Meine Meinung: Warum ich mir eine WhatsApp-Alternative suche

Dominik Schmidt

Vergangene Woche wurde der Deal bekannt gegeben: Facebook hat den Kurznachrichtendienst WhatsApp für 19 Milliarden Dollar gekauft. Am gleichen Tag boomten die "Ich bin jetzt bei Threema"-Posts auf Facebook. fudder-Autor Dominik Schmidt begründet seinen WhatsApp-Ausstieg: "Ich suche mir eine App ohne Gewissensbisse."



Ich liege bereits im Bett, als ich vom 19 Milliarden Dollar-Deal erfahre. WhatsApp hat einen prominenten Platz auf meinem Smartphone, ich rufe den Messenger dutzende Male am Tag auf. Eine innige Beziehung, die mich nur 99 Cent gekostet hat. Ein lächerlicher Preis, bei dem man sich als Kunde nicht zu wichtig nehmen sollte. Meine Nutzerdaten werden im fernen Silicon Valley wie im Quartett hin- und hergeschoben. Ich bin die Ware und fühle mich wie ein kleiner Wurm. Das Einschlafen fällt mir schwer.


Am nächsten Morgen bimmelt mein Handy – WhatsApp. Ich merke, dass die Beziehung zu der kleinen App belastet ist, mein Gewissen drückt. Dabei ist die Übernahme durch Facebook nicht schlecht für uns Nutzer. Facebook ist ein großes Unternehmen, es ist dem europäischen Datenschutz verpflichtet und wird von den Medien auf Schritt und Tritt argwöhnisch beäugt.

WhatsApp hingegen, mit seinen 50 Mitarbeitern und fast einer halben Milliarde Nutzern, war ein Himmelfahrtskommando. Ein kleines Unternehmen, das sowohl mit Öffentlichkeitsarbeit als auch mit den Sicherheitsaspekten seiner Software überfordert war. Nicht einmal den Firmennamen auf dem Klingelschild soll es gehabt haben. Und es wächst so rasant, dass in Kürze wohl jeder zehnte Erdbewohner den Dienst nutzen wird.

Mir kommt Albert Einstein in den Sinn. Er soll einmal über die Entstehung Schwarzer Löcher gesagt haben, dass Gott durch Null dividiert hat und die Gesetze der Physik außer Kraft setzte. 19 Milliarden Dollar – hier sind es die Regeln der Ökonomie, die durch das Erdbeben namens Digitalisierung einfach ignoriert werden. Die Spieler, quasi die Meister des Nutzerdaten-Quartetts, sind kalifornische Jungunternehmer. Bei mit Schokolade übergossenen Erdbeeren sollen Marc Zuckerberg und der WhatsApp-Mitgründer Jan Koum den Deal beschlossen haben. Bei Erdbeeren wurde ich für 42 Dollar verkauft! Ein armer Wurm.

Am Tag nach der großen Nachricht machte ich mich auf die Suche nach Alternativen. Eine App, bei der ich keine Gewissensbisse bekomme. Denn, auch wenn Facebook mittlerweile ein erwachsener Player auf dem Spielplatz Silicon Valley ist, es ist ein zu Mächtiger. Beim Datenschutz geht es auch darum, Informationen aufzuteilen. Ganz wie in Demokratien mit Macht verfahren wird. Und Daten sind mittlerweile große Macht. Nicht einer soll alles haben. Und auch ein armer Wurm kann ein bisschen rebellieren, um ruhig schlafen zu können.



 

Der Autor

Dominik Schmidt, 28, studiert Politik in Bonn und arbeitet als freier Journalist.

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