Meine Meinung: Vegane Currywurst verwirrt nur irre Verbraucher

Brigitte Rohm

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) stört sich an Bezeichnungen wie "vegetarisches Schnitzel" und "vegane Currywurst". fudder-Autorin Brigitte Rohm verzichtet aus ethischen Gründen eigentlich auf sinnlose Debatten.

Eine Diskussion über Fleischersatzprodukte verläuft häufig so emotional, als handle es sich dabei um eine Ersatzreligion: Überzeugte Karnivoren versuchen nur allzu oft, ihre vegetarisch lebenden Mitmenschen, die den fremden Götzen anbeten, ungefragt zu bekehren. Was der Blödsinn denn solle, man könne ja gleich "richtiges" Fleisch essen, wenn man ohne die Ersatzprodukte nicht auskomme, und müsse sich ansonsten gefälligst mit Rohkost begnügen. Dieses Argument war mir schon immer schleierhaft. Denn abgesehen davon, dass die meisten Vegetarier nur sporadisch mal zum Tofu-Steak greifen, ist es doch wohl völlig legitim, wenn man aus ethischen Gründen auf Fleisch verzichten möchte, das Zeug aber prinzipiell geschmacklich mochte. Und dann eben happy ist, wenn man hin und wieder mal seine Gelüste mit einem Veggie-Burger stillen kann.


"Vegetarier nehmen meinem Essen den Namen weg?"

Doch damit nicht genug: Das pflanzenfressende Volk erdreistet sich nicht nur, gelegentlich dem Genuss der frevlerischen Fleisch-Plagiate zu frönen. Die für diesen speziellen Kundenkreis kreierten Produkte stiften nun auch noch Verwirrung bei den Verbrauchern im Allgemeinen – findet zumindest Bundesernährungs- und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt von der CSU, frei nach dem Motto "Vegetarier nehmen meinem Essen den Namen weg". Begriffe wie vegetarisches Schnitzel oder vegane Currywurst seien "komplett irreführend und verunsichern die Verbraucher", verkündete Schmidt der Bild-Zeitung. Ich bin ja eher der Meinung, "vegane Currywurst" verführt nur komplett irre Verbraucher: Wer ist denn (im Jahr 2017!) ernsthaft so dämlich, dass er "echte" Currywurst erwartet, wenn "vegetarisch" oder "vegan" davorsteht? Sind das dieselben Leute, für die man diese Hinweisschilder in Kinderkleidung näht, dass das Kind vor dem Waschen entfernt werden sollte?

Wie zu erwarten war, erregte der #Wurstcase die Gemüter und es folgten viele amüsierte und hämische Kommentare (nicht nur) auf Twitter. Hier eine kleine Auswahl:



Schmidt muss sich nun rechtfertigen und wehrt sich dagegen, dass sein Ansatz ins Lächerliche gezogen wird. Tja, das hätte er sich vielleicht mal vorher überlegen sollen. Dem Ministeriumssprecher zufolge gibt es bereits eine Arbeitsgruppe, die sich mit neuen Bezeichnungen für vegane und vegetarische Produkte befasst. Ich möchte hiermit beantragen, in diese Gruppe aufgenommen zu werden und hätte ein paar konstruktive Vorschläge.

Neue Namen, neue Formen: schlicht, unfleischig, unappetitlich

Da "Schnitzel", "Wurst" und "Steak" unbedingt vegetarische Äquivalente brauchen, muss sich zunächst die Form ändern, aus der schließlich ein neuer Name generiert werden kann. Ich plädiere für schnörkellose geometrische Muster: schlicht, unfleischig, unappetitlich. In Zukunft könnte man Tofu-Triangeln, Weizen-Würfel und Gemüse-Kugeln verkaufen. Für besondere Anlässe gibt es fancy Spezial-Produkte wie Seitan-Spiralen für den Grill – Verwechslungsgefahr absolut ausgeschlossen.

Nach Phase eins des Programms müssen allerdings weitere Bezeichnungen debattiert werden, die dringend überholungsbedürftig sind, weil sie wiederum die armen Vegetarier restlos in die Irre führen. Hat schon mal jemand daran gedacht, wie inflationär der Begriff "Salat" verwendet wird?! Er sollte künftig ausschließlich Gerichten auf Basis der grünen Blätter vorbehalten sein. Für die implizierten Problemfälle schlage ich vor: Wurststreifenhaufen, Kartoffelpampe, kaltes Nudel-Mayonnaisen-Gemisch. Gleiches gilt zum Beispiel für Knödel: Es gibt sie aus Semmeln, Kartoffeln und sogar aus Leber. Wo bleiben denn da die einheitliche, europaweite Kennzeichnung, der Überblick, die Kundenfreundlichkeit? Verbraucherschutz, we need you: Es ist ein Notfall.