Meine Meinung: Warum der EHC Freiburg aufsteigen wird

Daniel Laufer

Heute Abend spielt der EHC Freiburg in der Franz-Siegel-Halle gegen die Selber Wölfe. Wenn sie gewinnen, könnten sie in die zweite Eishockeyliga aufsteigen - aber nur, wenn im Parallel-Match die Frankfurter Löwen auch gegen Kaufbeuren gewinnen. Warum fudder-Autor Daniel Laufer fest davon überzeugt ist, dass das alles passieren wird:



Es kommt auf das letzte Spiel an – oder, genau genommen: auf die letzten beiden Spiele. Heute Abend trifft der EHC Freiburg in der Franz-Siegel-Halle zum Saisonfinale auf die Selber Wölfe. Zeitgleich spielt der Konkurrent Kaufbeuren daheim gegen die Löwen Frankfurt. Freiburg muss gewinnen, Kaufbeuren verlieren, am besten in der regulären Spielzeit. Alles andere bedeutet eine Menge Mathematik, und die wünscht sich niemand. Im notfalls entscheidenden Torverhältnis hat der EHC fünf Treffer Rückstand auf die Allgäuer.


Auf der einen Seite möchte ich zwar niemandem einen spannenden Eishockeyabend versauen, kann eines aber trotzdem nicht für mich behalten:

Der EHC Freiburg wird heute Abend in die DEL 2 aufsteigen. Hauptsächlich, weil ich das so will. Es gibt aber noch andere gute Argumente.

Das Versagen der Selber Wölfe

Das beste Argument für einen Freiburger Sieg ist das Versagen der Selber Wölfe.

Dabei war Selb noch in der Hauptrunde der Oberliga Süd das mit Abstand beste Team, mit am Ende 18 Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten. Auch durch die Play-offs haben sich die Oberfranken getanzt wie Jewgeni Pljuschtschenko und alle sieben Spiele gewonnen. Brilliant, oder?

Das muss sich auch der Süd-Meister gedacht haben, als er mit geschwellter Brust in die Aufstiegsrunde startete. Nur ließen sich Selb dann von jedem anderen Team über den Haufen schießen – unter anderem von Freiburg (mit 5:1). Jetzt ist von den falschen Wölfen nur noch das Gerippe übrig – die Bilanz: neun Spiele, null Punkte, null Wille.

Mit 14 Toren haben sie gerade einmal halb so viele auf dem Konto wie der EHC. Leistungsträger wie die beiden ausländischen Stürmer Kyle Piwowarczyk und Jared Mudryk (immerhin die beiden Topscorer der Oberliga Süd) sind zu Statisten verkommen (vielleicht, weil sie Ostern lieber daheim in Kanada verbracht hätten, jetzt wo der Winter dort zu Ende ist – statt mit 20 anderen Vollbärtigen noch immer im Bus durch Deutschland zu tuckern).

Wie zum Teufel konnte das passieren?

Dabei haben die Verantwortlichen in Selb alles richtig gemacht und fragen sich jetzt zu recht: Wie zum Teufel konnte das passieren?

Vielleicht, weil die Selber Wölfe eine einzige Erfahrung in dieser Saison nie gemacht hatten: Es lief nie schlecht für sie. Als das Team dann in der Aufstiegsrunde doch noch ins Schleudern kam, konnte es nicht damit umgehen und stürzte hoffnungslos ab. Am Samstag haben sich die Selber Wölfe von den eigenen Fans im letzten Heimspiel verabschiedet – nicht einmal das konnten sie gewinnen. Jetzt werden sie auswärts in Freiburg auch nicht mehr damit anfangen.

Außerdem kann man vom EuroAirport mit einem Zwischenstopp nach Vancouver fliegen.

Der homogenste EHC seit Jahren

Der EHC Freiburg hat dagegen die nötige Erfahrung gesammelt: Nach dem grandiosen Saisonstart hatten die echten Wölfe während der Hauptrunde auch schwächere Phasen – zum Glück. Am Ende konnten sie ihren zweiten Tabellenplatz gerade noch so über die Ziellinie retten.

