Meine Meinung: Rose Simon findet, Smartphones machen dumm

Rose Simon

Statistisch gesehen hat jeder vierte Deutsche mittlerweile ein Smartphone. Die Freiburger Studierende Rose Simon, 21, hält nichts von jenem Hype. Sie findet: Smartphones sind aus ethischen, ideologischen und politischen Gründen nicht tragbar.

  Den Unterschied zwischen den Generationen merkt man an vielen Stellen, am deutlichsten aber, zumindest nach meiner Erfahrung, im Umgang mit technischen Geräten. War für unsere Großeltern vielleicht der Fernseher das Nonplusultra, so kann die Jugend von heute doch eigentlich alles im Internet gucken.


Folgende Begebenheit trug sich in meiner Familie zu: Das Nonplusultra und Gesprächsthema Nummer eins war diese Weihnachten das Smartphone. "Du kannst einfach nicht verstehen, wie praktische dieses Gerät ist. Ich kann alle Radiosender übers Internet empfangen und überall meine E-Mails lesen. Außerdem kann ich unterwegs alles nachsehen, was ich vergessen habe, oder was mir gerade in den Sinn kommt!"

Meine Mutter versuchte mir das Gerät Smartphone (Intelligent-Telefon?) schmackhaft zu machen. Ja, genau. Die jüngere Generation versucht sich verzweifelt gegen die Neuheiten der Technik aufzulehnen, wohingegen die ältere alle Funktionen zu nutzen weiß.

"Und, ich kann sogar mit ihm reden! 'Timer, drei Minuten'", spricht meine Mutter in das Gerät hinein. Leider scheint die gute Dame (ich glaube das Telefon ist eine Sie) nicht zu verstehen. Immer wieder antwortet sie: "Ich habe dich leider nicht verstanden." Warum duzt das Telefon einen eigentlich? Beim dritten Anlauf hat sie endlich gerafft, dass sie die Eieruhr (den Timer) auf drei Minuten setzten soll. Da war der Tee eigentlich schon gut. Ich fühle mich an einen Sketch aus meinem Deutschbuch erinnert, in dem ein Bayer verzweifelt versucht, einem Computer Sprachbefehle zu geben. Der Sketch dürfte mindestens acht Jahre alt sein. Viel hat sich wohl in der Hinsicht nichts getan in der Technik.

Aber was sind meine Argumente? Das alte Handy tut's doch auch. Ich kann telefonieren und SMS schreiben, habe einen Wecker und Kalender. Mehr benutze ich nicht und werde ich auch nicht benutzen. Außerdem habe ich keine Lust, mich in die Welt der Apps (Sprich: Äpps) hineinzudenken. Das verstehe ich doch sowieso nicht. Und surfen muss ich auch nicht 24/7. Stopp! Langsam komme ich mir vor wie meine Großmutter. Wenn das jetzt schon anfängt, dass ich den Neuerungen der Welt nicht folgen kann (und will!), wie wird das dann erst, wenn ich wirklich einmal Großmutter bin? Werde ich dann im Verhältnis zu der jungen Generation in der Bronzezeit leben? Vielleicht.

Aber es gibt auch handfeste Gründe gegen Smartphones:

Sie machen dumm

Wenn man jede Information jeder Zeit abrufen kann, muss man sich nichts mehr merken. Das fängt bei kleinen Dingen an wie: Wo ist die Vorlesung nachher? Wann ist der Film heute Abend?  und geht bis zu Fragen wie: Wie heißt Adenauer mit Vornamen? oder Wo wurde Mozart geboren?. Zugegeben, die Beispiele sind etwas willkürlich, aber die Aussage ist klar: Smartphones machen  nicht smart sondern stupid.

Sie machen unkommunikativ

Wer kennt sie nicht, die unangenehme Gesprächspause? Die Lösung: Seine E-Mails zu lesen, zu chatten sich mit WhatsApp - das ist eine der oben genannten Äpps - Nachrichten zu schreiben und vielleicht noch irgendwelche Newsportale durchzulesen ... Ist das direkte Kommunikation?

Natürlich gab es dieses Problem auch vor den Smartphones. Aber mit einem Bronzezeithandy konnte man vielleicht eine SMS verschicken, und dann war die Ablenkung auch schon vorbei und man musste sich unterhalten - und sei es übers Wetter. Smartphones bringen einen also dazu, sich eher mit sich selbst und virtuellen Freunden, als mit den Menschen, die einem direkt gegenüber sind zu  beschäftigen.



Sie machen Stress

"Ich kann immer und überall meine E-Mails lesen", führten meine Eltern als Proargument an. Immer und überall? Um Himmels Willen! Ich bin froh, wenn ich nicht immer weiß, welche Arbeit auf mich wartet und ich nicht in jeder Pause davon gestresst bin, wer mir wieder welche neue Nachricht geschrieben hat und wem ich jetzt möglichst schnell was antworten müsste.

Sie zerstören Romantik

Stell dir vor, es ist eine schöne Sommernacht ... okay, stimmt, es ist Februar. Stell dir also vor, es ist eine schöne, sternenklare Nacht und du schaust dir mit deiner Liebsten oder deinem Liebsten den Sternenhimmel an. Du fragst dich, welches Sternbild gerade über euch schwebt und was das für eure gemeinsame Zukunft bedeuten könnte. Und was macht dein Schatz? Holt sein Smartphone aus der Tasche und aktiviert seine Sternbild-Äpp. Ist das nicht schrecklich?

Zusammenfassend kann ich nur sagen: Aus religiösen, ethischen, ideologischen und politischen Gründen ist ein Smartphone für mich nicht tragbar!

 

Zur Person

Rose Simon ist 21, kommt ursprünglich aus Berlin und studiert Latein und Griechisch auf Lehramt. Wenn sie sich gerade nicht mit Cicero, Platon und Co. auseinandersetzt, schreibt und layoutet sie für den u-boten, die Zeitung des u-asta.

Mehr dazu:

[Bild 1, 3 © Robert Kneschke - Fotolia.com; Bild 2: Privat. Roses Text ist zuvor bereits im u-bote #828 erschienen]