Meine Meinung: Warum das Fairphone die Welt verändern könnte

Nicolas Rogoll

In den meisten Handys stecken Rohstoffe, die unter zweifelhaften Bedingungen gewonnen werden. Der Freiburger Student Nicolas Rogoll hatte darauf keine Lust mehr und machte sich auf die Suche nach einem "fairen" Smartphone. Mit dem Fairphone scheint er es jetzt gefunden zu haben. Warum es die Welt verändern könnte:



Der Altrhein kann auch tückisch sein: Zusammen mit meinem HTC versank bei Rheinhausen letzten Sommer auch die Hoffnung, jemals wieder ein Smartphone zu besitzen. Schließlich musste ich in den Monaten nach dem Kauf immer wieder darauf stoßen, unter welchen Bedingungen Handys hergestellt werden. Wer glaubt, dass iPhones in Kalifornien von einem Haufen Hippies zusammengeschraubt werden oder sich – noch schlimmer – überhaupt keine Gedanken über die Herkunft seines geliebten Smartphones macht, möchte es sicher nicht anders wahrhaben.


Jetzt aber wollte ich Gewissheit: Kann ich ein Smartphone kaufen, bei dem ich meine Vorstellung von Moral und Menschlichkeit nicht verbiegen muss? Die Antwort vorweg: Nein, denn auch das Fairphone ist nicht die perfekte Lösung. Aber es ist die beste, die es derzeit gibt.

Fairphone. Die Telefonate mundgeblasen, die SMS noch von Hand getippt. Doch was klingt, wie fürs Vauban geschnitzt, ist das logische Produkt einer Kooperation mehrerer Initiativen. Darunter finden sich bekannte wie Action Aid, die sich für bessere Arbeitsbedingungen und Mindeststandards einsetzt, aber auch kleinere, lokale Gruppen wie die Conflict-Free-Tin-Initiative, die den Zinn-Abbau im Kongo überwacht. All diese Organisationen machen sich den Wandel zu einer besseren Welt zur Aufgabe - und könnten damit keine abgedroschenere Phrase bedienen. Denn leider ist „Weltverbesserer“ heute ein Schimpfwort: Wer die Welt verändern will, tickt nicht mehr richtig, denn was können wir gegen die Übermacht der Konzerne schon tun?

Die Industrie mit ihren eigenen Waffen schlagen

Genau hier setzt das Fairphone an. Da es unmöglich ist, die Nachfrage nach billigen Smartphones und die dadurch produktionsbedingte Ausbeutung von Natur und Mensch mit Protesten oder Boykotten zu zügeln, wird die Industrie mit ihren eigenen Waffen geschlagen – in diesem Fall mit der Herstellung eines Handys.

Das Fairphone ist ein Android-Smartphone, das sich mit seinen technischen Merkmalen im Mittelfeld der aktuellen Touchscreen-Handys ansiedelt. Auffällig ist, dass der Akku austauschbar ist, zwei Sim-Karten sowie eine Micro-SD-Karte im Gehäuse Platz finden und das Handy ohne USB-Ladekabel und Kopfhörer geliefert wird – um unnötigen Elektroschrott zu vermeiden. Dazu ist das Handy Root-fähig, was bedeutet, dass der Benutzung keine Grenzen gesetzt sind und beispielsweise Skripte wie XPrivacy, das volle Kontrolle über die Zugriffsrechte der installierten Apps gewährleistet, eingebunden werden können.

Die Idee hinter dem durch Vorbestellungen finanzierten Projekts sucht in der Handy-Welt ihresgleichen: Mit größtmöglicher Transparenz über Produktionsprozesse und Finanzen zeigt das Fairphone, was mit gutem Willen möglich ist.

100 Prozent fair ist es dennoch nicht. Immer noch werden die Komponenten quer über den Globus geflogen, bis das fertige Produkt entsteht – und dennoch kommt es dem Ideal eines „fairen“ Handys schon sehr nahe. Und auch wenn die Kamera furchtbar ist: Durch die 25.000 Bestellungen der ersten Runde (eine weitere ist in Planung) wurde deutlich, dass die Welt sehr wohl zu verändern ist – durch gezielten Konsum.

Auf den Erfolg des Fairphones müssen die großen Hersteller reagieren, und aus Angst um ihren Ruf und damit ihren Gewinn selbst einen Schritt in Richtung faire Produktion machen.

Zur Person Nicolas Rogoll, 23, studiert an der Uni Freiburg Politik und Englisch.

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[Foto: Marius Notter]