Meister an der Schnur: Kojo spielt Jojo

Franziska Kiedaisch

Kojo Boison, 16, geht aufs Rotteckgymnasium und ist seit einer guten Woche Deutscher Jojomeister. Wochenlang studiert er seine Tricks ein. Uns hat er einiges über die verrückten Disziplinen in diesem Sport erzählt, außerdem zeigt er im Video einen Trick.



Kojo Boison wirkt selbstsicher. Mehrere Interviews hat er schon gegeben und ein großer Privatsender habe bereits Interesse an einem Drehtermin mit ihm bekundet. Der deutsche Jojo-Meister steht seit vergangener Woche im Rampenlicht. 


Am 4. Oktober konnte er sich auf der Deutschen Jojo-Meisterschaft, die von der GYYA (Jojo-Vereinigung Deutschland e.V.) organisiert wurde und im Rahmen der Leipziger Messe „Modell-Hobby-Spiel“ stattfand, in der Königsdisziplin „Single A“ gegen acht andere Spieler durchsetzen. An den Sieg in dieser Disziplin ist die Vergabe des Titels „Deutscher Jojo-Meister“ gebunden.

Es gibt noch vier weitere Disziplinen bei den Jojospielern: Double A, zweihändiges Spiel mit zwei Jojos; Triple A: Spiel mit zwei Jojos, wobei der Schwerpunkt nicht auf den Loops (eine Art Wirbeltrick), sondern auf den Schnurtricks liegt; Offstring: Spiel mit einem Jojo, das nicht an der Achse befestigt ist, so dass es ähnlich aussieht wie Diabolo; schließlich Freehand, Spiel mit einem Jojo, das nicht am Finger hängt, sondern an einem Gegengewicht, so dass der Spieler die Schnur loslassen kann.



Kojo hat sich nun für die Jojo-Weltmeisterschaft qualifiziert, die 2010 in Orlando/ Florida stattfinden wird. Seine Chancen auf den Titel schätzt er gering ein. „Das Starterfeld ist dort zu stark. Unter die ersten Fünf schaffe ich es auf keinen Fall. Noch nicht“, sagt er.

Als Kojo vor drei Jahren im Fernsehen ein Jojo-Team spielen sah, war er davon so fasziniert, dass er sich zu seinem 14. Geburtstag ein Jojo wünschte. 40 Euro hat das gekostet, inzwischen besitzt er ungefähr 30 davon, darunter auch Sammlerstücke, die bis zu 180 Euro wert sind. „Gekauft habe ich aber die wenigsten davon, die meisten habe ich auf Wettkämpfen gewonnen."



An vier großen Wettbewerben hat Kojo bereits teilgenommen, vergangenes Jahr wurde er sogar deutscher Vizemeister. Stets ist er dabei einer der Jüngsten im Starterfeld, die anderen Spieler sind im Durchschnitt Anfang 20.

Seine Tricks, die er wochenlang einstudiert, erfindet Kojo selbst. Bis solch ein Schnurtrick perfekt sitzt, vergehe schon mal eine Woche, in der er täglich ungefähr eine Stunde übt.

In den Wochen vor der Deutschen Meisterschaft musste er sich zusätzlich vorbereiten, denn die Wettkampfrichter bewerten die Spieler in drei Kategorien: Das Spiel innerhalb eines einen Meter großen Quadrats, bei dem sechs Tricks nach Anweisung der Wettkampfrichter gespielt werden müssen. Die Pflichtshow, bei der das Jojo eher nebensächlich ist und die Showkünste der Teilnehmer im Mittelpunkt stehen sollen. Schließlich den Freestyle, einer selbst ausgedachten Jojo-Choreographie, bei dem die Jojo- Spieler in drei Minuten ihr technisches Können unter Beweis stellen müssen.

Auch wenn sich diese Anforderungen nach sehr viel Arbeit anhören, wirkt Kojo entspannt: „Ich habe momentan relativ wenig Zeit und deshalb übe ich immer nur abends vorm Schlafengehen“, sagt er.



Auf seiner Schule, dem Rotteckgymnasium, ist Kojo inzwischen allseits bekannt: „Jeder kennt mich, seitdem ich letztes Jahr auf einer Schulaufführung Jojo gespielt habe. Die anderen Schüler finden mein Hobby zwar cool, aber keiner möchte Jojo-Spielen lernen, weil es so kompliziert aussieht.“ Das Jojo lässt Kojo aber normalerweise zu Hause, wenn er in die Schule geht: „Ich möchte nicht angeben. Da reicht es schon, wenn ich einmal im Jahr auf den Schulveranstaltungen zeige, was ich kann“, sagt er.

Nebenbei trainiert Kojo seit drei Jahren fünf Mal pro Woche Tischtennis. Auch in dieser Disziplin hat er bereits seine ersten Titel gewonnen. Man merkt: Kojo ist ehrgeizig, ohne dabei verbissen zu wirken.

Kojo kann sich durchaus vorstellen, später mal Vollzeit-Jojospieler zu werden, eine Karriere einzuschlagen, in der er buchbar wäre für Partys und Veranstaltungen jeglicher Art. Für diese Option wäre der aktuelle Medienrummel vielleicht sogar recht hilfreich, sagt Kojo. "Aber vorher will ich auf jeden Fall mein Abitur machen."

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Video: Kojo zeigt einen Jojotrick