Meine Meinung: Pokémon Go ist der größte Schrott!

Daniel Laufer

PokémonGo ist an diesem Mittwoch in Deutschland erschienen. Fudder-Redakteur Daniel Laufer hat sich natürlich schon eine Meinung zu dem Smartphone-Spiel gebildet: Er hasst es.

Pokémon Go gibt's jetzt auch in Deutschland. Ich wollte dem Spiel eine Chance geben, aber nicht gleich vor die Tür. Also googlete ich nach Einsteigertipps. Man erfährt allerlei Hilfreiches, zum Beispiel, dass Wasserpokémon vor allem an Flüssen und Seen zu finden sind.


Das ist natürlich furchtbar: Kinder werden mit ihren Smartphones durchs Schilf kriechen und Entons und Schiggys suchen, kein Auge mehr haben für Enten oder Schildkröten. Die Dinger sind jetzt sozusagen überflüssig.



Und sie werden nicht mehr in Waldtümpel steigen, um Kaulquappen zu fangen, sondern am Ufer sitzen und ein Quapsel abwerfen. Das ist okay, ich wollte auch nie in den Tümpel. Aber als ich reinfiel, lernte ich etwas: Natur riecht, manchmal auch übel. Spätere Entscheidungen konnte ich deshalb fundiert treffen. Camping-Urlaub? How about no.

"Das sind nur Jungs, die sich mit Glumanda über ihren Liebeskummer hinwegtrösten. Oder über ihre Midlife-Crisis."

Stattdessen werden Menschen heranwachsen, die keine Grenzen mehr kennen. Und nicht wegen der sogenannten Kuschelpädagogik, über die Hardliner so gerne nölen. Es wird daran liegen, dass Pokémon nicht Halt machen vor Privatgrundstücken!

Wenn bei Einbrüchen in Zukunft der Satz fällt: "Es fehlt nichts!" - dann wird der Kriminalbeamte fragen müssen: "Sind Sie sicher? Ist der Golbat noch da?" Ist er natürlich nicht: Die Fünfzehnjährige hat ihn in Deinem Badezimmer gefangen.

Sie wird mit ihm dann in eine Arena gehen, damit er gegen andere Pokémon kämpfen kann. Diese Arenen sind überall, auch in Freiburg. Zum Beispiel an der Basler Straße, vor einem Wohnhaus, an einem Spielplatzkarussell. Wenn man als Vater nun die Gardine zur Seite zieht, rausguckt und die einsamen jungen Männer sieht, die dort im Gebüsch stehen - mag man sich fragen: "Sind das Dealer oder muss ich mir Sorgen machen?"

Als Elternteil weiß man ja nicht: Das sind nur Jungs, die sich mit Glumanda über ihren Liebeskummer hinwegtrösten. Oder über ihre Midlife-Crisis. Erwachsene, die jetzt endlich werden können, was sie schon immer wollten: Pokémon-Trainer.



Pokémon Go macht junge Menschen politisch – quasi

Nur eines muss man Pokémon Go lassen: Es macht junge Menschen politisch! In Berlin drohten Tausende von ihnen auf die Straße zu gehen. Sie forderten das sofortige Deutschland-Release des Spiels. Die Aktivisten kündigten an, hartnäckig zu bleiben! Bis zum Ende des Akkubalkens. Kein Wunder, dass der Entwickler Niantic einknickte und am Mittwochmorgen den Schalter umlegte.

Naive Menschen zucken nun mit den Achseln. "Wenigstens gehen die Jungen an die frische Luft!", sagen sie. Darf ich ein Geheimnis verraten? Wir sind früher auch rauchen gegangen.

Pokémon sind ungesund. So ungesund, dass McDonald's sie früher als Plastikfiguren in Happy-Meal-Tüten gepackt hat. Was für ein Geschäftsmodell nun erst Pokémon Go mit sich bringt! Stell Dir Kinder vor, die mit der einen Hand einen Double Big Mac in ihr Gesicht stopfen und mit den fettigen Fingern der anderen auf dem Smartphone ein Ditto klarmachen. Warum? Weil McDonald's die Exklusiv-Rechte an Dittos gekauft hat. Und "Schnapp sie dir alle!" nicht ohne Ditto geht. Schöne neue Welt!

Kann schon sein, dass Du jetzt sagst: "Du hast doch gar keine Ahnung!" Meine Eltern verboten mir, einen Gameboy zu kaufen. Vom ersten Tag an war ich raus aus Eurem Pokémon-Wahn! Aber mein Umfeld vom ersten Tag an verrückt danach.

"Pokémon Go erinnert mich an meine Kindheit: Ich gehöre nicht dazu."

Ich hatte einen Freund, der zwar einen Gameboy hatte, aber kein Geld für die Sammelkarten. Während die Anderen im Sportunterricht über Bänke hopsten, stahl er sich in die Umkleide und durchwühlte die Schulranzen. Fand er Karten, steckte er sie nach ein paar Minuten wieder zurück. Warum? Mein Freund war schlau, er hatte sie abgepaust.

Später war ich mit einer Frau zusammen, die studierte und hatte viel zu tun. Irgendwann, am Ende der Klausurenphase, kaufte sie sich bei ebay den Gameboy-Nachfolger Nintendo 3DS und ein Pokémon-Spiel. Sie hatte Semesterferien. Wir sahen uns dann für eine Weile nicht.

Mein ganzes Leben lang hat Pokémon mich begleitet. Für Dich bedeutet Pokémon Go 90er-Nostalgie. Mich erinnert es an meine Kindheit: Ich gehöre nicht dazu. So ein Schrott!