Meine Meinung: Warum die Rückkehr der Stadt zu Microsoft ein Fehler ist

Konstantin Görlich

Die Stadt Freiburg wechselt von OpenOffice zurück zu Microsoft Office, so hat es der Gemeinderat am Dienstag mit knapper einfacher Mehrheit auf Antrag der Stadtverwaltung beschlossen. Das ist ein Rückschritt, findet fudder-Autor Konstantin Görlich:

Wie wurde es gefeiert, damals im Jahre 2007, als Freiburg dem Bluescreenmonopolisten Microsoft öffentlichkeitswirksam den Rücken kehrte um fortan mit OpenOffice unter der Flagge der Softwarefreiheit zu segeln. Es herrschte soetwas wie Aufbruchsstimmung, Freiburg hätte eine Vorreiterrolle spielen können – wenn es nicht damals schon Nachzügler gewesen wäre.


Und jetzt das! Wie begossene Pudel kriechen sie den Erben von Bill Gates zu Fensterkreuze, wechseln zurück zu Microsoft Office, jener janusköpfigen Bürosoftwarehydra, unter anderem bestehend aus Word, Excel und Powerpoint, den drei Reitern der Formatierungsapokalypse. Damit betritt die Stadt allerdings tatsächlich Neuland. Nicht etwa, weil der Rückschritt Steuergelder in mindestens sechsstelliger Höhe für Lizenzen und Schulungen verbrennt, nein, sondern weil man noch von niemandem gehört hat, der absichtlich zurück zu Microsoft gewechselt hätte. Vielleicht hat es aber auch nur niemand zugegeben.

Ich könnte mich über jeden einzelnen Punkt der möglichen Gegenargumente fürchterlich aufregen. Die Kosten: unüberschaubar hoch und im Vergleich zum kostenlosen OpenOffice nicht zu rechtfertigen. Das politische Zeichen: ein Fanal gegen freie Software, und das ausgerechnet in einer öffentlichen, um nicht zu sagen auf Transparenz bedachten Verwaltung. Die Abhängigkeit von einem Großkonzern: Was kommt als nächstes? RWE-Kohlestrom für das Vauban?!

Es ist noch viel schlimmer: Der Wechsel wird kein einziges Problem, was vielleicht mit OpenOffice bestand, lösen, sondern unendlich viele neue Ärgernisse schaffen. Die Begründungen hören sich so an, als hätten die VerwaltungsmitarbeiterInnen Schwierigkeiten, oder vielleicht eher Flexibilitätsengpässe, beim Einstieg in OpenOffice gehabt. Warum sollte das beim Neueinstieg in die neuesten Officeprogramme aus dem Hause Microsoft anders sein? Liebe Verwaltung, glaube mir, jetzt wird alles noch viel viel schlimmer!

Ich kann das sagen, weil ich schon vor längerer Zeit aus beidem ausgestiegen bin, zuerst aus Windows, dann aus Microsoft Office und wenig später aus OpenOffice. Zwar fühlte ich mich in letzterem sofort zu Hause, aber das ist wahrscheinlich genau das Problem: Microsoft Office als freie Software nachzubauen mag zwar politisch sehr viel Sinn ergeben, für den Nutzer ergibt es jedoch eine Wahl zwischen Pest und Cholera.

Offen gestanden ist es mir völlig egal, womit jemand Dokumente erstellt, Kalkulationen programmiert oder Präsentationen dahinstammelt, solange durch die Wahl der Software nicht da noch zusätzliche Kompatibilitätshürden aufgebaut werden wo mehr Transparenz wünschenswert ist. Und solange es sich bei der Entscheidung nicht um ein öffentliches Statement eines politischen Organs handelt.

Diesen Artikel schreibe ich übrigens mit Pages aus dem Hause Apple, bekanntlich auch nicht gerade ein Hort der Softwarefreiheit, aber dafür stabil und funktional. Privat bin ich bereit, diesen Kuhhandel einzugehen, solange er nicht nach innen oder außen Einschränkungen mit sich bringt. Wenn sich aber ein Gemeinderat freiwillig und ohne Not dazu entschließt, dann ist das ein politisches Zeichen, das ich nicht akzeptieren kann.


Konstantin Görlich
ist nicht nur fudder-Autor, sondern – falls das nicht deutlich genug im Text zu erkennen ist – auch Pirat. Seine Meinung hätte uns aber auch interessiert, wenn dem nicht so wäre.

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    [Foto: Dominic Rock]