Auch in den Play-offs wehrten sich die Gegner Füssen und Bad Tölz mit Händen und Füßen. In die Aufstiegsrunde hat es Freiburg trotzdem geschafft. Warum? Weil die Mannschaft durch empfindliche Niederlagen immer wieder daran erinnert wurde, auf dem Boden zu bleiben – und dann einen nicht zu bändigenden Willen gezeigt hat – immer dann, wenn es darauf ankam.

Dazu braucht der EHC keine Einzelspieler, um erfolgreich zu sein. Tore und Scorerpunkte scheinen feinsäuberlich auf das Team verteilt. Hat sich Steven Billich den Arm gebrochen, schießt Freiburg trotzdem noch die Tore, fällt David Danner aus, wirft sich Philip Rießle eben vor ein bis zwei Schüsse mehr. Das aktuelle Team des EHC ist das homogenste seit Jahren. Es kennt den Druck, hat gelernt, mit ihm klar zu kommen – und wird deshalb natürlich auch im letzten Spiel gewinnen.

Kaufbeurens Pechvogel

Anders als der ESV Kaufbeuren. Die Allgäuer hatten den Klassenerhalt in den Zweitliga-Play-Downs eigentlich schon sicher und Heilbronn mit 3:0 Siegen an die Wand gespielt, nur einer fehlte noch. Allerdings warten die „Buron Joker“ auf diesen vierten Sieg noch heute. Jetzt sind sie wieder in der gleichen Situation: Ein Sieg muss her und das Ding ist durch. Aber es wird diesen einen Sieg wieder nicht geben.

Das liegt auch am Trainer: Uli Egen hat nicht nur Talent im Trinkflaschen-Weitwurf (wie neulich in der Franz-Siegel-Halle bewiesen), sondern auch als Pechvogel. Vor einem Jahr wollte er mit den Kassel Huskies in die DEL 2 aufsteigen. Als es darauf ankam, verlor seine Mannschaft aber das entscheidenden Play-off-Finalspiel in der Verlängerung. Kassel verpasste damals den Aufstieg, Egen wurde gefeuert und darf jetzt mit Kaufbeuren den Zweitligaklassenerhalt verpassen. Grüße an den Neuling der Bayern-Oberliga. Grund zur Freude habt ihr trotzdem: Ab jetzt ist wieder jede Woche Derby!

Die Frankfurter Ehre

Bleibt die eine Unbekannte: Was macht Frankfurt? Davor scheinen Freiburg Fans die meiste Angst zu haben. Ich nicht. Unabhängig davon, dass die Hessen Kaufbeuren schon im Hinspiel mit 5:2 abserviert haben.

Die Löwen haben den Aufstieg in der Tasche und sind zum Heimspiel gegen Crimmitschau am Samstag nur noch angetreten, um ihn auch gebührend zu feiern. Aber dann geschah das Unvorstellbare: Trotz einer 3:0-Führung nach dem ersten Drittel verlor Frankfurt noch mit 3:6. Ich weiß nicht, was Eishockey-Spieler in ihre Trinkflaschen füllen – ob Wasser oder isotonische Zaubermittel. Man kann aber spekulieren, dass es bei den Frankfurtern nach dem ersten Drittel weder noch war. Vorkommen wird das unter Garantie nicht wieder.

Durch diese Schlamperei haben die Löwen ihren sicher geglaubten ersten Tabellenplatz aufs Spiel gesetzt. Er könnte ausgerechnet an den Erzrivalen Kassel gehen. In Frankfurt wird man das nicht hinnehmen wollen – nicht bei einem Team, das zwischenzeitlich 49 Siege in Folge eingefahren hatte. Es geht nicht mehr um die Punkte, sondern um die Ehre.

Deshalb wird der Mannschaftsbus nach Kaufbeuren wieder ein vorbildliches Projekt zur Alkohol-Prävention werden – und statt Promille drei Punkte mitbringen.

Es kann also keine Zweifel geben. Am Ostermontag wird der EHC Freiburg wiederauferstehen. Und drei Jahre nach der Wölfe-Insolvenz die Rückkehr in die zweite Liga besiegeln. Ich glaube das. Weil ich will.

Mehr dazu:

Übrigens: Egal, wie das Spiel heute Abend ausgeht - die Jungs vom EHC Freiburg feiern ab 22:30 Uhr im Schneerot ihre Super-Saison. Der Eintritt kostet 4 Euro - dafür gibt's von Rothaus ein Bier gratis solange der Vorrat reicht.