Meine Meinung: Warum auch Freiburg einen Rooftop Day braucht!

Johanna Wagner

Am 25. Juni ist "Rooftop Day" in Basel. Dazu öffnen die Besserbürger Basels ihre Dachterrassen für den Pöbel. Eine Maßnahme für den Weltfrieden, findet Fudder-Autorin Johanna Wagner - und fordert dasselbe für Freiburg:



Ich gehe auf dem Lorettoberg spazieren: Es ist warm, die Sonne malt den Himmel pastellfarben. Vögel zwitschern, Blumenduft durchströmt die Luft. Schöne Menschen sitzen auf ihren noch schöneren Dachterrassen und beglücken die Nachbarschaft mit dem Klirren ihrer Champagnergläser. Akademiker liegen in der Abendsonne auf ihrem Balkon, blicken auf das Münster und freuen sich über die Ruhe, ihren Doktortitel und ihre Altbauvilla. Rentner gießen ihre prächtig gefüllten Blumenkästen. Dabei sehen sie, wie die Sonne den Schlossberg anstrahlt. Es ist so schön, dass es wehtut.


Ich gehe zurück in meine fensterlose WG. Im Treppenhaus stinkt es nach Döner. Das Haus wackelt, weil ein LKW vorbeifährt. Mein Blick fällt auf die schimmlig-braunen Flecken des letzten Wasserschadens. Wie gern würde ich mich nun von der Schäbigkeit dieser Wohnung auf einer schönen Dachterrasse erholen. Säße ich jetzt auf einer  Dachterrasse, würde alles viel besser aussehen.  Wir haben aber keine Dachterrasse, nicht einmal einen Balkon. Wir haben ein großes Fensterbrett.



Der Rooftop Day in Basel


Das alles mag wie ein Traum klingen – in Basel wird es am 25. Juni Realität. Dort feiern Basler den Rooftop Day. Die Gewinner des Lebens (die mit Dachterrasse) laden die Kellerkinder auf ihre persönlichen Stadtoasen ein. Das Event wird von der Onlineplattform "Ron Orp" organisiert – zum vierten Mal in Folge. Entweder stellen die Besitzer selbst ein Programm auf die Beine, oder stellen ihre Terrasse für bestimmte Programmpunkte zur Verfügung. Die Besitzer dürfen selbst entscheiden, wie lange die Veranstaltung geht, was für ein Programm stattfindet und wie viele Leute auf die Dachterrasse dürfen. Sie können sogar auf Gästelisten bestehen. Und sie kriegen Freibier. Hätte ich eine Dachterrasse – ich würde mitmachen.

Lasst den Pöbel hoch!

Die Idee ist großartig. Freiburg braucht das auch! Ich bin schon lange der Meinung, dass schöne Altbaugebäude nur an Leute vermietet werden sollten, die sich bereit erklären, viele gute Partys zu feiern. Wer hat denn was davon, wenn die tollsten Gebäude mit den tollsten Terrassen immer als Büros genutzt werden? Wenn da nur Leute einziehen dürften, die viele Partys feiern würden, hätten alle etwas davon. Der Pöbel darf sich einen Tag "Jetset" fühlen, die Reichen dürfen sich beneiden lassen.

Im Namen all der Mietsklaven und der WG-Ratten fordere ich Dachterrassenfreiheit für alle! Für die, die in dunklen Zimmern sitzen, deren Badezimmer schimmeln, die für die frische Luft tatsächlich die staubigen Straßen betreten müssen, für  die, die den Freiburger Pastell-Sonnenuntergang nur von ihren selbstgemalten Wasserfarbenbildern kennen. Gebt den Besitzlosen ein einziges Mal eine große Portion Dekadenz ab!

Lasst uns  ein Zeichen setzen, lasst uns kämpfen für die Gleichstellung von Leuten mit und ohne Dachterrassen. Und dabei gut aussehen und etwas Kulturelles machen. Ich bräuchte eh dringend mal wieder ein neues Facebook-Profilbild, das ließe sich doch wunderbar einrichten, auf so einer Dachterrasse.

Wir brauchen einen Rooftop Day. Für das Miteinander, für die Stadt, für die Armen, für den Weltfrieden. Ich sage es ein letztes Mal: Bitte, bitte, bitte - lasst uns hoch. Ihr kriegt auch Freibier.

Was: Rooftop Day
Wann: 25. Juni 2016
Wo: Basel

Genauere Informationen zu den einzelnen Stationen werden folgen. Entnehmen könnt ihr sie dem Facebookevent oder der Homepage von "Ron Orp".

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  [Foto: Marius Buhl]