Instagram-Herzchen

Meine Meinung: Wenn Instagram bald auf Likes verzichtet, mindert das nicht den sozialen Druck

Laura Wolfert

Instagram zeigt bei einigen Nutzern die Zahl der "Likes" nicht mehr an. Ein guter Anfang, damit Menschen aufhören, nach Selbstbestätigung zu suchen, findet fudder-Autorin Laura Wolfert. Aber es reicht nicht.

Viele Instagram-User haben vergangene Woche mit großen Kulleraugen auf ihr Smartphone gestarrt. All ihre Likes, die sie in den Jahren durch Selfies und Avocadotoasts gesammelt hatten, sind weg. Die App, die auf das Bearbeiten und Teilen von Fotos und Videos setzt, hat die Like-Interaktion verändert – seit vergangener Woche testweise auch in Deutschland.


Sozialer Druck, der unter anderem durch Likes entsteht, soll damit gemildert werden. Der Likeknopf verschwindet aber nicht ganz. Es kann weiterhin auf das rote Herzchen gedrückt werden. Doch steht statt einer Zahl neben dem Post nur noch "dir und weiteren Personen gefällt dieser Beitrag". Nur man selbst kann sehen, wie viele Gefällt-mir-Angaben das eigene Foto oder Video ergattern konnte. Die Likes sind unsichtbar, der Stellenwert eines Fotos nicht mehr zu sehen. Ist damit jeder gleich viel wert? Nein – zumindest nicht auf Social Media.

Während normale User für ihr Avocadotoast auf dem Foto zahlen müssen, verdienen andere mit einem Post Tausende Euro. Instagram hat sich in den Jahren als wichtiger Werbemarkt entwickelt. Influencer, die mit ihrem Ansehen und ihrer Reichweite in Form von Werbung Geld verdienen, sehen die Like-Abschaffung daher kritisch. Die erfolgreiche Fitness-Bloggerin Pamela Reif meint in einem Interview, dass sie besorgt sei. Sie rechne damit, dass die Interaktion ihrer Follower deutlich sinken wird.Weniger Interaktion bedeutet eine kleinere Reichweite und für Reif weniger Geld.

Likes dienen zudem der Selbstbestätigung. Doch was für den einen ein Ego-Push ist, kränkt den anderen. Ein Schüler, der als Außenseiter behandelt wird, bekommt seine fehlende Anerkennung weiterhin auf Instagram zu spüren. Er sieht nach wie vor, dass nur acht Leute sein Bild mögen und seine Klassenkameraden mehr Follower haben.

Ein guter Anfang

Und er sieht Fitness-Blogger, die ein scheinbar perfektes Leben führen – während er alleine auf dem Pausenhof hockt. Die unsichtbaren Likes sind ein guter Anfang. Doch um wirklich etwas zu verändern, müssten Likes und auch Followerzahl komplett abgeschafft werden. Nicht nur bei Instagram, sondern auch auf allen anderen Social-Media-Plattformen wie TikTok und Facebook. Ob Menschen dann aufhören, nach Selbstbestätigung zu suchen, ist unwahrscheinlich. Es muss der Gesellschaft, und vor allem jungen Nutzern erklärt werden, wie sie mit Social-Media umzugehen haben – und dass nicht alles Gold ist, was viel geliked wird.

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