Meine Meinung: Wählen ab 16 ist super!

Maleen Thiele

Am 22. April findet in Freiburg die Oberbürgermeisterwahl statt. Besonders an dieser Wahl ist, dass bereits 16-Jährige wählen dürfen. fudder-Autorin Maleen Thiele findet: Das wurde auch höchste Zeit!

Am 22. April wählen die Freiburger ihren neuen Oberbürgermeister oder ihre neue Oberbürgermeisterin. Mit dabei ist eine hohe Anzahl an Erstwählern. Das ist nicht nur so, weil die Wahl nur alle acht Jahre stattfindet, sondern auch weil dieses Mal schon ab 16 Jahren gewählt werden darf. Ich finde, dass das auch höchste Zeit wurde.


Politische Mündigkeit hängt nicht vom Alter ab

Ob sich jemand für Politik interessiert oder nicht, hängt nicht vom Alter ab. Und natürlich gibt es junge Menschen, die sich nicht wirklich mit Kommunalpolitik beschäftigen. Jedoch trifft dieser Vorwurf auch auf Erwachsene zu. Und natürlich ist es notwendig, jugendgerechte Hilfsangebote zu bieten, die Erstwählern die Wahl erleichtern. Doch seien wir mal ehrlich: Solche Angebote erleichtern vielen Erwachsenen – mir eingeschlossen – die Wahlentscheidung ebenso. Ich bin überzeugt, dass die meisten jungen Menschen genauso wie Erwachsene abschätzen können, welche Konsequenzen ihre Stimmabgabe oder auch mögliche Stimmverweigerung hat.

Der Anteil an unter 18-jährigen bei der Oberbürgermeisterwahl ist nicht zu unterschätzen. Laut der Auswertung des Einwohnermelderegisters vom 1. Januar 2018 sind 5.640 der 225.610 Freiburger zwischen 15 und 18 Jahre alt. Das macht einen Bevölkerungsanteil von 2,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei der letzten Oberbürgermeisterwahl im April 2010 gerade mal bei 45,2 Prozent. Ist bei dieser Oberbürgermeisterwahl die Wahlbeteiligung ähnlich, liegt der Anteil an unter 18-jährigen sogar bei knapp 8 Prozent – vorausgesetzt, es würden alle wählen gehen.

Schulpolitik ist ein wichtiges Wahlkampfthema - doch die, die es wirklich betrifft, wurden bis jetzt übergangen

Ob bei Wahlen auf Bundes-, Landes- oder Kommunalebene: Eines der größten Diskussions- und Wahlkampfthemen ist fast immer die Schulpolitik. So auch bei dieser Oberbürgermeisterwahl. Beschäftigt man sich mit den Wahlkampfversprechen der Kandidaten und Kandidatinnen, geht es häufig um eine verbesserte Schulbildung.

Doch ist es nicht paradox, dass bis jetzt keiner wirklich Rechenschaft vor denjenigen ablegen musste, die das wirklich betrifft? Beschäftigt man sich mit den Forderungen von Schülern und Schülerinnen, kann man diese nicht einfach als unbedachte Schnapsideen abspeisen. Die wenigsten verlangen Freistunden und Hitzefrei. Die Forderungen gehen vom Wunsch nach mehr sozialen Einrichtungen über die Einsetzung eines Juniorbürgermeisters bis hin zur Senkung der ÖPNV-Preise. Somit stellen die Schüler durchdachte Forderungen, denen sich ein zukünftiger Oberbürgermeister durchaus stellen muss.

Wählen ab 16 ist ein Anreiz für Schüler, sich mit Kommunalpolitik auseinanderzusetzen

Seien wir mal ehrlich: Das vielen Schülern und Azubis Politik egal ist, ist nicht verwunderlich – mitentscheiden dürfen sie sowieso nicht. Um diese Einstellung zu durchbrechen, sehe ich die Wahl ab 16 Jahren als Chance. Zum einen fühlen sich junge Menschen ernst genommen und nicht bevormundet. Zum anderen kann die Stimmabgabe für Schüler ein Anreiz darstellen, sich mehr mit Kommunalpolitik auseinanderzusetzen.

Somit werden sich hoffentlich viele aufgrund ihres Wahlrechts umfangreich informieren, um schließlich ihre Stimme abzugeben. Und auch Schulen und Politik sind durch das Wahlrecht ab 16 Jahren gefordert, eine verbesserte Informationspolitik für die Schüler anzubieten, damit diese gut informiert ihre Stimme abgeben können.

Natürlich muss es eine Altersbeschränkung geben - aber 18 ist übertrieben

Mit dem 18. Lebensjahr erlangt man auf einen Schlag enorm viele Freiheiten. Man darf in Clubs, Alkohol kaufen und konsumieren und ohne elterliche Bevormundung über das eigene Leben entscheiden. Kurzum: Man erlangt den Status eines vollmündigen Erwachsenen.

Doch ich finde, dass politische Verantwortung schon früher übernommen werden kann. Natürlich muss es eine Altersbeschränkung geben, da mit dieser politischen Verantwortung auch Pflichten einhergehen, die abgeschätzt werden müssen. Aber ab 18 ist übertrieben. Vor allem wenn man bedenkt, dass sich bereits 17-jährige bei der Bundeswehr verpflichten können – mit Einwilligung der Eltern. Ich finde, dass junge Menschen dort mehr Schaden für sich und ihre Mitmenschen anrichten können, als bei einer Wahl.

Wählen ab 16 ist eine Chance für eine verbesserte Jugendpolitik

Ich sehe die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahren als Chance für eine verbesserte Jugendpolitik. Junge Menschen können sich aktiv an politischen Geschehnissen beteiligen und müssen sich nicht mehr bevormundet fühlen. Kandidaten und Parteien müssen sich auf deren Forderungen und Meinungen einlassen und können das Thema Bildung nicht mehr nur allein für ihren Wahlkampf missbrauchen.

Ebenfalls können die wirklichen Belange junger Menschen und Defizite im Bildungs- und Schulsystem nun besser herauskristallisiert werden, da nicht mehr jemand in Namen derer entscheidet und wählt, die es betrifft, sondern die Betroffenen selbst. Ich finde auch, dass Wählen ab 16 nicht nur auf Kommunalebene stattfinden sollte. 16- und 17-jährige sollten unbedingt auch bei Landtags- und Bundestagswahlen das Stimmrecht erhalten.

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