Meine Meinung: Stefan Raab hat das TV-Duell gerettet

Martin Jost

Habt ihr am Sonntagabend das Kanzlerduell gesehen? Hattet ihr auch so einen tollen Fernsehabend wie fudder-Autor Martin? Für ihn war Stefan Raab die politische Entdeckung des Jahres. Warum der Pro7-Mann die Kanzler-Show gerettet hat:



Merkel war noch ein bisschen pampiger als Steinbrück, wenn sie nicht mit einer Frage unterbrochen werden wollte. Steinbrück lief dafür ins offene Messer, als sie seine Kritik an unverhältnismäßig hohen Pensionen zerlegte. Für die Zuschauer konnte sich kein Politiker eindeutig abheben. Das TV-Duell ist durch, dankeschön. Können wir jetzt über die politische Offenbarung des Jahres reden?

Stefan Raab. Dem Pro7-Moderator verdanken wir, dass das TV-Duell unterhaltsam und sogar kurz mal spannend war.

In Deutschland herrscht eine verfassungsmäßige Trennung von Humor und Staat. Wir erinnern uns an das erste Formular, das wir schon im Mutterleib ausfüllen: Ob wir ein lustiger Mensch werden wollen oder ernst genommen. Wer einmal Witze gerissen hat, ist verrucht und muss sich von ernsten Themen fernhalten wie Fixer von der Blutspende.

Die Ankündigung, dass Pro7 den Moderator von TV Total und Wok-WM zum Kanzlerduell entsenden würde, provozierte einen Haufen Befürchtungen. Entgegen aller Befürchtungen hat Stefan Raab gestern keine peinliche Ego-Show abgezogen. Entgegen aller Befürchtungen war er super vorbereitet. Entgegen aller Befürchtungen hat er sich keinen Maulkorb verpasst und ist mit der fahlen Wand verschmolzen.

Albern oder ernsthaft? Beides!

Einzig Anne Will zeigte einen vergleichbaren Einsatz im Kampf um echte Antworten von den Politikern. Raab nahm Merkel bezüglich PKW-Maut in die Zange und bedankte sich später bei Steinbrück, denn nur im Team hatten sie sie zu einer Ansage bewegt. Danach nagelte er genau so unerschrocken Steinbrück auf dessen Koalitionsaussagen fest.

Stefan Raab trat locker, verbindlich und schnodderig auf. Dass er „King of Kotelette“ sagt statt „Regierungschef“ entwertet ja nicht seine Frage. Im Gegenteil: Den drei Profi-Polittalkern Kloeppel, Illner und auch Will fehlte durch die innere Übersetzungsarbeit von Authentisch in Hochglanz-Fernseh-Deutsch Geschwindigkeit. Sie ließen sich öfter als Raab von Steinbrück und Merkel abhängen.

Es ist kein rein deutsches Problem, dass einem Entertainer ein aufrichtiges Interesse an Politik abgesprochen wird. Eine Präzedenz ist der am Wochenende verstorbene Moderator David Frost, der in Großbritannien in den Siebzigern vor allem für Unterhaltungsshows bekannt war. Als er sich den zurückgetretenen US-Präsidenten Richard Nixon vornahm und im Interview zu einem Eingeständnis seiner Vergehen bewegte, überraschte er die Öffentlichkeit. Positiv, wie gestern Abend Stefan Raab. Ich hoffe, wir sehen Raab noch öfter in der Arena der Politik.

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[Bild: dpa]