Meine Meinung: Warum der Anti-Feminismus der AfD-Jugend ein Mega-Fail ist

Hengameh Yaghoobifarah

"Ich bin kein Feminist, weil eine Mutter genau so wertvoll ist, wie eine Vorstandschefin". "Ich bin keine Feministin, weil ich als Frau auch selbst in der Lage bin, über mich zu bestimmen." Stolz lassen sich junge Mitglieder der Alternative für Deutschland (AfD) mit diesen und ähnlichen anti-feministischen Sätzen in den Händen fotografieren. fudder-Autorin Hengameh Yaghoobifarah findet die Facebook-Aktion entlarvend: Die jungen Afd-ler haben einfach keine Ahnung vom Feminismus.



Es gibt viele Gründe, bedingungslose Aversion gegen die Alternative für Deutschland zu hegen. Das jüngste Beispiel kommt von ihrer Jugendorganisation und ist auf jeder nur möglichen Ebene ein ultimatives Versagen. Zumindest bestätigt der AfD-Nachwuchs jeden an der Partei bisher geäußerten Kritikpunkt.


„Die Jugendorganisation der SPD hat eine Aktion gestartet, bei der sie Sprüche in der Hand hielten wie etwa: ‚Ich bin Feminist, denn wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden’. Da wir uns ‚Vernunft statt Ideologie’ auf die Fahnen geschrieben haben, konnten wir dies nicht so im Raum stehen lassen. Deshalb zeigt die Junge Alternative Gesicht gegen verstaubte linke Ideologien!“

Mit diesen Worten wird ihre anti-feministische Gegenkampagne angekündigt. Auf Facebook sammelt die Parteijugend Fotos, auf denen - bisher ausschließlich weiße - Jugendliche mit ihren auf DIN-A4-Blättern gekritzelten Thesen vor der Kamera posieren.

„Wir sind keine Feministen, weil wir nicht gleich gemacht werden müssen, um gleichberechtigt zu sein!“steht auf dem karierten Ringbuch, das von einem Jungen und einem Mädchen in die Kamera gehalten wird. Er steht im Vordergrund und macht ein Gesicht, als hätte er seit fünf Tagen keinen Stuhlgang gehabt (vielleicht ist es auch nur ein gescheiterter Versuch, möglichst ablehnend auszusehen), ihr Blick lässt vermuten, dass in just diesem Moment irgendwo neun Katzenbabys stürben. Auf dem Zettel könnte auch stehen „Vom Gefühl her ist das Feeling emotional.“, der Gehalt an Logik wäre derselbe.

Dabei sind die beiden nicht einmal das schlimmste Beispiel, die Teilnehmenden überbieten sich ständig gegenseitig. Eine weitere AfD-lerin hält fest: „Ich bin keine Feministin, weil ich auch ohne Gender Eier in der Hose habe!“ Hä? Selbst, wenn dieser Satz Sinn ergäbe, würde er die Notwendigkeit des Feminismus eher bestärken.

„Ich bin keine Feministin, weil mein Mann mein Fels in der Brandung ist und nicht mein Klassenfeind!“, meint eine junge Frau mit süffisantem Blick. Geschlecht, Klasse, Ethnizität, ist doch alles dasselbe! Schon in den 70ern wussten Frauen, den Klassenfeind „Mann“ zu überwinden. Klassiker! Ihr Kollege toppt auch dies: „Ich stehe auf Frauen, die den Feminismus ablehnen, weil ich wahre Weiblichkeit wunderschön finde!!!“ Dieser Herr hat bestimmt ein Rhetorikseminar besucht, denn er weiß zu betonen, dass er bloß nicht schwul ist, dass „Feminismus“ nur im selben Atemzug wie „Ablehnung“ genannt werden darf und dass Alliterationen immer gut ankommen. Was sich hinter diesen ominösen wahren Weiblichkeit verbirgt – außer Sexismus und Transphobie -, wird mich noch den ganzen Nachmittag beschäftigen.

Das vermittelte Verständnis von Feminismus ist schlichtweg falsch. In der feministischen Praxis steht Selbstbestimmung an erster Stelle. Jede Frau* entscheidet selbst, welche Rolle die von der AfD angesprochenen Aspekte Familie, Karriere, Haushalt und Femininität  in ihrem Leben spielt. Mutterschaft und Feminismus schließen sich genauso wenig aus wie Erdnussbutter und Marmelade.

Die Aktion zeigt vielmehr, wie notwendig es ist, traditionelle Geschlechterrollen zu dekonstruieren und Menschen im jungen Alter feministisch aufzuklären. Dann käme auch niemand auf die Idee, den Gedanken von sozialer, politischer und ökonomischer Gleichstellung als Ideologie zu bezeichnen. Immerhin behaupten sie von sich nicht, sich „Logik“ oder „gesunder Menschenverstand“ auf die Fahnen geschrieben zu haben. Dann wären sie nämlich nicht nur scheiße, sondern auch noch verlogen.

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[Bild: Screenshot]