Meine Meinung: Smoothie Bowls sind balla-balla

Brigitte Rohm

Quietschbunt und widerlich gesund blinken sie in Food-Blogs und Lifestyle-Magazinen als strahlendste Sterne am Ernährungsfimmel-Firmament: Smoothie Bowls. Fudder-Autorin Brigitte Rohm hat eigentlich nichts gegen Smoothies. Aber püriertes Irgendwas mit fancy Zutaten kommt ihr morgens nicht in die Müslischüssel.

„Was ist ein Smoothie? – Eine Erfindung, mit der man einem Hipster pürierte Banane für 4 Euro verkaufen kann.“ Betrachten wir diesen Witz als Grundlage für eine generelle Feststellung: Smoothies, also pürierte Vitaminbomben zum Trinken, sind zum Inbegriff einer geschmeidig-gesunden Lebensweise geworden. Und zugegeben, das Zeug schmeckt meistens gar nicht so schlecht und trägt – im Café statt des Latte Macchiatos geschlürft – dazu bei, auf die täglichen fünf Portionen Obst und Gemüse zu kommen. So weit, so smooth. Doch seit einiger Zeit greift ein Trend aus den USA um sich, der eine Variante des Mixgetränks zum Nonplusultra der Ernährung erklärt:„Smoothie Bowls“ werden in Schalen serviert und gelöffelt, weil sie eine festere Konsistenz besitzen als das Vorgänger-Modell. Die bevorzugte Verzehrszeit: morgens zum Frühstück. Und genau da liegt das Problem.


Es soll ja Menschen geben, die einen „gesunden Start in den Tag“ total prima finden. Die joggen auch gerne mal um 7 Uhr um den See, bevor sie zur ersten Vorlesung radeln. Es gibt aber auch jene – und Vertreter dieser Spezies sind nicht selten – welche die erste Mahlzeit des Tages dankbar als schläfrige Routine zelebrieren. Nährstoffreiche Abwechslung auf dem Teller? Gerne. Aber bitte nicht zu dieser Tageszeit. Ein Hoch auf Weizentoast, Schokomüsli und natürlich Kaffee! Das Frühstück ist die letzte legitime Bastion der ungesunden Ernährung. Wofür hält sich diese Smoothie Bowl, wenn sie glaubt, dieser Konstante den Kampf ansagen zu müssen?

Wer hat schon Gojibeeren, Baobabpulver, Mandelbutter, frischen Blattspinat und hausgemachtes, zuckerfreies Granola immer im Haus?

Ein noch viel wichtigerer Einwand: Frühstück machen bedeutet früh aufstehen. Je aufwendiger das Frühstück, desto weniger Schlaf, und morgens zählt jede Minute. Zumindest für die Routine-Frühstücker, die im nächsten Leben als Faultiere oder Siebenschläfer wiedergeboren werden möchten. Die Smoothie Bowl-Rezepte, die sich in den einschlägigen Food-Blogs tummeln, versprechen zwar „schnell und einfach“ zu sein, „ruck zuck zum Nachmachen“.

Aber mal ehrlich: Hat jemals einer von diesen Bloggern wirklich die Zeit gestoppt, die es braucht, bis man eine „geschichtete Chia-Smoothie-Bowl“ (ein grüner Avocado-Smoothie als Basis, darüber selbstgemachter Chiasamen-Pudding und als I-Tüpfelchen ein Kokos-Kakao-Smoothie) hergestellt hat? Wer hat morgens Zeit und Nerv, sich das anzutun?!Wenn jemand dennoch wild entschlossen ist, seinen Tag mit einer Smoothie Bowl zu beginnen und das kulinarische Kunstwerk zuvor fotografisch festzuhalten, um es mit der noch friedlich schlummernden Welt zu teilen (#nofilter und so), dann wird er spätestens am zweiten Tag feststellen: Jeden Morgen die gleiche Bowl ist auch irgendwie langweilig (und ergibt immer das gleiche Foto).

Wie gut, dass man Zutaten wie Gojibeeren, Baobabpulver, Mandelbutter, frischen Blattspinat und hausgemachtes, zuckerfreies Granola (WTF?) immer im Haus hat! Wenn man dann noch sicherstellt, dass jeweils zehn verschiedene Sorten Obst, Gemüse, Nüsse und Samen allzeit vorrätig sind, steht dem variationsreichen Smoothie-Spaß nichts mehr im Wege.

Für alle, die ein begrenzteres Budget haben und nicht jedem Ernährungstrend hinterherlaufen, sei jedoch gesagt: Lasst uns das Birchermüsli nicht mit seiner Hipster-Cousine betrügen.

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[Foto:Mara Zemgaliete @ Fotolia.com]