Meine Meinung: Unterwiehre-Süd ist Freiburgs geilster Stadtteil

Konstantin Görlich

Unter fudder-Autoren ist ein Wettstreit entbrannt. Wo ist Freiburgs bester Stadtteil? Heute plädiert Konstantin für den vielleicht geheimtippigsten Stadtteil Freiburgs: die Unterwiehre Süd. Natürlich konnte er sich den Diss gegen das ökige Nachbarviertel nicht verkneifen.



Unterwiehre-Süd ist der geilste Stadtteil in Freiburg. Wer sie nicht kennt, hat etwas verpasst, oder sie bisher wahlweise für einen Teil vom Vauban, Haslach oder einfach nur der ganz ordinären Wiehre gehalten, so unauffällig ist sie. Und tatsächlich: etwa südlich der Lorettostraße, zwischen Schauinslandstraße und ICE-Strecke, ist alles so normal und im Durchschnitt, dass die Unterwiehre-Süd in der städtischen Statistik keine Extremwerte aufweist.


Hier ist Freiburgs Mitte, könnte man sagen. Sogar die Kennziffer, die die städtische Verwaltung dem Stadtteil gegeben hat, 424, ist herrlich gerade und symmetrisch, in einem zen-artigen Gleichgewicht. Es gibt eher bürgerliche Siedlungen mit eher bürgerlichen Menschen, es gibt die Villen am Lorettoberg mit Verbindungsstudenten und Leuten, die gerne Verbindungsstudenten gewesen wären, es gibt junge Familien mit echten Biokindern im frisch gentrifizierten Heldenviertel. Alles sehr schön, auch die Menschen.

Hier versteht man zu leben, nicht zufällig ist eines der Wahllokale immer im staatlichen Weinbauinstitut an der Merzhauser Straße. Wir haben das Holbeinpferd, den Hildaturm und die Solarsiedlung mit dem Sonnenschiff. Das steht im Vauban? Denkste! Das beginnt auf der anderen Seite der Merzhauser Straße. So nah der möchtegern-autofreie Ökostadtteil auch ist, die Unterschiede scheinen groß, das Abgrenzungsbedürfnis auch. In der Unterwiehre-Süd gibt es (noch) keinen einzigen Carsharing-Standort. OK, beim Sonnenschiff stehen welche, aber die gehören eigentlich ins Vauban.

Wir brauchen das nicht, denn der Südunterwiehremer an sich verlässt seinen Stadtteil ungern. Das ist auch nicht nötig, denn es gibt hier alles, was man zum Überleben braucht. Der Rest der Stadt ist eigentlich nur Luxus, immerhin gut, um bei einem Spaziergang über den Lorettoberg betrachtet zu werden.

Sogar die drei besten Foodtrucks der Stadt, Streatkitchen, Holy Taco Shack und Panzerotti machen über die Woche verteilt ihre Aufwartung. Sie sind beim architektonisch anspruchsvollen Haus der Bauern an der Merzhauser Straße zu finden, das manche für die bessere UB halten, und bei der Heldenbude in der Langemarckstraße, die besser ist als Sedan- und Strandcafé zusammen. Wenn wir hier doch mal in die nahe Innenstadt müssen, dann mit dem Rad. Aber immer ordentlich - die Rotlichtradler an den Unfugampeln in der Merzhauser Straße kommen natürlich aus dem Vauban.

Zur Person



Konstantin Görlich
, Jahrgang 1980, lebt seit 2002 in Freiburg, wo er mit Jura, Soziologie, Geschichte, Kriminologie und etwas Mikrosystemtechnik beinahe die ganze Uni durchgespielt hat. Geschrieben hat er schon in den späten 90ern in seiner Heimat irgendwo zwischen Berlin und dem Spreewald. Bei fudder schreibt und fotografiert er seit 2010.

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