Meine Meinung: Wir müssen über Sex und Virtual Reality reden

Manuel Fritsch

Sex in der virtuellen Realität wirft viele ethische Fragen auf. Fudder-Autor Manuel Fritsch findet: Wir müssen eine Haltung zur neuen Technik entwickeln.


Virtual Reality wird in den nächsten Jahren unser Leben maßgeblich verändern und die gesellschaftlichen Debatten beeinflussen. Nicht nur, aber auch in Bezug auf unsere Sexualität werden neue Fragestellungen entstehen und ein öffentlich geführter Diskurs nötig sein. VR ist ein neues Medium und wie bei allen neuen Technologien bringt dieses sehr viele Chancen, aber auch viele Risiken mit sich. Als aufgeklärte Gesellschaft ist es wichtig, dass wir frühzeitig bestimmen und lenken, in welche Richtung sich dieses Medium entwickelt und für welche Zwecke es benutzt wird.

Was passiert, wenn in VR Dinge ausgelebt werden, die in der Realität strafbar sind?

Nicht nur, weil in VR vielleicht auch schon in naher Zukunft sexuelle Wünsche und Fantasien erstellt und ausgelebt werden können, die in der Realität strafbar sind oder gesellschaftlich geächtet werden. Wie werden wir mit virtueller Kinderpornografie oder Sodomie umgehen – auch wenn dadurch keine Lebewesen zu Schaden kommen? Welche Bedeutung messen wir dem Recht am eigenen Bild zu, wenn Firmen virtuellen Sex mit fotorealistischen 3D-Avataren von praktisch allen Menschen als herunterladbare Inhalte anbieten können?

Wie groß ist die Gefahr sozialer Isolation?

Die Erfahrung zeigt, dass diese Dinge realisiert und verfügbar gemacht werden, egal, ob wir uns vorher mit ihnen auseinandersetzen oder nicht. Wenn es technisch möglich ist, wird es auch passieren. Auch Themen wie soziale Abgrenzung und Isolation müssen im Kontext der Zugänglichkeit von VR und VR-Pornografie neu betrachtet werden. Der Diskurs und die Auseinandersetzung mit diesen Themen ist daher im Grunde unabwendbar. Nicht sehr hilfreich ist dabei, dass die Plattformbetreiber von vornherein bei sexuellen Inhalten auf Blockade setzen und sie direkt in den Schwarzmarkt und die Schmuddelecke drängen. Wegschauen hilft nicht, auch virtuelle Realitäten können reale Probleme aufwerfen, die wir vorher noch nicht kannten.