Meine Meinung: Warum die Baulücke in der KaJo frei bleiben soll

Julian Schwizler

Seit August klafft in der KaJo eine Lücke. Da, wo vorher die unscheinbare Sparkassen-Passage war, ist nun der Blick frei auf die Rückseite von St. Martin. Die Sparkasse will auf dem Platz einen Neubau errichten - doch immer mehr Bürger wollen, dass die Lücke bleibt. Dr. med. Kilian Wolters, 66 Jahre, ist einer von ihnen. Er engagiert sich in einer Bürgerintiative für den Erhalt der "Augenweide".



"Ich habe von meiner Praxis aus einen Blick hinunter auf die 'Augenweide', wie ich den Platz an der Kaiser-Joseph-Straße nenne.


Alle bleiben stehen und staunen, und den ganzen Sommer über wurde die Baustelle fotografiert und gefilmt. Wenn man Passanten nach ihrer Meinung fragt, sagen alle: „Oh, das muss so bleiben!“. Und wenn man sie fragt, ob sie wissen, was da für ein Gebäude hinkommen soll, weiß es niemand. Wenn das bekannt gewesen wäre, hätte es sicher Proteste dagegen gegeben.

Es gibt eigentlich keinen der dagegen ist, wenn er erfährt, um was es überhaupt geht und wie das neue Gebäude aussehen soll. Sobald sie die Skizzen für den Neubau sehen gibt es Proteste 'Oh je, nicht schon wieder ein 0815-Bau, der genau so auch in Gelsenkirchen-Buer oder Duisburg-Hamborn stehen könnte!' Wenn man mal das neugeplante Gebäude sieht, dann gibt es überhaupt keine Argumente mehr dafür. Und nicht nur Freiburger unterstützen unser Anliegen: auch Touristen, die keine Verbundenheit mit der Stadt haben, sehen sofort ein, dass die Lücke bleiben muss.

Unsere Bürgerinitiative ist zwar noch klein - bisher engagieren sich 20 Leute - die Resonanz ist aber überwältigend. An zwei Samstagen haben wir einen Infostand in der Stadt gehabt, und die Leute standen Schlange, um sich in unsere Unterschriftenlisten eintragen zu können. Wir haben schon jetzt über 1000 Unterschriften, dass ist eine immens guten Leistung. Mit jeder Unterschrift wird es wahrscheinlicher, dass das Thema endlich auf die Diskussionsebene gehoben wird, bisher wurde es gar nicht ins Auge gefasst.

Natürlich wissen wir, dass es rechtliche Hürden gibt und dass die Bank uns eigentlich regiert .- das ist ja nicht nur in Freiburg so. Die Sparkasse ist jedoch eine Gemeindesparkasse, und der neugewonnenen Schatz, dieser schöne Platz, die größte Wertanlage die es gibt.

Außerdem sollte bedacht werden, wie das Grundstück an die öffentliche Sparkasse gelangt ist: Das ist das Grundstück des jüdischen Freiburger Kaufmanns Sally Knopf, dessen Sohn Arthur es nach der Folter in Dachau weggenommen wurde. Das sollte nochmal zu denken geben. Das ist Blutboden, und die paar Euros, die bezahlt wurden, sind keine Sühne und kein Ausgleich.  



Horst Kary (Anmerkung der Redaktion: Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Freiburg Nördlicher Breisgau) hat gesagt, dass er über den Blick begeistert sei. Wenn dem so ist, dann sollte er auch dementsprechend reagieren, das wäre der größtmögliche Imagegewinn für die Sparkasse. Aber soweit denken die gar nicht.

Ich bin dafür, den Freiraum, die Augenweide, so zu belassen und einen Architekturwettbewerb auszuschreiben. Konkret bauen könnte man einen Platz, eine Tiefgarage oder unten drunter Geschäftszeilen. Das ist ja alles möglich heutzutage. Man kann dann ja diskutieren, ob ein Brunnen drauf soll, ob Bäume gepflanzt werden oder ob da Kinderspielplätze hinkommen. Es muss ja nicht gleich wieder ein Marktplatz sein, wo verkauft wird oder ein Café steht, es gibt noch viele andere Lösungen. Da kann man sich einiges einfallen lassen, es gibt ja viele Vorschläge.

Was hier in Freiburg entgegen der Wünsche der Bevölkerung zusammengebaut wird, ist grausig, schrecklich und zum Weinen. Unmut über den OB macht sich überall breit. Da kommt jetzt viel Ärger und Kritik hoch, die sich jetzt irgendwo Luft verschaffen muß. Angefangen von der Pferdewiese in Herdern bis zum Platz der alten Synagoge: Freiburg wird kaputt gebaut. Unsere Bürgerinitiative steht jedoch ganz speziell nur für die Augenweide. Wir wollen unsere Kräfte bündeln, denn es hat einfach keinen Sinn mit allen auf einmal zu kämpfen. Schön ist, dass jetzt eine Baupause eingelegt wurde, dafür sind wir sehr dankbar. Die werden wir nutzen!"

Zur Person


Dr. med. Kilian Wolters
ist 66 Jahre alt und Gründer der Bürgerinitative "Augenweide". Er ist praktizierender Psychotherapeut, Psychiater und Kinderarzt, und hat eine Praxis mit Blick auf die Baulücke.  

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  [Fotos: Privat]