Kommentar

Meine Meinung: Wir müssen die Fridays-for-Future-Jugendlichen ernst nehmen

Anika Maldacker

Viele Erwachsene nehmen die jungen Menschen, die bei den Fridays-for-Future-Streiks Engagement und Sorge zeigen, nicht ernst. Stattdessen werden sie diskreditiert. Was soll das?

Gehirnwäsche, Faulheit, Scheinheiligkeit: Es gibt Erwachsene, die den Fridays-for-Future-Jugendlichen viel Schlechtes unterstellen. Dass sie froh sind, einen Grund zu haben, freitags die Schule zu schwänzen, dass ihre Eltern sie einer Gehirnwäsche unterzogen haben.


Andere Erwachsene sind stolz auf die jungen Streikenden, freuen sich, dass sie Engagement zeigen. Selbst Angela Merkel lobte die Fridays-for-Future-Bewegung kürzlich in ihrem Podcast. Es mutet aber bizarr an, wenn Merkel einerseits die jungen Erwachsenen für ihr Engagement lobt, andererseits aber unter ihrer Regierung der Kohleausstieg erst in rund 20 Jahren geschehen soll – wenn nicht doch noch etwas dazwischen kommt.

Seit Jahren werden Fristen aufgeschoben, Klimaziele aufgeweicht, Versprechungen nicht gehalten. Mit Fridays for Future regen sich die Jungen gerade über die Geschwindigkeit auf, mit der sich die Weltpolitik des Themas annimmt.

Nehmen die Erwachsenen die Jugendlichen ernst? Nehmen sie ihre Angst vor dem Klimawandel für voll? Viele nicht. Stattdessen diskreditieren Erwachsene das Engagement der Aktivisten. Werfen den Jugendlichen vor, bei McDonalds zu essen, Einwegbecher von Starbucks zu nutzen und Handys aus China zu verschleißen.

Um politische Forderung zu haben, muss man nicht unfehlbar sein

Die Anspruchshaltung, dass Streikende selbst ein perfekt klimafreundliches Leben führen müssen, ist grotesk. Um politische Forderungen zu stellen, aufzubegehren, muss man kein unfehlbarer Mensch sein. Abgesehen davon, dass es nahezu unmöglich ist, klimaneutral zu leben: Seien wir ehrlich, jeder von uns weiß, wie kostenintensiv, umständlich und zeitaufwendig es ist, umweltfreundlich zu konsumieren, zu reisen, zu feiern – zu leben. Vieles hat sich gebessert – aber es geht langsam voran mit dem Klimaschutz und es braucht mehr Gesetze. Dass es nun eine Generation gibt, die dagegen aufbegehrt, dass täglich Raubbau am Planeten begangen wird, ist ein gutes Zeugnis für die Menschheit. Ein schlechtes ist allerdings, wenn diese Generation nicht ernstgenommen wird.

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