Meine Meinung: Teilt euer Essen, Freiburger!

Julie Lucas

300 Kilo Lebensmittel werfen die Deutschen weg - in der Sekunde. Auch in Freiburg. Wenn unsere Welt gerechter werden will, müssen wir unser Essen teilen, findet fudder-Autorin Julie Lucas. Ihr Appell:



Fleckige Bananen? In den Müll. Eine Delle im Apfel? In den Müll. Eine krumme Karotte? In den Müll. Tonnenweise übrig gebliebenes Brot? Ihr könnt es euch denken. Eine Stimme scheint zu flüstern: "Auch wenn mein Inhalt noch genießbar ist: Schmeißt mich weg!"


Wir Deutschen werfen über 300 Kilo Lebensmittel weg. Pro Sekunde. Lebensmittel, die einmal zum Hungerstillen dienten. Aber essen wir überhaupt noch aus Hunger? Oder nicht vielmehr aus Appetit, Lust oder Sucht? Für mich steht fest: Das unkontrollierte Wegwerfen von Lebensmittel muss aufhören! Teilt euer Essen, Freiburger!

Früher habe ich oft im Supermarkt nach der geradesten Zucchini, der gelbesten Banane und der formvollendetsten Kartoffel Ausschau halte. Dann habe ich nach einem Ausweg gesucht. Der heißt Foodsharing.

Foodsharing will Lebensmittel vor der Tonne retten. Konkret heißt das, Foodsaver holen bei Betrieben noch genießbare Lebensmittel ab, die sonst weggeschmissen werden. All das wird komplett ehrenamtlich und für alle zugänglich auf der Online-Plattform foodsharing.deorganisiert.

Essensretter kann jeder werden. Die einzige Hürde ist ein kleiner Online-Test. Der ist jedoch ganz einfach zu bestehen, wenn man sich bewusst mit dem Thema Essen und Nachhaltigkeit auseinander setzt. Also kein Grund, ihn ewig vor sich herzuschieben! Wer diesen Test besteht, bekommt einen Ausweis - und danach gehört man offiziell zu den Essensrettern.

Man kann aber auch ohne Ausweis schon aktiv teilhaben, indem man sein Essen teilt, wenn die Kühlschränke mal zu platzen drohen.

In Freiburg gibt es drei Standpunkte mit Essens-Fairteilern, zu denen, bei den Betrieben abgeholte Ware, gebracht wird. Einer befindet sich in der G19, einem besetzten Haus in der Gartenstraße, das außerdem über eine Fahrradwerkstatt und einen Umsonstladen verfügt. Die anderen beiden befinden sich in der Susi im Vauban und der Thannhauser Straße beim Seepark.

Dass Foodsharing und ein bewussterer Umgang mit Nahrungsmitteln funktionieren kann, dass man zu einem Bewusstseinswandel fähig ist, ist mir auf einer Fahrradtour nach Frankreich klargeworden: Bei einem Zwischenhalt bei einer Bäckerei, die kein "Pain au chocolat" mehr für mich übrig hatte, wurde mir klar, wie sehr ich schon an das "Zu-Viel" unseres Alltags gewöhnt war. Die Bäckerei aber backte nur eine kleine Stückzahl - um nichts wegwerfen zu müssen.

Vorbildlich an Frankreich ist nicht nur dieses kleine Dorf und seine kleine Bäckerei, sondern auch ein Gesetz, das Supermärkte daran bindet, ihren noch genießbaren "Müll" an soziale Projekte und Tafeln zu spenden. Das zeigt, dass nicht nur ein einzelner Mensch, sondern auch eine ganze Gesellschaft zu einem bewussteren Umgang mit Lebensmittel angehalten werden kann.

Essen teilen ist keine große Sache, aber sie kann Großes bewirken. Deshalb noch einmal: Teilt euer Essen!

Zur Person



Julie Lucas ist 21 Jahre alt. Sie macht im August 2015 ein Praktikum bei fudder und bz-ticket.de. Eigentlich studiert sie aber in Freiburg IberoCultura.

Meine Meinung

Mit "Meine Meinung" will fudder Menschen eine Plattform bieten, um ihre Meinung zu einem Thema, das in Freiburg debattiert wird, darzulegen. Es handelt sich bei dem Beitrag um die Meinung des jeweiligen Autors, nicht um die der Redaktion.

Mehr dazu:

[Fotos: Lebensmittelretter, Christine Duttlinger]