Meine Meinung: Schafft den Valentinstag ab!

Enya Steinbrecher

Schokolade, Blumen, riesige Plüschtiere mit Herzen in den Pfoten – der Valentinstag ist nicht mehr der Tag der Liebenden, sondern der Tag des Kommerzes. fudder-Mitarbeiterin Enya Steinbrecher fordert daher, ihn ganz abzuschaffen.

Hektisch rennen Menschen von einem Geschäft ins nächste, greifen nach überteuerten Kuscheltieren in der Auslage und übergroßen Milka-Herzen. Was klingt wie die Vorweihnachtszeit, ist die Vorbereitung auf einen für Geschäftsbesitzer ebenso gewinnbringenden Tag: den Valentinstag. Für den Partner oder die Partnerin ist schließlich nichts zu teuer.


Wer mit einem vollen Geldbeutel nicht punkten kann, der weckt auf andere Art den Romantiker in sich: So kommt es, dass sich die Pärchen Jahr für Jahr gegenseitig zum romantischen Abendspaziergang in die Kälte zwingen – Frühlingsgefühle kommen bei drei Grad im Regen nicht auf. Wer auch immer den Valentinstag in den Februar gelegt hat, befand sich dabei nicht auf der Nordhalbkugel der Erde. Daher: Weg damit!

Trotz mangelnder Frühlingsgefühle wird dem Partner einmal im Jahr die unsterbliche Liebe beteuert und die heile Welt vorgespielt – am nächsten Tag kann man sich wieder über den Abwasch, Geld und die Kinder in die Haare kriegen. Alltag ist der Tod jeder Beziehung, diesem jedoch am Valentinstag zu Leibe zu rücken – einem Tag, der in fünf von sieben Fällen auf einen Tag unter der Woche fällt – ist die falsche Lösung. Sich nach acht bis zehn Stunden Arbeit hungrig und müde ins Abendkleid oder das Sakko zu werfen und sich zu einem Besuch in ein teures Edelrestaurant zu quälen, wird die Beziehung nur bedingt in Schwung bringen.

Seid lieber unter dem Jahr mal romantisch

Stattdessen sollte man auf die Idee kommen, dem Partner auch unter dem Jahr kleine Geschenke mitzubringen – oder auch mal ein "Ich liebe dich" auszusprechen, wenn man ungeschminkt und ungeduscht nach der Arbeit am Esstisch sitzt und vor Müdigkeit kein Wort miteinander wechselt. Am Wochenende mal miteinander auszugehen und den Partner oder die Partnerin zum Essen einzuladen, sollte Alltag sein – und nicht auf den 14. Februar geschoben werden.

Der Valentinstag scheint eine Entschuldigung zu sein: Eine Entschuldigung dafür, dass man sich den Rest des Jahres streitet, und eine Gelegenheit, mit einem prallen Geldbeutel die Gefühle – seien sie nun echt oder geheuchelt – auszudrücken, für welche man sonst keine Worte findet.

Auf den Valentinstag freuen sich daher in erster Linie Blumenhändler und die Süßwarenindustrie – im Wissen, dass der Umsatz an diesem Tag kräftig steigen wird.

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