Meine Meinung: Warum ich Weihnachtsgeschenke unnötig finde

Sabrina Schweizer

Jedes Jahr das Gleiche: Noch am 23. Dezember durch die Fußgängerzone hetzen, weil man unbedingt noch ein Geschenk für diesen und jenen braucht. Warum fudder-Autorin Sabrina Schweizer das komplett unnötig findet:



Jedes Jahr zu Weihnachten wird die Innenstadt gestürmt. Nicht, um etwa die vermeintlich besinnliche Atmosphäre in der KaJo zu erleben, sondern um zwanghaft zu konsumieren. Geschenke, Geschenke, Geschenke. Nichts ist groß genung, teuer genug, exotisch genug. Wie jedes Jahr melden sich daraufhin Kritiker zu Wort: Umweltverschmutzung durch kurzlebige Einwegartikel, negative Folgen für den eigenen Geldbeutel, die Gefahr, in einen pathologischen Kaufrausch zu verfallen und so weiter und so fort.


Ich verzichte auch auf Weihnachtsgeschenke, aber aus einem ganz anderen Grund. Sie  erfreuen mich einfach nicht so, wie sie es eigentlich tun sollten. Das heißt nicht, dass ich es als schlecht oder sinnlos empfinde, zu schenken oder beschenkt zu werden. Ganz im Gegenteil: Ich freue mich über eine Aufmerksamkeit, eine CD, auf deren Release ich schon seit Monaten warte. Ich würde auch lügen, wenn ich behauptete, dass ich nicht gerne shoppen ginge, nicht gerne konsumieren würde. Was mich betrifft, hat der Massenkonsum-Hype-Raop-Boy Cro recht: "Doch sie weiß nicht, ob sie diesen Rock wirklich braucht. Ist nicht zufrieden, aber trotzdem gekauft."

Beim Verschenken und Beschenktwerden geht es für mich um mehr als das bloße Produkt. Um Wertschätzung zum Beispiel, Kleinigkeiten, nette Gesten, gemeinsame Zeit. Ist das nicht der eigentliche Sinn des Ganzen? Zu wissen, wie man jemandem eine Freude machen kann? Wenn man von Herzen schenkt, kann's doch nur gut sein. Alles andere ist Zwang aus falscher Loyalität.

Es kommt vor, dass liebe Menschen mich beschenken, aber ich schon beim Auspacken innerlich unruhig werde. Verdammt! Die Pflicht ruft! Dass das Geschenk süß ist und mir gefällt, wird dann zur Last. Ich bekomme das Gefühl, etwas zurückschenken und dabei den materiellen Wert übertreffen zu müssen. Und tue das dann auch - aus Höflichkeit.

Aber muss man deshalb verzweifelt Woche um Woche vor Weihnachten Geschenke suchen? Nur um dann am Ende doch nichts Passendes zu finden? Manchmal stoße ich im Juli irgendwo auf irgendwas und denke mir: eine gelbe Tasche, die wäre perfekt für Silja, ein Ohrring aus Buntstiften für Julia, Besteck für meien Mutter. Aber wir haben halt erst Juli, und bis Weihnachten ist es noch lange hin.

Warum muss sich das Beschenken auf diesen einen Tag im Jahr konzentrieren? Aus welchem Grund wird denn überhaupt beschert? Aus der Freude des Schenkens oder aus Pflichtgefühl dem 24. Dezember gegenüber.

Klar, ich bin auch ein Konsumkind. Ich hätte auch gerne den "Kiss Kiss Or & Diamonds"-Lippenstift von Guerlain. Unbezahlbar und völlig unnötig. Ich hätte alles Schöne gerne - aber bitte nicht aus Pflichtbewusstsein. Ich will im April, im August, im September beschenkt werden. Dann, wenn ich nicht daran denke. Dann wenn meine Freunde mich grade besonders lieb haben. Oder meine Verwandten.

Ich will Dinge, die ich nicht kenne. Dinge, mit denen ich nie gerechnet hätte. Schenken aus Freude an der Freude. Dann, wenn ich es nicht erwarte.



Zur Person


Sabrina Schweizer
, 19, hat dieses Jahr Abitur an der St. Ursula Schule in Freiburg gemacht. Schwerpunkt: Psychologie und Pädagogik. Sabrina interessiert sich für Musik, Medien, Mode und Popkultur. Seit November ist sie Praktikantin bei fudder.

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[Bild 1: © Ariwasabi - Fotolia.com / Bearbeitung: fudder.de; Bild 2: Privat]