Bürgerentscheid

Meine Meinung: Warum ich am Sonntag mit Ja stimme

Nick Sartorio

Am 24. Februar stimmen die Freiburgerinnen und Freiburger über den neuen Stadtteil Dietenbach ab. Nick Sartorio, 19, ist Mitglied des Jugendverbands Rebell und sagt: "Glaubt die Lügen der Spekulanten nicht!"

Wenn man im Moment durch Freiburg geht und sich die Argumente für eine Bebauung von Dietenbach anhört, so bekommt man ein merkwürdiges Gefühl. Da wird einem ja fast das Paradies auf Erden versprochen! Ein Stadtteil, der alle Probleme, die es in Freiburg gibt, auf einen Schlag löst. Spätestens jedoch bei dem Burgfrieden von Linker Liste über die FDP bis zur Sparkasse, so kurz vor den Wahlen, ist eine gewisse Skepsis in solche Versprechen wohl angebracht.


Zum Thema Umweltschutz muss man als erstes sagen, dass es hier um mehr als "ein paar Maisfelder" geht. Und wie man das Hochwasserschutzgebiet Dietenbach klimaneutral um bis zu drei Meter aufschütten und einen Staudamm anlegen will, bleibt leider ein Geheimnis. Auch muss man die Frage stellen, wie viele Ausnahmen Umweltschutz
verträgt. Denn Flächenfraß ist ein bundesweites Problem und die Ausnahmen sind hier leider die Regel. Ebenso schwammig bleibt das vollmundige Versprechen einer Quote von 50 Prozent sozial gefördertem Wohnraum.

Denn dieses ist zwar vom Stadtrat beschlossen, seine Finanzierung ist jedoch noch nicht geregelt, und dass der Wohnungsmarkt und die Sparkasse hier auch noch ein Wort mitzureden haben, ist wohl auch klar. Dazu kommt, dass der Mietspiegel unabhängig vom sozial geförderten Wohnraum steigt.

Vor allem eins dürfen wir jedoch nicht vergessen: Erschließung und Bebauung von Dietenbach werden wohl einen ganzen Berg an Geld kosten – und das bezahlen dann direkt oder indirekt die breiten Massen. Und auf der anderen Seite werden sich sicher einige wenige auch eine goldene Nase verdienen. Ich fordere daher: Die Reichen sollen zahlen. Wohnungsbau auf Kosten der Spekulanten und Miethaie statt auf Kosten von breiter Masse und Natur.
Denn sie wissen, was sie wollen: Junge Freiburger über Dietenbach

Dass Dietenbach nicht alternativlos ist, wurde bereits oft genug aufgezeigt, ebenso, dass es den akuten Bedarf an bezahlbarem Wohnraum nicht deckt, werden doch dort die ersten Wohnungen erst 2026 fertig und auch dann nur wenige Hundert jährlich. Was am Ende also bleibt, ist ein milliardenschweres Spekulationsobjekt, das kein einziges
der aktuellen Probleme löst, sondern im Gegenteil nur eine weitere Umverteilung von unten nach oben darstellt.

Abschließend möchte ich sagen, dass es uns langfristig darum gehen muss, eine Gesellschaft zu schaffen, in der man nicht zwischen den Interessen von Mensch und Natur abwägen muss, sondern in der Wohnen ein Menschenrecht ist und in der Mensch und Natur eine untrennbare Einheit bilden. Und eine solche, eine sozialistische Gesellschaft erreichen wir nicht durch das Hoffen auf die Versprechen derer, die die Probleme, um die es geht, mitverursachen. Eine solche befreite Gesellschaft kann nur im Kampf der breiten Massen errungen werden.
Nick Sartorio, 19, ist Mitglied des Jugendverbands "Rebell".

Eine Sonderausgabe des Amtsblatts informiert über die Positionen der im Gemeinderat vertretenen Parteien zum neuen Stadtteil Dietenbach. Dabei kommen die Positionen des Gemeinderats, der Verwaltung und der Initiatoren des Bürgerentscheids gleichberechtigt zu Wort.

Download: Amtsblatt Sonderausgabe: Bürgerentscheid Dietenbach

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