Meine Meinung: Stoppt den Burger-Wahnsinn!

Kathrin Müller-Lancé

Kaum eine Speisekarte kommt mehr ohne sie aus: hausgemachte Edel-Burger. Fudder-Autorin Kathrin Müller-Lancé findet diesen Trend zum Kotzen. Sie fordert: Packt den Burger endlich wieder dahin, wo er hingehört – in eine Pappschachtel von Mc Donald's!



Die Menches Brothers würden sich wahrscheinlich im Grabe umdrehen wie Hackfleisch-Pattys im heißen Fett – wüssten sie, was aus ihrer einstigen Kreation geworden ist. Einer der vielen Legenden zufolge sollen die beiden den Hamburger erfunden haben. Heute, gut 130 Jahre später, würden sie ihre Kreation wohl kaum mehr wiedererkennen. Ursprünglich gebrutzelt als einfaches Essen für die Arbeiter nahe der Stadt Hamburg in New York, ist der Burger mittlerweile ordentlich gentrifiziert worden. Die Zutaten werden immer extravaganter, die Preise immer höher. Kaum mehr ein Lokal kommt ohne das hippe Zwangs-Fast-Food aus, kaum einem Lebensmittel bleibt die Misshandlung als Bürger-Füllung erspart.


Irgendwo auf dem Weg vom Fast-Food zum Snobismus, zwischen Mc Donald's und Hans im Glück,  hat der Burger seine ursprüngliche Bestimmung verloren: schnell, günstig und unkompliziert satt zu machen. Stattdessen wird er bis zur Unkenntlichkeit aufgepimpt mit Edelfleisch, Sesam-Vollkorn-Brötchen und Chili-Aprikosen-Ketchup.

Gänseleber und Trüffelmayo

Wie Fettflecken nach dem Cheeseburger-Essen setzt sich dieser Trend fest – auf den Speisekarten der unterschiedlichsten Restaurants. Im urigen badischen Landgasthof gibt es Bauernbrot-Burger mit Schwarzwälder Schinken und Bergkäse, im veganen Hipster-Büdchen serviert man glutenfreie Quinoa-Burger mit Linsen-Kreuzkümmel-Bratling. Und selbst die Sterneküche hat sich anstecken lassen und empfiehlt: Brioche-Burger-Buns mit Gänseleber und Trüffelmayo.

Die Gastronomen reiben sich die Hände – können sie ihre belegten Brötchen doch jetzt für zweistellige Eurobeträge verkaufen. Dabei tut der Burger-Snobismus niemandem gut. Weder dem Kunden, der ja eigentlich nur schnell was Günstiges auf die Hand wollte, noch den armen Edelzutaten, die als Burgerfüllung entwertet werden. Denn egal, was man in den Burger klemmt, es bleibt halt doch, was es ist: Platzhalter zwischen zwei Brötchenhälften.

Die Burgerhälfte ist der Sargdeckel der Haute Cuisine. Was sich darunter verbirgt, ist tot für den guten Geschmack. Ein Rinderfilet gehört seinem kulinarischen Wert angemessen serviert, auf einem Teller, aus richtigem Porzellan – und nicht in einem pappigen Brötchen. Wer wagt schon zu behaupten, dass das besser zum edlen Steak passte als knuspriges Kartoffelgratin und Rotweinsauce?

Hübsch auf Holzbrettern präsentiert: 13, 50 Euro

Ja, Burger sind Fast Food. Und das ist auch gut so. Man beobachte nur einmal all die verzweifelten Burger-Besteller, wie sie in schicken Restaurants vor ihren Brötchentürmen kapitulieren. Dieser mehrstöckigen Architekturwunder kann man nicht mit Besteck, geschweige denn mit Zähnen habhaft werden. Aber immerhin sind sie ja hübsch präsentiert auf Holzbrettchen oder Schiefertafeln. Ein netter Kontrast zu den fett- und saucenbeschmierten Fingern des Gastes. Preis: 13,50 Euro. Das kann doch niemand ernsthaft wollen.

Ein Burger gehört in eine Serviette, vielleicht noch eine Pappschachtel – aber nicht in das Ambiente eines Sternelokals. In so einer Umgebung kann das Brötchen nur verlieren. Das ist würdelos – dem Burger, seinem Inhalt, und dem Esser gegenüber.

Um sich vor dem Größenwahn zu schützen und seine Stellung als kulinarische Basis zu halten, sollte der Burger sich auf seine Wurzeln zurückbesinnen. Und die sind nun mal Mc Donald’s und Burger King.  Oder – wenn schon nachhaltig und regional – der örtliche Metzger des Vertrauens. Hier heißt der Burger Frikadellenweckle. Und es gibt ihn in immerhin zwei Varianten, die das gehackte Tier im Brötchen vortrefflich aromatisieren: mit Ketchup oder Senf.

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[Foto: Fotolia.com/Lukas Gojda]