schwarze Biker-Lederjacke. An den Tischen sitzen noch weit mehr Menschen, doch ich muss schließlich mitbekommen, was da auf der kleinen Bühne vor sich geht. Deshalb wende ich mein Blick nach vorne und höre mir an, wie der Kerl mit langen schwarzen Haaren, schwarzem T-Shirt, einer weiten, mit Schnallen behängten Hose und schwarzen fingerloßen Handschuhen den nächsten Sänger des Abends ankündigt.

Karaoke-Atmo und Klangkünstler TÜV

Der erste Sänger traut sich gleich einen Hit zu spielen, der weit über die Metal-Gerne-Grenzen hinaus bekannt ist: "Through the Glass" von Stonesour. Für Metaler ist das deshab ein so wichtiges Lied, weil der Sänger von Stonesour ebenfalls der Frontmann von Slipknot ist: Corey Taylor. Der Mutige singt, die Zuschauer stimmen beim Refrain mit ein. Die Songtexte werden über einen Beamer an eine kleine Leinwand projeziert, zwischen den Liedern kann man die grauen kastenförmigen Umrisse des VLC-Players mit der weiß-orangenen Warnpilone erkennen.

Der nächste Track: "Reise Reise" von Rammstein. Ein Hit, ein Klassiker, den jeder und jede im Raum auswendig mitsingen kann. Dementsprechend laut wird es. Man merkt, dass sich das ein oder andere Bier auf die Scheu der Karaoke-Teilnehmer auswirkt, denn der nächste Song der performt wird, ist "Arials" von System of A down. Dieser Track ist schwer, schnell und jedem im Raum wohl bekannt, doch der Sänger scheint Übung zu haben und meistert ihn angenehm.

Dann kreischt es neben mir: "Dennis, Jägermeister ist da!". Das schwarzhaarige Mädchen mit Piercings und einem Totenkopfkleid neben mir ruft nach ihrem Saufkumpanen. In diesem Moment fällt mir auf, dass hier der Schnaps und das Bier läuft wie in meiner Heimat in der Dorfkneipe - am Stammtisch. Ständig wird nachbestellt, ein Tisch hat um 21 Uhr schon eine 100-Euro-Rechnung.

Dann mache ich einen großen Fehler: Als ich kurz an der Theke sitze, um frische Luft zu schnappen (und ein weiteres Pils vor die Nase gesetzt zu bekommen), enttarne ich mich gegenüber dem Theker biertrunken als fudders Nighlife-Guru. Fünf Minuten später stehe ich auf der Bühne, die Karaoke-Gemeinde klatscht mir zu und bedankt sich für die Ankündigung der Redaktionskollegen auf der Website. Dann wird mir ein Zettel mit Liedern und das Mikro in die Hand gedrückt.

Zum Glück habe ich zu dem Zeitpunkt schon einige Fürstenberg-Bomben intus und eigentlich vor keiner Blamage mehr Angst. Doch wenn schon blamieren, dann richtig! Ich singe also die Nationalhymne von Kasachstan -  in der Version von Borat. Auf Englisch. Das letzte Mal habe ich dieses Lied vor circa zwei Jahren gehört, als ich mit Freunden "Borat" gesehen habe. Von der Melodie habe ich genauso wenig Ahnung wie vom Text. Nach 1:48 Minuten habe ich es geschafft! Bekomme Applaus, stürze den letzten Rest meines Biers hinunter. Metalkaraoke: Check!

An der Bar

Fürstenberg, kein Rothaus. Perfekt gezapft bei fairem Preis.

Auf dem Klo um halb zehn…

...ist es leer und ungemütlich.

Aufheiterle



Fazit

Du hast Montagabends schon wieder Bock dir den Helm mit Pils zu füllen? Dann zieh dir deine schwärzesten Klamotten an und geh’ zur Metalkaraoke. Die Atmosphäre, die dort herrscht, ist tiefenentspannt und extrem freundlich - wie man das von Metalern gewohnt ist. Das Bier schmeckt fantastisch, der Guru, in dieser Umgebung definitiv Migrant, ist begeistert. Beide Daumen gehen hoch für diesen schönen Abend.

Mehr dazu:


Was:
Metal-Karaoke
Wann: Montags 20 Uhr
Wo: Eimer, Belfortstraße 39, 0761/2171897