Meine Meinung: Wir müssen über sexuelle Vielfalt in der Schule reden!

Lukas Mörchen

Sexuelle Toleranz im Schulunterricht in Baden-Württemberg? Darüber ist durch eine Petition eines Realschullehrers eine Diskussion entbrannt. Lukas Mörchen, Vorstand des Freiburger Schülerrats, bezieht deutlich Stellung und sagt: Wir müssen unbedingt über sexuelle Vielfalt in der Schule reden!



Der neue Bildungsplan 2015. Leitprinzip "Akzeptanz sexueller Vielfalt". "Bildung für nachhaltige Entwicklung". Das hört sich doch alles eigentlich ganz schön an. "Nur auf den ersten Blick", würden Unterzeichner der Petition "Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens" sagen, denn sie setzten mit ihren inzwischen 149.756 Unterschriften ein ganz klares Zeichen gegen diesen Plan.


Ihre Begründung: "Die 'Verankerung der Leitprinzipien' und der Aktionsplan 'Für sexuelle Akzeptanz & gleiche Rechte Baden-Württemberg' schießen über das Ziel der Verhinderung von Diskriminierung hinaus." Doch das Ziel des Aktionsplans ist nicht nur die Verhinderung von Diskriminierung. Das Ziel geht weit darüber hinaus, und somit wird auch der Aktionsplan unserer Landesregierung seinen Zielen gerecht. Doch in meinen Augen setzten die Unterzeichner dieser Petition nicht nur ein Zeichen gegen den neuen Bildungsplan, ich denke, sie zeigen auch, dass sie sexuelle Vielfalt nicht akzeptieren. Allein diese Tatsache zeigt mir schon, dass die Ziele des Aktionsplans genau die richtigen sind.

Liebe Unterzeichner dieser Petition. Stellt euch einmal vor, ein Junge stünde vor seinem Coming-out. In seiner Klasse scheinen alle anderen 'normal' zu sein. Natürlich kommen auch Streitereien und ähnliche Konflikte in dieser Klasse vor. Und weil sich ein Mitschüler in einer Situation 'eigenartig' verhält, bekommt er prompt eine 'Beleidigung' an den Kopf geworfen: "Haa Gaaaaay!" Dieser Ausruf stammt aus einem kurzen Video, das ziemlich populär wurde – im Internet beziehungsweise verschiedenen sozialen Netzwerken. Nein, das ist keine schön anzusehende Szene für den erstgenannten Jungen. Und ja, dies ist ein häufig vorkommendes Beispiel, das leider nicht die Akzeptanz sexueller Vielfalt unter Schülerinnen und Schülern unterstreicht.

Auch weitere Gründe sprechen für den neuen Bildungplan 2015 beziehungsweise den Aktionsplan der Landesregierung und die Unterzeichnung der "Gegenpetition zu: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens". Auch ich sage, dieser Aktionsplan ist zeitgemäß und notwendig und habe mit der Unterzeichnung der Gegenpetition ein Zeichen für ein offenes und vielfältiges Baden-Württemberg gesetzt. Wenn ich mich umschaue, dann kann, darf, will und werde ich meine Augen nicht vor sexueller Vielfalt verschließen. Diese sexuelle Vielfalt, die gelebte Realität ist, sollten wir akzeptieren, tolerieren und als Selbstverständlichkeit annehmen können. Deshalb bekenne ich mich dazu und rufe dazu auf, die Gegenpetition, die bisher leider deutlich weniger Unterzeichnungen vorzuzeigen hat, zu unterzeichnen.

Zur Person


Lukas Mörchen wurde 1995 in Freiburg geboren und macht 2014 sein Abitur am Kepler-Gymnasium Freiburg. Seit mehreren Jahren engagiert er sich für die Rechte seiner Mitschüler als Klassensprecher, Schülersprecher und inzwischen auch als Vorstand des Schülerrat Freiburg e.V. In seiner Freizeit beteiligt er sich auch in weiteren Jugendorganisationen, wie der katholischen Leiterrunde im Rieselfeld oder als Sprecher bei Junges Freiburg. Außerdem spielt er gerne Volleyball und Gitarre.

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