Meine Meinung: Warum ich Facebook und Instagram gelöscht habe

Antonio Jung

Das Leben mit der Welt teilen und Feedback bekommen: Instagram und Facebook haben irgendwann das Leben von fudder-Mitarbeiter Antonio Jung bestimmt. Deshalb hat er beide Apps von seinem Handy gelöscht.

Morgens im Bett die Instagram Stories der letzten Nacht von den anderen Instagrammern anschauen. Mein gesundes Frühstück mit Obstsalat, Naturjoghurt und Chiasamen in meine Story posten. Healthy Lifestyle halt. Während des Zähneputzens noch schnell das lustige Video, bei dem mich mein Kumpel in Facebook markiert hat, anschauen. So sah ein typischer Morgen noch bis vor Kurzem bei mir aus.


Mit weniger Stress und Unterbrechungen leben

Doch irgendwann stresste es mich: Essen und gleichzeitig noch auf Instagram oder Facebook meine Startseite durchswipen. Es war wie eine Sucht: Ich hatte ständig das Verlangen, nach meinem Handy zu greifen und die neuesten Bilder und Stories meiner Freunde und die irgendwelcher prominenter Leute anzuschauen. Danach fühlte ich mich unausgeglichen und genervt. Diese Sucht führte irgendwann dazu, dass ich anfangs während einer Reise in Südamerika nur noch Bilder schoss, um sie später eventuell hochzuladen – und gar nichts mehr von der Landschaft um mich herum mitbekam. Ich beschloss, die Apps Facebook und Instagram von meinem Handy zu löschen.

Seit der Deinstallation der Apps lebe ich stressfreier. Ich frühstücke genussvoll, schlürfe meinen Tee entspannt und lese nebenher Zeitung. Abends finde ich endlich Zeit für ein spannendes Buch anstatt mein Gehirn noch unnötig mit der Informationsflut von sozialen Netzwerken zu belasten. Dies wirkt sich auch auf meinen Schlaf aus, der ruhiger ist, wenn ich mein Handy mindestens eine halbe Stunde vor dem Einschlafen nicht benutze.

Vor allem aber habe ich gelernt, eine Sache nach der anderen zu machen. Ich lerne effizienter, putze mein Zimmer schneller und erledige mehr Dinge im Alltag, weil ich nicht ständig von der Social-Media-Welt abgelenkt und unterbrochen werde.

Lernen, den Moment zu genießen

Ich kann das Bedüfrnis nachvollziehen, dass man wunderschöne Strände, Städte oder Landschaften fotografieren und sie mit seinen Freunden teilen will. Aber ich habe gemerkt, dass ich das nicht brauche. Was bringt es mir, wenn ich die Aussicht auf eine einzigartige Berglandschaft mit einer wunderschönen Lagune nicht genieße, sondern nur damit beschäftigt bin, das perfekte Bild für meine sozialen Netzwerkaccount zu schießen? Und das nur deshalb, damit ich auf Instagram prahlen kann, was ich Cooles erlebt habe, damit ich "Likes" und "Ansehen" bekomme?

Vielmehr habe ich, seitdem ich Facebook und Instagram deinstalliert habe, gelernt, diesen leider vergänglichen Moment des Glücks intensiv zu genießen und wertzuschätzen. Darum poste ich auch nicht von jedem Gericht, das ich zu mir nehme, ein Instagram- oder Facebookfoto, sondern habe bereits genussvoll den ersten Bissen gekostet, während meine Freunde immer noch damit beschäftigt sind, das perfekte Bild zu schießen.

Die Mogelausnahme

Ich will es gar nicht abstreiten: Soziale Netzwerke haben auch ihre Vorteile. Sei es, weil man über Veranstaltungen in der Nähe informiert wird oder mit Freunden in Kontakt bleibt. Deshalb mogel ich mich ab und an nur im äußersten Notfall über den Browser ins soziale Netzwerk, logge mich dann aber nach kurzer Zeit wieder aus.

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